Wer als Entwickler die vergangenen Jahrzehnte bei Sony verbracht hat, weiß, wie sich Niederlagen anfühlen. Erst scheiterte der Konzern in den achtziger Jahren mit seinem Format Betamax, weil die pornografische Industrie das Konkurrenzsystem VHS durchsetzte. Dann verlor die von Sony entwickelte Mini-Disc das Rennen gegen CD und DAT. Zuletzt brachte der japanische Elektronikkonzern ein Alternativformat zur MP3 namens Atrac auf den Markt. Aber auch hier wollte die Branche nicht aufspringen. Immer, wenn es um neue Formate ging, machten andere das Rennen.

Das könnte sich jetzt ändern. Wie die amerikanische Filmgesellschaft Warner Bros mitteilte, wird diese künftig ihre Filme in dem Format Blu-ray ausliefern, das federführend von Sony entwickelt wurde. Bislang hatte das Unternehmen auch das von Toshiba entwickelte Format HD-DVD unterstützt. Ende Mai wird die Filmgesellschaft, die in den USA rund 20 Prozent aller DVDs verkauft und zum Konzern Time-Warner gehört, vollständig auf Blu-ray umstellen. Schätzungen zufolge werden rund 70 Prozent der bedeutendsten Filme in den USA nun in diesem Format erscheinen.

Die Entscheidung könnte endgültig die Richtung in einem Krieg der Standards vorgeben, der bis zuletzt erbittert geführt wurde. Sowohl Toshiba und Microsoft mit ihrem HD-DVD wie Sony mit Blu-ray hatten zuletzt Allianzen geschmiedet, um ihren Systemen zum Sieg zu verhelfen. Sony formierte sich mit Apple, Dell und Hitachi zur Blu-ray-Disc-Association. Toshiba, Microsoft und Intel hielten dagegen.

Die beiden Technologien teilten auch die Filmgesellschaften in zwei Lager: Die Filmstudios 20th Century Fox, Walt Disney und Lionsgate unterstützen das Blu-ray-Format. Die zu Viacom gehörenden Paramount-Filmstudios und NBC Universal aus dem Hause General Electric produzieren dagegen im HD-DVD-Format. Das hatte zuletzt zu einiger Verwirrung bei den amerikanischen Verbrauchern geführt. Auch die Kopierstraßenbetreiber, die CDs, DVDs und auch die nun kommende Generation der Datenträger vervielfältigen, hatten mit Investitionen gewartet, bis eine Entscheidung im Rennen der beiden Formate gefallen ist. Jetzt ist es wohl so weit.

Dabei sah es lange Zeit so aus, als ob Sony abermals unterliegen würde. In Europa hatte die HD-DVD den eindeutig besseren Start, wohl auch, weil die Umstellung von der DVD einfacher ist. Sony aber verhielt sich strategisch klug und brachte mit der populären Spielkonsole Play-Station 3 ein Gerät auf den Markt , welches das Blu-ray-Format unterstützt. Zudem wechselten zuletzt mehre Filmstudios die Seite und traten der Blu-ray-Allianz bei.

Sollte sich Blu-ray tatsächlich am Markt durchsetzen, würde Sony davon enorm profitieren. Der japanische Konzern kann für jeden verkauften Datenträger Lizenzgebühren verlangen, muss diese jedoch mit Partnern wie Panasonic, Philips und Samsung teilen. Ebenfalls gewinnen dürften die Anbieter von Spezialmaschinen, die die Herstellung der von Sony entwickelten Datenträger ermöglichen. Der Kurs der deutschen Firma Singulus, die solche Maschinen fertigt, schoss zum Wochenanfang in die Höhe. Die Firma mit Sitz in der Nähe von Frankfurt rechnet nun für das zweite Quartal mit der ersten Auftragswelle.