Riester-Rente

Am Ziel vorbei

Erstmals haben Forscher die Wirkungen der Riester-Rente untersucht. Ihr Fazit: Die Politik verschwendet Milliarden - und die Armen sparen weiter zu wenig

Giacomo Corneo staunte, als er die ersten Ergebnisse sah. Wie immer auch der Finanzwissenschaftler der Freien Universität Berlin die Daten drehte, das Ergebnis war verblüffend robust. Corneo hatte mit seinem Team untersucht, ob die Riester-Rente die Ersparnis von einkommensschwachen Haushalten erhöht und ob die Förderung mehr dieser Haushalte dazu bringt, Geld zurückzulegen. Das Fazit: Sie tut es nicht.

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Das Papier, das Corneo mit zwei weiteren Ökonomen anschließend verfasst hat , birgt einigen politischen Sprengstoff. Denn die Förderung, die dazu beitragen soll, dass Haushalte mit niedrigem Einkommen häufiger und mehr für die Altersvorsorge sparen, galt bislang als Erfolg: Mit zehn Millionen abgeschlossener Verträge rechnet die Bundesregierung bis Ende 2007. Diese Zahl sagt allerdings nichts darüber aus, ob die Haushalte wirklich mehr sparen oder ob sie nur Ersparnisse aus anderen Anlagearten abziehen. Genau dies, sagt Corneo, scheint bei Riester jedoch der Fall zu sein. „Die Förderung hat in erster Linie Mitnahmeeffekte“, sagt der Ökonom.

Von den Riester-Zulagen profitieren offenbar vor allem jene, die ohnehin gespart hätten. Bezieher niedriger Einkommen sparen seit der Einführung der Riester-Rente weder häufiger noch legen sie mehr Geld beiseite. Das ist schlecht, denn die Förderung kostet den Staat jedes Jahr viel Geld. Ab dem Jahr 2009 kommen nach Schätzungen der Bundesregierung auf den Fiskus jährliche Steuerausfälle in Höhe von 12,5 Milliarden Euro zu. Besonders für die einkommensschwachen Haushalte sieht die Reform hohe Fördersätze vor.

Die 2002 eingeführte, nach dem damaligen Sozialminister benannte Riester-Rente sollte den Pflichtversicherten eine Möglichkeit bieten, die Verluste bei ihren Rentenansprüchen auszugleichen. Der Staat fördert diese zusätzlichen Rücklagen für den Ruhestand mit Zuschüssen oder Steuervergünstigungen.

Sparer profitieren dabei gleich mehrfach von der Riester-Reform: Zum einen durch die Förderung, die der Staat zahlt. Zum anderen, weil der Fiskus die Beiträge, Zulagen und Zinsgewinne der geförderten Produkte erst später besteuert. Das ist für die Sparer gut, weil die Steuersätze für Rentner meist geringer sind als für Arbeitnehmer. So lassen sich in aller Regel Renditen erzielen, die deutlich über denen nicht geförderter Produkte mit ähnlicher Risikostruktur liegen. 

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Leser-Kommentare

  1. und Rente der kleinen Leute, zwei Dinge die zusammenpassen wie Feuer und Wasser.Ein klein wenig Hausverstand reicht aus, um zu sehen, daß Menschen die teilweise unter dem Existenzminimum leben, nicht auch noch Geld für die später ohnehin viel zu niedrige Rente zur Seite legen können. Riester hin, Riester her. Die aktuelle Posse heisst CO2, in ein paar Jahren(?) wird dann jemand sich gründlich mit dem Problem auseinandersetzen und draufkommen, daß die Erde immer schon abwechselnd Warm- und Eiszeiten erlebt hat, mit und ohne Menschheit. Damit möchte ich allerdings nicht dem ungehemmten CO2-Ausstoss das Wort sprechen. Politiker sollten wieder zur den ihnen vom Volk bei der Wahl aufgegebenen Dingen zurückkehren, dem Volk dienen. Schönen Nachmittag noch!

  2. ...oder könnte es daran liegen, daß die "einkommensschwachen Haushalte" nicht mehr als eine bestimmte Summe beiseite legen können?Gut, daß wir tüchtige Volkswirtschaftler haben, die unseren Führungseliten solche merkwürdigen Verhaltensweisen erklären.

  3. Da verdienen die Deutschen doch so viel Geld, die Zeitarbeit zahlt 5 - 7 € brutto die Stunde, bei neuen Stellen wird in Berlin fast immer so exorbitant bezahlt. Praktikanten haben ja reiche Eltern... Und die Preise sind so niedrig, warum sparen da die Leute nicht mehr? Ein Rätsel, unlösbar für unsere Wirtschaftsweisen (vielleicht sind die wegen Mathe immer sitzen geblieben??)

    • 10.01.2008 um 17:26 Uhr
    • HAKAHA

    Für diese Erkenntnis hätte man keine aufwendigen Studien machen müssen.
    Man hätte nur einen Versicherungs- oder Finanzmakler fragen sollen. Es ist eindeutige Praxis, daß Riester an die Stelle anderer Sparformen getreten ist.
    Und noch eine Erkenntnis aus der Praxis : die meisten Riesterverträge werden von Menschen mit Kindern (wegen der sehr hohen Kinderförderung) abgeschlossen. Wenn die Kinder aus dem förderfähigen Alter raus sind, werden viele dieser Verträge wieder still gelegt.
    Der einzige Vorteil der Riesterverträge liegt darin, daß sie nur unter Verlust der Förderung vor dem sechzigsten Lebensjahr aufgelöst werden können.
    Aber das zeigt nur wieder, wie weit Politiker und Ministerialbeamte von der Lebenswirklichkeit entfernt sind.

    Harald Konrad-Hammersen

    • 10.01.2008 um 17:30 Uhr
    • harryy

    Genauso wie bei Hartz IV, wo sich jahrzehntelange Einzahlungen nicht mehr lohnen, da man als unter 55 Jähriger nach einem Jahr Sozialhilfeempfänger ist, so lohnt sich selbst die zusätzliche Riesterrente nicht mehr für Normalverdiener. Als Rentner wird einem dann die Riesterrente als "Einkommen" angerechnet und abgezogen.
    Wie jetzt gegen Hartz IV Empfänger, wird man dann später eine Propaganda gegen die grundsicherungsbedürftigen Rentner entfachen.
    Die einfache Begründung wird dann lauten: Wer in seinem Leben nicht fleißig genug war, der braucht sich über die niedrige Rente nicht zu beklagen.
    Ob diejenigen überhaupt eine reale Chance hatten, mehr zu verdienen bzw mehr vorzusorgen, spielt dann sicherlich keinerlei Rolle mehr.

  4. Ich bezweifele, dass die Absichten zur Einführung er Riesterrente darin bestand, zusätzliches Geld anzusparen. Sondern es soll durch finanzielle Anreize, besonders der Kinderzulage, erreicht werden, dass viele einkommensschwache Arbeitnehmer überhaupt für das Alter vorsorgen. Diese Klientel wird in absehbarer Zeit nur noch Armutsrenten beziehen können, bei welchen der Staat zusätzlich Geld zur Grundsicherung zuschießen muß. Und dieser Zuschuß soll mit der Riesterrente minimiert werden. Im Prinzip besteuern sich die Einkommensschwachen jetzt selbst.
    Bezieher mittlerer Einkommen verteilen selbstverständlich ihr Spargeld jetzt anders. Aber während man den Auszahlbetrag einer Lebensversicherung wahlweise verwenden kann, wird das Riester-Sparguthaben zwangsverrentet. Man hat also ein konstantes Zubrot zur Rente ( abzüglich Inflation), und dieses Zubrot ist doch der Zweck dieses Riester-Sparens.
    "Milliarden an Zuschüssen verschwendet" beklagt die Studie zu Unrecht

  5. ...wird sich das Riestern wohl nicht lohnen, werden doch die Einkünfte aus der Riesterrente bei niedrigen Renten mit der dann zusätzlich vom Sozialamt zu zahlenden Grundsicherung verrechnet.Zitat:"Der Berater der Bundesregierung und Vorsitzende des
    Sachverständigenrates, Bert Rürup, bestätigte, dass es sich für
    Geringverdiener nicht lohnen könne, einen Riester-Vertrag abzuschließen."Quelle: tagesschau.de
    Augenscheinlich handelt es sich gerade für diejenigen, für die diese Form der privaten Altersvorsorge gedacht war, um eine Mogelpackung.

  6. Die eigentliche Ursache für die sogenannte Rentenmisere liegt aber ganz woanders - und zwar bei den Arbeitgebern, die sich auf Teufel komm raus entsolidarisieren, die mystischen "Lohnnebenkosten" immer weiter absenken wollen - daher die Deckelungen auf prozentuale Höchstwerte, keine paritätische Zuzahlungen in den Sozialversicherungen mehr wollen. Diese Problematik wird durch Arbeitsplatzexport, globalisiertes Lohndumping und sozialversicherungsfreie Minijobs, Arbeitslosigkeit und Hartz IV verstärkt. Denn real sind weit über 10% der Bevölkerung arbeitslos oder prekär beschäftigt - in etwa runde 10 Mio Menschen in Deutschland. Das Spiel läuft schon lange bei der RV und der AV und nunmehr wird auch bei der KV massiv gepokert - denn genau diese Thematik mit Zielrichtung höhere Beitragsanteile bzw. privaten Zusatzversicherungen war der Hintergrund der von Gesamtmetalls INSM beauftragten bzw. gekauften IfG-Studie - bei der es hintergründig um die Absenkung der KV-Beitragsanteile der Arbeitgeber geht (und Springers B**D spielt mal wieder an vorderster Front mit bei der Vergesäßung ihrer zahlenden Leser.Es geht also immer wieder um die verlogene "Kapitalisierung" in der Vorsorge zur Entlastung der Arbeitgeber - egal ob RV oder KV. Verlogen deshalb, weil die Friktionsverluste der privaten Versicherer um eine vielfaches höher sind und diese auch nur im Umlageverfahren das auszahlen, was sie gleichzeitig einnehmen (neben einem geringfügigen Ansparanteil, der noch dazu schlecht verzinst ist).Dumme (oder gekaufte?) Politiker lassen sich da immer wieder einwickeln zu Projekten, die den Staat immenses Geld kosten, was sie ohne Subventionierung der Versicherer bzw. Arbeitgeber auch direkt in die Renten- bzw. KV-Kassen hätten stecken können ohne diese irrwitzigen Umwege.Wer bei schmalen Einkommen zuviel vorsorgt, wird mittendrin und später umso härter dafür bestraft. Drum tun es nur die, die mindestens einigermassen haben - zumal man an die Riester- und Rürupverträge erst im Alter wieder drankommt.Solange unsere Abgeordneten nicht teilhaben an der normalen Rentenversicherung, Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung und ggf. selber "riestern" (der Mann verdient hundertausende damit jedes Jahr), wird es weiter so sinnfremde Subventionen für Banken und Versicherungen geben, die größtenteils das Geld nicht wert sind, was sie kosten - aber nicht die erreichen, für die sie zumindest offiziell gedacht sind.

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