US-Vorwahl Sieg für Clinton und McCain

Demokratische Überraschung, offenes Rennen unter Republikanern. Die kommenden Wochen werden spannend. Ein Kommentar

„Zuallererst möchte ich Hillary Clinton gratulieren“: Wer hätte gedacht, dass Barack Obama seine an die Unterstützer gerichtete Dankesrede nach den Vorwahlen im US-Bundesstaat New Hampshire mit diesen Worten einleiten würde? Die Journalisten jedenfalls nicht, und ebensowenig die Meinungsforscher. Sie wurden von den Wählern überrascht, die sich in den vergangenen Tagen intensiv mit den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten und der Republikaner auseinandergesetzt hatten, um dann mit relativ hoher Wahlbeteiligung zu entscheiden.

Und zwar so: Unter den Demokraten erhielt Clinton 39, Obama 37 und John Edwards 17 Prozent, unter den Republikanern McCain 37, Romney 32 und Huckabee 11 Prozent. Und schon ist eine neue Lage gegeben.

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Wer da (wie der ratlose John Edwards) einwenden wollte, es habe sich nur um eine gute halbe Million Stimmen gehandelt, hätte die Signalwirkung der Vorwahlen in New Hampshire unterschätzt. Sie sind, waren es auch stets, ein eingehender Labortest, der die Frage beantworten soll, mit welchen Kandidaten die beiden großen Parteien die besten Chancen haben, den nächsten Präsidenten zu stellen - und damit tausende politischer Jobs in Washington zu ergattern.

Beeindruckend war die Offenheit des Wahlvolks im neuenglischen Bundesstaat; es wollte in der Sache überzeugt werden, Rhetorik allein genügte nicht. Die Wähler fragten nach, und da zeigte sich die Stärke Hillary Clintons: Ginge es nur danach, wer am besten antwortet, spöttelte die Washington Post , dann müsste die ehemalige First Lady gewinnen.

Zu diesem Zeitpunkt stand für den Kommentator wie für alle anderen fest, dass Obama unaufhaltsam sei. Irrtum, und die Frau mit den Antworten gewann.

Nein, nicht die Wähler ließen sich vorwiegend von Emotionen leiten, sondern eher die professionellen Beobachter, nicht zuletzt diejenigen außerhalb Amerikas. Clinton bietet ihnen wenig Projektionsfläche, sie ist ein kantiger Brocken, wohingegen Barack Obama das wandelnde Hoffnungssymbol gibt. Sein Charisma ist ein anderes als das ihre. Während sie Willen und Kompetenz ausstrahlt und damit jedem, der Anlehnung sucht, Sicherheit versprechen kann, ist sein Auftreten stets aufwühlend, hinreißend, begeisternd. Aber am Ende zählt in der politischen Rhetorik nicht die Wirkung im Saal, sondern außerhalb des Gebäudes.

Leser-Kommentare
    • FahadA
    • 09.01.2008 um 9:16 Uhr

    Die Rechnung ist offenbar aufgegangen. Nur Stunden nach dem Vorfall in der Strasse von Hormuz, bei dem bis zu fuenf iranische Schnellboote mit jeweils bis zu zwei Besatzungsmitgliedern, denen unterstellt wurde, durchaus Maschinengewehre (!) an Bord zu haben, bis auf 200 m (!) an amerikanische Kriegsschiffe heranpreschten und in englisch mit sehr starkem Akzent ankuendigten: "Gleich werdet ihr explodieren!" sind die beiden Hardliner ihrer jeweiligen Lager bei den Primaries davongezogen. Tehran laesst gruessen.Beunruhigend ist da weniger der Erfolg Hillarys, die auch mal schnell weint, wenn's gilt, 'sich neu zu erfinden'. Sie hatte ja auch kuerzlich mitgestimmt, als die Pasdaran (die man hinter den waghalsigen Manoevern im Persischen Golf auszumachen glaubt) als terroristische Organisation einzustufen war. Sie wird sich noch oft wenden in diesem Vorwahlkampf. McCain, der sich trotz seines fortgeschrittenen Alters von 71  als Comback Kid apostrophierte, ist da schon ein anderes Kaliber. Er braucht derartige 'Vorfaelle', um seinem grossen Ziel naeher zu kommen: Bomb Iran!Das ist Demokratie, wie der Autor meint. Das ist eine Expression von Demokratie, wie ich bescheiden anmerken moechte.

  1. Dass Barack Obama - ein Blender erster Güte - Clinton brav zum Wahlsieg gratuliert, das ist keine Überraschung.Der muss die einmal gewählte Rolle des Mr. Nice Guy bis zum Schluss durchhalten, auch wenn gelegentlich die Gesichtszüge entgleisen.Obama ist ein Asozialer:Weil er einen schnellen Abzug der Streitkräfte aus dem Irak verspricht (und damit "killing fields" um Bagdad riskiert - man lese den Artikel von Steingart im Spiegel).Weil er sich nur halbherzig und widerwillig - eben scharf kalkuliert - für eine bessere Gesundheitsversorgung der Amerikaner einsetzt (eine verbindliche Versicherung lehnt Obama ab).Nicht zuletzt auch deshalb, weil er höchst illoyal ist.Hillary Clinton hat Obama vor zwei Jahren seinen Senatsposten zukommen lassen, als er noch ein Niemand war.In jeder funktionierenden Belegschaft eines Betriebes würde er dafür blutig abgegrätscht werden.In der Politik läuft es etwas anders, weil da das Wahlvolk zwischengeschaltet ist.Die Leute sind aber nicht so dumm, wie manche glauben, vor allem nicht in der Masse (ein Irrtum, dem gerne auch Journalisten unterliegen).Das Volk, jedes Volk, hat ganz gesunde Instinkte, und es ist gut möglich, dass die in den kommenden Monaten stärker zum Tragen kommen.Was Mrs. Clinton angeht:Die ist keineswegs der Pudding, für den sie viele halten.Da gibt es echte Überzeugungen, die sich wie rote Linien durch die politische Biografie ziehen, im Inneren bei der konsequenten Forderung nach einer radikalen Reform des Gesundheitswesens, aber auch in der Sicherheitspolitik.Obama will mit den Iranern "verhandeln".Klingt auf Anhieb ganz gut - nur, worüber?Vielleicht darüber, dass iranische Dissidenten und Homosexuelle nicht mehr gehängt werden, sondern human guillotiniert?Oder will er mit den Iranern vielleicht ein "Zeitfenster" bei der Anschaffung von Atomraketen aushandeln - mit denen sie dann bei einem eventuellen Umsturz schnell noch den grossen und den kleinen Satan auslöschen können?Obama ist kein "Hoffnungsträger", Obama ist eine .... [Selbstzensur].Dass die Amerikaner nach der Bush-Ära einen Wechsel wollen, das war von vornherein klar - auch klar war, dass für diesen Wechsel eigentlich nur zwei Personen in Frage kommen: Obama und Clinton.Frau Clinton hat in dieser Hinsicht nicht nur einen Nachteil, sondern auch Vorteile.Erstens ist sie - anders als Bush - eine Frau, und zum Zweiten steht die Marke "Clinton" schon an sich für Kontrast zum Neokonservatismus.Clinton hat starke Vorteile:Es gibt alte Anhänger von Bill (auch unter den Schwarzen), ein gut organisiertes Geflecht von innerparteilichen Bündnispartnern, eine prall gefüllte Wahlkampfkasse, und die politische Erfahrung von Mrs. Clinton.Sie wird es schaffen, und das ist gut so, obwohl mir McCain noch lieber wäre (genau die richtige Mischung).Aber McCain ist zu alt und hat keine Kohle, und deshalb hat er keine Chance.Das ist schade, denn ein Mann, der Sprüche raushaut wie:"Ich bin alt wie Dreck und sehe aus wie Frankenstein, besitze aber viel Erfahrung", der ist charakterlich bestens qualifiziert für´s höchste Amt.Authentisch eben!Genau das ist wichtig, das die Leute authentisch sind.Deshalb gehen auch die ganzen protestantischen Hillbillies und Mormonen nicht.Was soll man von Christen halten, die in ihrem Staat wieder die Todesstrafe einführen wollen, oder hobbymässig auf Grosswildjagd gehen.Giuliani?Der hat die besten Umfragewerte von allen Kandidaten, ist aber vielleicht doch ein wenig zu kontrastarm.So gesehen nur die dritte Wahl, nach Clinton, aber auf jeden Fall besser als der Pseudo-Softie, der sich auf leisen Sohlen gerne von hinten anschleicht.Ich denke, und das schon seit einem halben Jahr, dass der Gewinner des Duells Clintion/ Obama auch die Präsidentschaft gewinnt.Es wird verdammt knapp werden, aber die Bessere wird gewinnen!

  2. Genau dieses Szenario hat der erfahrene Medienkönig Bloomberg erhofft, der bisher noch im Hintergrund abwartete, ehe er seinen ersten Auftritt riskiert.  Mit gleich zwei Demokratischen Kandidaten, die beide für einen Großteil der US-Bevölkerung aus persönlichen Vorurteilen sowieso unakzeptabel sind, kann er jetzt wie einst Ross Perot als Unabhängiger Retter erstmals auf den Plan treten.  Das populäre Medienspektakel genannt US-Wahlen dürfte also in den kommenden Wochen noch wesentlich interessanter werden. 
    Auch der Vorwahl-Gewinn des Republikaners McCain ist durchaus noch keine abgeschlossene Sache.  Giuliani will sich aus finanziellen Gründen überhaupt erst in Florida erstmals ernstlich engagieren, und auch Romney, der im Gegensatz zu ihm über unbegrenzte Wahlfonds verfügt, hat noch große Chancen.  Der Evangelist Huckabee hofft zwar auf ein Comeback im Süden, doch gilt er vermutlich bei einem Großteil der Bevölkerung als unakzeptabel.  

  3. sind weit offen.Alle die Obama schon im Weissen Haus sehen muessen sich gedulden denn Iowa und New Hampshire sind nur 2 Staaten und sie unterscheiden sich von dem Rest.Aber egal wer am Ende Praesident wird es wird wenig Grund fuer Europa geben den Einen oder Anderen zu favorisieren.

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