Jugendkriminalität Falsche AnnahmenSeite 3/3

"Wir wollen die Höchstgrenze der Jugendstrafe bei Heranwachsenden für schwerste Verbrechen von 10 auf 15 Jahre erhöhen." Unter der genannten Bedingung, das Jugendstrafrecht generell auf Heranwachsende anzuwenden erscheint diese Forderung konsequent und angemessen.

"Wir wollen das jugendstrafrechtliche Handlungsinstrumentarium [...] erweitern [...] zum Beispiel das Fahrverbot zu einer eigenständigen Sanktion des Jugendstrafrechts [ausbauen]." Das ist zwar heftig umstritten, weil kein Bezug zum Verkehrsverhalten verlangt wird. Aber es kann sinnvoll etwa an die Stelle des teuren, meist negativ wirkenden Arrests treten und junge Straftäter spürbar in ihrer Freiheit einschränken.

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"Wir wollen zum Schutz der Bevölkerung die Sicherungsverwahrung auch bei Heranwachsenden zulassen." Über diese Forderung – so fragwürdig sie ist – wird bereits anhand eines Gesetzentwurfs der Regierungskoalition beraten. Die Gesetzesanwendung und vor allem die Prognoseproblematik sind bei jungen Menschen freilich noch schwieriger als bereits jetzt im Erwachsenenrecht.

"Ausländer müssen bei einer Gefängnisstrafe von mindestens einem Jahr ohne Bewährung zwingend ausgewiesen werden können." Bei längeren Strafen, wie sie die Münchener Täter zu erwarten haben, ist die Abschiebung sowieso zwingend und parteiübergreifend gewollt. Andererseits ist sie immer ausgeschlossen, wenn Todesstrafe oder Folter im Herkunftsland drohen oder wenn die Täter wie Russlanddeutsche den deutschen Pass haben. Schwierig ist eine Abschiebung in Länder der EU. Außerdem sind die meisten jungen ausländischen Straftäter hier geboren. Sie wurden hier (fehl)sozialisiert und sind gezeichnet vom Integrationsversagen unseres und nicht eines anderen Landes. Dann sollten wir unsere Hausaufgaben machen, Familien zusammenlassen und junge Täter mittlerer Kriminalität nicht in Länder abschieben, die nicht ihre Heimat sind.

 
Leser-Kommentare
    • Jonni
    • 03.01.2008 um 19:09 Uhr

    Wo im Vorfeld fast alles versäumt wurde, wo eine bestimmte Gruppe spätestens ab "Vorstrafe Nr. 10" schon so verkorkst ist, daß Strafen fast nichts mehr nützen, da kann man sich das Motiv "Abschreckung" ruhig abschminken. Die Diskussion läuft also in die falsche Richtung.."Lange Strafen", je länger umso besser, sind aber insofern wichtig, als diese mitleidlosen Brutalos während dieser Haft-Zeit keine weiteren Opfer invalide schlagen können. Jeder Mensch, der dadurch nicht halb oder ganz tot geschlagen wurde, kann dankbar sein, wenn so ein Peiniger weggeschlossen ist..Und wer meint, auf Dauer käme es zu teuer, solche Burschen jahrelang auf Staatskosten im Knast zu halten, möge bedenken: Die Krankenhaus- und weiteren Folgekosten, evtl Rehamaßnahmen und Invalidenrenten sind weitaus höher, als die teuren Gefängniskosten. Von seelischen Folgen für traumatisierte Opfer will ich gar nicht reden..Und wer dann immer noch Mitleid mit den bestraften Tätern hat, soll sich doch vor Augen führen: Niemand zwingt so einen Schläger, gegen andere aggressiv zu werden. Er tut das freiwillig, aus freien Stücken. Wenn er nicht gern in den Knast geht, dann braucht er keinen Mitmenschen gesundheitlich kaputt zu machen: Er hat das ganz allein selber in der Hand. Mitleid ist hier unpassend. Das Mitleid gehört statt dessen zu den Opfern!

    • Anonym
    • 03.01.2008 um 19:29 Uhr

    zu überfallen, weist darauf hin, dass es vor allem um sadistische Feiglinge handelte. Einen alten Mann zu verprügeln und auszurauben, braucht man keinen besonderen Mut, sondern Niedertracht. Um sich "auszutoben", sollten die zwei U-Bahn-Raucher in Not, zu einem russischen Discoklub gehen und dort die Sau rauslassen.

    • wpev
    • 03.01.2008 um 19:32 Uhr

    Gewiß denkt jeder Kriminelle cleverer zu sein als die Polizei... ließe er sich abschrecken wäre er nicht kriminell. So geht das dann von Fall zu Fall.Die bestehende Rechtsprechung konsequent anwenden... das sollte genügen. Im Einzelfall muß sie halt einer Veränderung angepasst werden... dafür haben wir doch hochkarätige Politiker und Juristen, oder?Und kriminell sind nicht bestimmte Gruppen... aber bestens mit laissez-faire ausgerüstet sind alle Verantwortlichen. Die Gesellschaft benötigt Perspektiven... wer vermittelt sie ihr?

  1. In den 50- und auch noch in den 60-Jahren konnte man spaet nachts durch einen Park gehen oder in der U-Bahn fahren und nichts passierte. Das Leben war angenehm und sicher. Unsere Jugendlichen waren nette und gut erzogene Menschen. Damit ist jetzt Schluss.Und wie soll es weitergehen ? Abschreckung, Ausweisung, Gefaengnis, Kuschelkurse, nichts funktionert. Jugendliche Gewalttaeter vermehren sich wie Bakterien, massenhaft, unkontrolliert, irrational.  Soll man also abends besser zu Hause bleiben ? Eine absurde Situation.  

    • Peter.
    • 03.01.2008 um 20:57 Uhr

    Jetzt schwenkt ja sogar Schäuble ein und ist, wie fast alle Experten, gegen eine Verschärfung des Jugendstrafrechts. Das sollte Koch zur Kenntnis nehmen und wenn er so auf der Moral unserer Gesellschaft rumreitet, sollte er dafür sorgen, daß in unserem Staat keine Babys mehr verhungern müssen, sondern die Familien das Geld dazu haben, sie großzuziehen.

  2. @eh381006:   "Kaum ein Tag vergeht ohne erneute Übergriffe halbstarker Jugendlicher. Der
    jüngste Vorfall in Wuppertal ist dabei nur einer von vielen. Immerhin
    fünf der zehn Täter, die dort drei Liebenspärchen auftaten und brutal
    niederschlugen, konnten von der Polizei festgenommen werden. Sie stehen
    im Alter von 16 bis 23 Jahren. Auch in anderen Teilen der
    Bundesrepublik kam es in jüngster Zeit zu Übergriffen: In Hamburg
    überfielen etwa 20 Jugendliche eine 22jährige Ehefrau, rissen ihr die
    Kleider vom Leib und verübten unzüchtige Handlungen. In Berlin kam es
    zu Straßenschlachten zweier Horden, von denen sich eine als
    "Totenkopfbande" tituliert. Und in Heidelberg störten Jugendliche
    ausgerechnet eine Diskussion in der Universität zum Thema "Ist die
    Bezeichnung Halbstarke gerechtfertigt?"."   Quelle: http://www.rockarchiv.inf...   Und das ist nur ein Beispiel von vielen. Gerade die 50er waren alles andere als friedlich. Neben übelsten Messerstechereien auf Volksfesten waren es gerade Jugendbanden, die nachts die Straßen und Bürgersteige beherrschten. Erschreckend ist eher die Idealisierung der 50er- und 60er-Jahre, die wohl auch aus einer bestimmten medialen Verklärung herrührt. Das kann und soll keineswegs den Blick auf die heutigen Missstände verstellen, aber gelegentlich ist eine etwas professionellerer Blick auf die Vergangenheit nicht verkehrt.

  3. Ein sehr guter Artikel - Danke dafür an die "Zeit" und W. Husmann und A. Behm.Zum Inhalt:Zuerts einmal ist die Richtigstellung von A. Behm:"Liegt die Rückfallquote nicht womöglich deswegen so hoch, weil nur
    die Unbelehrbarsten in den Knast kommen, bei denen alle anderen
    Maßnahmen vorher versagt haben?Andreas Behm: Völlig richtig. Ich finde es sogar
    eine erstaunlich hohe Erfolgsquote, wenn man sich anschaut, wer da
    sitzt. Das ist wirklich die Crème de la Crème unter den jugendlichen
    Delinquenten.""erstaunlich hohe Erfolgsquote - damit ist dem Geseiere von Zypries zumindest ein Gegenpunkt gesetzt - die Rückfallquote ist also zumindest bei diesem Klientel kein Zeichen dafür, dass "Einsperren" nichts bringt, ja sogar schädigen würde.Auch sollte ergänzt werden, dass nicht nur soziale Umstände, quasi 'Unterschichtenmilieu' hauptverursachend für diese fehlendwickelten Jugendlichen ist, sondern auch die Werte, die sie von ihren Eltern vermittelt bekommen haben - und in einem arabisch/türkischen Problemmilieu (es gibt selbstverständlich andere arabische und vor allem auch türkische Milieus - sogar in der mehrheit) scheinen sich bestimmte Werte zu vermitteln, die einerseits Gewalt fördern, andererseits aber auch den Kindern aus diesen Milieus es fast unmöglich machen überhaupt in unserer Gesellschaft ankommen zu können.Angefangen damit, dass die Eltern den Kindern erst gar nicht die Verkehrssprache (=Deutsch) beibringen (können), über oft archaiische Ehrvorstellungen bis hin zu diffusen Machobildern und frauenfeindlichen Einstellungen, dass dann gekoppelt wird mit arabischen bzw. türkischen Fernsehsendern, einer freiwilligen Ghettoisierung und sehr oft auch einer masslosen Überhöhung der eigenen "Auserwähltheit", sei es aufgrund der Religion, sei es aufgrund der Nationalität oder gar einem wilden Gemische daraus. Dazu kommt dann sehr oft noch ein diffuse Schuldzuschreibung der Mitwelt, der 'Deutschen', der 'Behörden' oder wem auch immer an der eigenen Misere. All diese faktoren kann man sicherlich bei anderen Gruppierungen ebenfalls finden, aber idR. scheinen sie hauptsächlich in arabischen und Türkischen Milieus, exakter Unterschichtenmilieus, aufzutreten.Was anscheinend - dies zumindest ist mein persönlicher Eindruck - da eine signifikante Rolle spielt ist, dass innerhalb dieser Ghettos sich Wertekanons gebildet haben, welche die Allgemeingesellschaft prinzipiell als amoralisch ablehnen und dabei auf eine 'höhere', auf den eigenen Kultur- und Religionswahrnehmungen beruhende Moral verwiesen und daraus dann ein prinzieller Anspruch auf 'bessersein' abgeleitet wird. Damit kann dann jeglicher Übergriff gegenüber dieser Allgemeiongesellschaft und ihren repräsendanten vor sich selbst moralisch gerechtfertigt werden.Wohlgemerkt, ich habe nicht gesagt, dass gerade diese Jugendlichen aus diesem Milieu auch nur ein einziges Mal in z. B. den Koran hineingeblickt hätten oder große Ahnung von der Kultur des 'Ursprungslandes' haben - sondern nur, dass sie glauben dies zu haben und das dieser 'Glaube' ausreicht um ein diffusen Wertekanon zu installieren, der für eine entsprechende Werteeinteilung ausreicht (ähnlich wie viele Neonazis nicht wirklich eine echte theoretische Ahnung haben über die NS-Ideologie, aber sich eben auch ein Bild mit Wertekanon zurechtschustern). Was man dagegen tun kann ist eine sehr schwere Frage - eigentlich müsste man solche freiwilligen ghettos zerschlagen - denn diese Jugendlichen sind sehr oft nur der überspizte Ausdruck der Ansichten und Wertigkeiten, die die masse der in diesen Milieus und somit Ghettos hat - deren Ansichten und Werte sind ja weder vom Himmel gefallen noch befinden sie sich damit wirklich in einem Gegensatz zu ihrer unmittelbaren Mitwelt. Intensivtäter, die man ausweisen kann, sollte man auch ausweisen - denn warum soll die allgemeingesellschaft sich mit diesen Kindern belasten  - deren sozialisation eben nicht im Kreis der Allgemeingesellschaft stattgefunden hat, sondern in einem Kreis der sehr oft dezitiert gegen die Allgemeingesellschaft sich stellt und sich bewußt von dieser abkehrt. Wenn man die Möglichkeit schon hat, dann sollte man sie auch nutzen - es bleiben mehr als genug übrig, bei denen man diese Möglichkeit nicht hat.zudem sollte man in dieser Diskussion auch die Seite der (potentiellen) Opfer nicht vergessen, wenn man sich fragt, wie man mit jugendlichen Intensivtätern  umgehen soll.Es ist gerade bei der hohen Bereitschaft zu Gewalttaten sehr schwer und eigentlich auch sehr zynisch zum Wohle des Jugendlichen diesen eine Chance zu geben - und dabei bewußt die hohe Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls in Kauf zu nehmen, was dann konkret heisst, dass er jem. Überfällt, ins Koma prügelt oder absticht - leider aber seltenst diejenigen, die meinten, dass er nun wiedermal einen neuen Versuch habe ohne ausreichend garantieren zu können, dass er nicht wieder rückfällig wird.Das Wohlergehen eines Jugendlichen steht nicht über dem lebensrecht und dem Recht auf Unversehrtheit anderer Menschen - was aber oft wie in Fällen vom München Mechmed oder nun diesen U-Bahn-Jugendlichen anscheinend in der Praxis so gehandhabt wird.Wegsperren ist sicherlich nicht eine Lösung bzl. dem Jugendlichen - aber es ist eine Lösung für die Sicherheit der Bevölkerung in dieser Zeit seines Weggesperrtseins.Ich zumindest kann mir nicht des eindruckes erwehren, dass manch einer dieser Intensivtäter sich so wenig unter Kontrolle hat, dass seine Handlungen als eigentlich ähnlich Krankhaft beurteilt werden müßten wie die Handlungen eines psychisch kranken Sexualstraftäters.

  4. Ein Interview, das jedem nur zu empfehlen ist, der sich für den Themenbereich interessiert. Dem gesagten gibt es nichts hinzuzufügen.

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