Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Attentat auf Buback tappen die Ermittler noch immer weitgehend im Dunkeln. Zwar wurden mehrere RAF-Mitglieder, die an der Planung und Ausführung der Tat beteiligt waren, wegen gemeinschaftlichen Mordes verurteilt. Doch wer damals die tödlichen Schüsse auf Buback und seine beiden Begleiter abgab, blieb bis heute offen.

Nun hat ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs auf Antrag der Bundesanwaltschaft Beugehaft gegen die früheren RAF-Mitglieder Christian Klar, Brigitte Mohnhaupt und  Knut Folkerts angeordnet, um sie zu einer Aussage zu zwingen. Der umstrittene Beschluss ist das wahrscheinlich letzte Mittel der Ermittler, die Mauer des Schweigens zu brechen.

Die bisherigen Erfahrungen lassen allerdings vermuten, dass das Schweigekartell der RAF hält. Deren meisten früheren Mitglieder weigern sich bis heute hartnäckig, genaue Angaben zum Ablauf und zur individuellen Schuldfrage bei ihren Taten zu machen. Ein «Verrat» der früheren Komplizen wäre für die Ex-Terroristen einer der schlimmsten Verstöße gegen ihre Regeln von einst. Und die RAF, die sich stets als «politische Gruppe» verstand, galt als brutal im Umgang mit Abtrünnigen.

Die einstige Rädelsführerin Mohnhaupt, seit März 2007 auf freiem Fuß, hat bereits angekündigt, ihr Schweigen auch bei einem erneuten Gang hinter Gitter nicht zu brechen. Klar - immer noch in Haft - hat seine Sicht der Dinge auch nach einem Vierteljahrhundert hinter Gefängnismauern nicht grundlegend geändert; die Drohung, ihn sechs Monate länger in Haft zu halten, dürfte ihn wenig schrecken. Folkerts ließ ebenfalls wissen, er werde auch unter Beugehaft nicht aussagen. Vor einigen Monaten begründete er sein Schweigen so: «Der zutreffende Begriff ist Solidarität. Die eigenen Genossen zu schützen, ist doch ein natürliches Verhalten.»

Ohne die Aussagen der Ex-Terroristen wird aber wohl nie mehr ans Licht kommen, wer damals auf Buback schoss. Kriminaltechnisch sind die gefundenen Spuren weitgehend ausgewertet. Mohnhaupt (58), Klar (55) und Folkerts (56) wurden wegen der Karlsruher Morde bereits verurteilt - wenngleich in den Urteilen offen blieb, wer die tödlichen Schüsse abfeuerte. Die Ex-Terroristen, die sich auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht berufen, können deshalb nicht ein weiteres Mal belangt werden. Und ob der Ex-Komplize Günter Sonnenberg, den die Bundesanwaltschaft ebenfalls gern hören würde, überhaupt haftfähig wäre, steht dahin.

Unklar bleibt 30 Jahre danach allerdings auch, wie viel die Verfassungsschützer seither wussten - und selbst seit Jahrzehnten verschwiegen haben. Nach wie vor rätselhaft ist ein Hinweis in den Akten des Bundesamts für Verfassungsschutz. Nach dieser «älteren unbestätigten Einzelinformation» - auf eine präzisere Beschreibung ließ sich das Bundesamt bisher nicht ein - war der Ex-Terrorist Stefan Wisniewski der Schütze von Karlsruhe.

Diese Information war bereits Anfang der 80er Jahre aller Wahrscheinlichkeit nach einigen Bundesanwälten bekannt. Aber sie durften die Aussage, die von der früheren Terroristin Verena Becker stammen soll, aus Quellenschutzgründen nicht verwenden. Denn der Verfassungsschutz soll seit Mitte der 80er Jahre aussteigewillige RAF-Mitglieder geködert und ihnen absolute Geheimhaltung für ihre Aussagen versprochen haben. Deshalb weigern sich die Verfassungsschützer bislang gegen den Willen der Bundesanwaltschaft, die brisante Akte mit den geheimdienstlichen Erkenntnissen zu öffnen.

(Von Martin Oversohl, dpa)