Kenia Schlacht um NairobiSeite 3/3

Aus den Rauchschwaden tauchen zwei dunkelgrüne Laster auf, voll besetzt mit Spezialkräften der Polizei. Mit einem lauten Knall fliegen die ersten Tränengassalven in Richtung der Randalierer. In kürzester Zeit löst sich die Gruppe auf, die Jugendlichen rennen in alle Richtungen davon.

Am Rand des Uhurs-Parks haben sich Scharen von Journalisten versammelt. Alle erwarten die Ankunft Odingas, der sich kurz zuvor aus seinem Büro auf den Weg gemacht hat. Doch es bleibt ruhig. Umgeben von einer aufgebrachten Schar seiner Anhänger wird die Protestführung von der Polizei gestoppt. Für das einfache Volk gibt es an diesem Tag kein Durchkommen in die Innenstadt. Die Stimmung ist erhitzt, wilde Diskussionen finden auf offener Straße statt.

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Nach scheinbar endlosen Beratungen entscheidet sich die Oppositionsführung, die Demonstrationen auf den 8. Januar zu verschieben. Nairobi bleibt vorerst in der Hand der Regierung. Noch immer hat Odinga keine Möglichkeit erhalten, offen zu seinen Anhängern zu sprechen. Es wirkt wie eine weitere Niederlage, mit der sich die Kenianer nicht abfinden wollen. Zum symbolhaften Protest setzen drei Parlamentsmitglieder, drei Anführer des zivilen Ungehorsams, ihren Marsch fort. Bis auch sie einen Kilometer vor dem Uhuru-Park, der Gedenkstätte kenianischer Freiheitskämpfer, umkehren müssen.

 
Leser-Kommentare
  1. als ZEIT-Korrespondenten. A.G. arbeitet wohl als Student an einem Projekt der GTZ mit. http://www.innovations-re...Nach eigener Erfahrung braucht es eher ein Jahrzehnt als ein Jahr, um ein fremdes Land mit anderesartiger Kultur zu verstehen.Jedenfalls wünschte ich mir, statt anschaulicher Schilderungen von Greueltaten, die nur wieder das Klischee vom schwarzen Wilden befeuern, mehr Hintergrundinformation darüber, WARUM die Kenianer so wütend sind!?Bis 2002 lebten diese unter einer typisch afrikanischen -- vom Westen tolerierten -- Pseudodemokratie eines Diktators (Moi).2002 sollte mit der Wahl Kibakis UND Odingas alles anders werden. In einer sog. Regenbogenkoalition sollte Kibaki Präsident werden UND Odinga Premierminister nach britischem Vorbild. Dazu sollte eine neue Verfassung ausgearbeitet werden, die die Macht des Präsidenten zugunsten des neuen Premiers beschnitt. So sollte eine multiethnische Balance geschaffen werden. Kibaki tat das Gegenteil: Sein Verfassungsentwurf vergrößerte sogar seine Macht und wurde von den Kenianern in einer Volksabstimmung zurückgewiesen. Ferner ließ er alles Korruptionsgeld und Staatsmacht seinen Kikuyu zufließen.58% der Kenianer haben Kibakis Verfassung abgelehnt. Und nun sollen sie ihn gewählt haben? Hey, sie haben gleichzeitig alle korrupten Abgeordneten abgewählt!Der Artikel trägt die martialische Überschrift "Schacht um Nairobi". Kampf um Demokratie währe treffender. Vorbild für viele Afrikaner waren übrigens die DDR-Montagsdemonstrationen und Odinga hat in Magdeburg studiert. (Wie gesagt, Hintergrundwissen schadet nicht ;)Für die Kenianer geht es um Demokratie oder Diktatur. Sein oder Nichtsein. Sie befürchten, daß sich für Jahrzehnte die Zellentüre hinter ihnen schließt. Daher sind sie zum Äußerten bereit.Auch für Plan B -- ethnische Säuberung -- hier angerissen: http://kommentare.zeit.de...______________________________________
    Meine Nr.1 Politdokumentation 2007:
    John Pilger's "War on Democracy"
    http://youtube.com/result...

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