Weltprojekte
Forschung für Milliarden
Die großen Welträtsel lösen Forscher nur noch in internationaler Zusammenarbeit. 20 wissenschaftliche Mammutprojekte und ihr Nutzen für die Menschheit im Porträt
Die Wissenschaft der großen Menschheitsfragen ist heute eine Wissenschaft der Mammutprojekte: Physiker vergraben riesige Teilchenbeschleuniger tief in der Erde, Mediziner aus 90 Nationen versuchen gemeinsam, die Kinderlähmung auszurotten, und Klimaforscher aus 130 Ländern arbeiten daran, ihre Erkenntnisse über die globale Erwärmung zu einem stimmigen Bild zusammenzufügen. Für die oft spektakulären Großforschungsprojekte gibt die Menschheit insgesamt viele Milliarden aus. Die folgenden Bilder zeigen 20 solcher Mammutaufgaben aus den Bereichen Physik, Kultur, Biologie, Weltraum und Umwelt als Quartett-Kartenspiel. Wir bewerten jede einzelne: Wie ist sein Nutzen für die Menschheit? Wie hoch der Gewinn an Erkenntnis und Prestige?
Kommen Sie zu einer anderen Bewertung? Für wie sinnvoll halten Sie die Großprojekte?
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- Datum 09.01.2008 - 02:55 Uhr
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Wie zynisch zu fragen, ob Großforschung Geldverschwendung sei.Solange an Waffen geforscht und gebaut wird, ist jeder Cent für scheinbar irrelevante Fragen der Menschheit ein Segen. Lasst uns zum Mond fliegen oder zum Mars, aber zerstört endlich den Militärisch-Industriellen Komplex.
... in der Bewertung. Die meisten Einschätzungen finde ich überzeugend, die Nummern 3, 5 und 6 (Elementarteilchen, Gravitationswellen, Stein von Rosetta) in der Rubrik "Nutzen für die Menschheit" zu gering bewertet. Dass die Hieroglyphen entziffert werden konnten, hatte einen unschätzbaren kulturellen Nutzen, nicht zuletzt das Interesse an der altägyptischen Kultur schon allein angesichts solcher Weltwunder wie der Pyramiden gigantisch war, ist und bleiben wird. Und die Grundstrukturen von Materie und Kosmos zu erforschen, bedeutet natürlich zunächst einmal Grundlagenarbeit ohne erkennbaren Zweck, zumal sich die entsprechenden Ansätze ja gut und gerne als haltlos erweisen können, was man aber erst hinterher weiß. Null bis 5 Punkte je nach Erfolg hätte ich angemessener gefunden.Ansonsten aber: Großes Lob für die Zusammenstellung! Vielleicht hätte noch die Mathematik vertreten sein sollen, z.B. mit einem der "Millenium-Probleme" (vgl. den gleichnamigen Wikipedia-Eintrag).
Grösser und wichtiger als der "Census of Marine Life" und vielleicht alle anderen Projekte zusammen sind die Projekte, die versuchen, alle Organismen der Erde zu erfassen, z.B. Species2000, Wikispecies, oder die Encyclopedia of Life. Alle sind von unschätzbarem Erkenntnisgewinn und grösstem Nutzen, denn die Vielfalt des Lebens birgt unendlich viele Anwendungen (neue Antibiotika, Medikamente, Enzyme für chemische Prozesse etc.). Von den geschätzten mindestens 10 Millionen Arten sind derzeit nur knapp über eine Million in Datenbanken katalogisiert. Von der Vielfalt der Mikroorganismen haben wir schlicht kaum einen Schimmer und durch diese könnte die Zahl nochmal um einen Faktor 10 höher liegen. Die in eine ähnliche Richtung zielenden so genannten Metagenomprojekte gedenken alle DNA der Welt zu sequenzieren und geben bereits einen ersten Einblick in diese Vielfalt. Das Humangenomprojekt war dagegen Kinderkram.
Pardon - hatte ich vergessen: erstaunlich ist, dass die Biodiversitätsforschung seit Jahrzehnten unglaublich stiefmütterlich gefördert wird und die entsprechenden Lehrstühle unter chronischem Geldmangel leiden. Es ist fast schon ein Skandal, dass die Menschheit 100 Milliarden in die Raumstation pumpt, die praktisch nutzlos für die Menschheit ist und die Forschung an unseren natürlichen Lebensgrundlagen geradezu schändlich vernachlässigt (wenn man die paar Dutzend "Modellorganismen" [wie Maus, Ratte etc.] unberücksichtigt lässt, für die vermutlich 95% aller biomedizinischen Forschungsmittel ausgegeben werden).
Ich halte die Schaffung eines friedlichen und prosperierenden Afghanistan für DAS Menschheitsprojekt mindestens im ersten Viertel dieses Jahrhunderts!
wer hat das denn beurteilt ? die Zeit ?? sehr merkwuerdige beurteilung in einigen faellen - projekte zur nahrungsmittel produktion bzw bevoelkerungsernaehrung schlechter bewertet als ITER ?? ITER halte ich fuer den groessten bloedsinn aller zeiten , sonne haben wir schon - kann jeder umsonst benutzen - auch zur energieerzeugung. das ITER ist teuer , gefaehrlich, macht und energiepolitisch inaktzeptabel, unoekologisch, goressenwahnsinnig und vieles mehr, wenn man weiter ins detail geht. es bringt der menschheit/dem steuerzahler keine vorteile sondern nur der industrie, die es baut - mit anderen worten der nuclearlobby. WOZU ??? es muss nicht alles gemacht werden was machbar erscheint - wird schon kleinkindern beigebracht.
Ich finde es irgendwie problematisch, wissenschaftliche Forschung (die noch im Gange ist) nach ihrem "Nutzen" zu bewerten. Der ist nämlich bei weitem nicht immer offensichtlich, manchmal stellen aufwendige Forschungen lediglich den Grundbaustein für nachfolgende Forschungen und industrielle Anwendungen dar oder erweitern lediglich unser Wissen über uns und unsere Vergangenheit (historische Forschungen) und befriedigen damit lediglich menschliche Wissbegierde. Selbst fehlgeschlagene Forschungsvorhaben sind nützlich, man lernt an den Gründen für den Fehlschlag, man lernt bei der Vorbereitung, Durchführung und Problembewältigung.Ein Beispiel? Die Entwicklung des ARPA-Netzes zur dezentralen Kommunikation für den Fall eines Atomschlages. Diesem Zweck musste es zum Glück nie dienen und hat doch haufenweise Forschungsgelder verschlungen. Trotzdem war es nicht sinnlos, aus dem ARPA-Netz entstand das Internet, anfangs mit eher geringem akademischen Nutzen, wuchs sich bald zu einer regelrechten IT-Revolution heraus.Vorher unabsehbar und nur in Kombination mit einer anderen elitären Großforschung möglich: dem Computer, dessen Geschichte ganz ähnlich verlief.Wer kann also heute schon sagen, wie nützlich z.B. ITER ist? Vielleicht entsteht aus dem Wissen über Fusion und deren Kontrolle irgendwann Antriebe für Raumschiffe, vielleicht entdeckt man bei der Suche nach guten Magneten DEN Hochtemperatur-Supraleiter, vielleicht kann man mit ITER-Nachfolgern tatsächlich irgendwann Strom gewinnen, niemand kann das jetzt schon sagen.
Aus Ihrer interessanten Zusammenstellung wird sichtbar, dass die Forschung ohne wirkliche internationale Koordination stattfindet. Ich meine damit, ohne dass die Mittel dahin gelenkt werden, wo sie am meisten gebraucht werden. Wenn hier auch Managementkriterien schwer zu setzen sind, so wuerde sich ein Versuch doch lohnen. Gegenwaertig gibt es zwar die sehr aufschlussreichen Delphi Reports, die die grossen Ergebnisse in den Wissenschaften vorauszusagen suchen - und die Sie nicht erwaehnen - aber ich sehe international kein Bemuehen um die Abschaetzung von Aufwand und Nutzen. Das erklaert sich wohl auch daraus, dass jeder fuerchtet, ungenaue Aussagen zu machen wie zum Beispiel zur Risikoabschaetzung und dem berechtigten Aufwand zur Risikovermeidung. Ein Grundprinzip des Management ist die Abschaetzung von Aufwand und Ertrag und zwar mit konkreten Schaetzzahlen selbst bei ungenauen Informationen ueber Marktentwicklungen, technologische Neuerungen und deren Bedeutung, Konkurrenzverhalten etc. Man kann diesen Schaetzungen nicht ausweichen, wenn man grosse Summen in die Zukunft investiert.Ein Beispiel - analog zu Asteroidenabwehr. Der Bau von Atomkraftwerken mit einer Gauchance von 10.000 Jahren im Vergleich zu dem Bau von Atomkraftwerken mit einer Gauchance von 1.000.000 Jahren wuerde versicherungstechnisch eine hundertfache Praemie fuer den Fall eines solchen groessten anzunehmenden Unfalls a la Chenobyl erfordern. Der Strom koennte dann teurer werden, als bei einer entsprechenden Menge von Windkraftwerken.Was muesste man wohl bezahlen, um einen Asteroideneinschlag zu vermeiden, der die Menschheit mit einer zehnmillionsten Wahrscheinlichkeit ausloescht oder um einen Seuchenausbruch einer Vogelgrippe zu verhindern oder um eine Klimaaenderung abzuwenden? Manager muessn in solchen Kategorien denken, warum nicht die Menschheit insgesamt?
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