Schüler bekommen Zensuren für ihre Leistungen. Auch wenn sich vieles ändert an den Schulen: Die Macht bleibt auf Seiten der Lehrer, schon allein durch die Mittel, die sie mit den Noten an der Hand haben. Es kann vorkommen, dass eine Klasse jahrelang einem Lehrer ausgeliefert ist, der seinen Schülern unvorbereitet, womöglich sogar unfair und aggressiv gegenübertritt. Nach wie vor ist es in vielen Schulen üblich, dass der Lehrer die Klassentür hinter sich schließt und dort allein seinen Stoff übermittelt - so gut er es eben kann. Das beginnt sich jedoch zu ändern. An einigen Schulen arbeiten Lehrer inzwischen zusammen, kritisieren sich gegenseitig und lernen voneinander. Sie lassen sich freiwillig evaluieren.

Doch oft geschieht das noch nicht, oder die Schüler werden in den Prozess nicht integriert. Daher ist der Impuls verständlich, dass die Lernenden auch die Leistungen ihrer Lehrer benoten wollen, um transparenter zu machen, wie es ihnen ergeht. Das Internet ist ihr Medium. Deshalb ist es folgerichtig, dass sie ihre Bewertung öffentlich für alle sichtbar vornehmen. Mehr als eine Viertelmillion Schüler haben auf der Website spickmich.de bislang ihre Schulen und Lehrer anonym bewertet. Die Kategorien für die Lehrerbewertung sind einerseits auf den Unterricht bezogen wie "gut vorbereitet", "faire Noten" oder "fachlich kompetent", andererseits wird auch die Persönlichkeit des Lehrers im Rahmen des Unterrichts betrachtet, beispielsweise mit den Kategorien "cool und witzig", "menschlich" oder "beliebt". "Sexy" wurde entfernt. Besonders coole oder dämliche Zitate des Lehrers können auch veröffentlicht werden.

Zwei Lehrerinnen in Köln klagen nun nochmals gegen spickmich.de . Der Prozess beginnt am Mittwoch. Sie wollen erreichen, dass ihre Daten gelöscht werden. Im November vergangenen Jahres hatte das Oberlandesgericht Köln - ähnlich wie schon das Landgericht Köln - in der Unterlassungsklage entschieden, dass die Meinungsfreiheit der Schüler hier mehr wiege als Persönlichkeitsrechte. Die Lehrerin, die damals noch allein geklagt hatte, müsse die Benotung hinnehmen, "solange keine diffamierende Schmähkritik vorliege". Inzwischen hat sich der Klage die Direktorin des Gymnasiums angeschlossen.

Gerichtssprecher Eßer sagte, bei dem Hauptsacheverfahren gehe es im wesentlichen um dieselben Rechtsfragen wie im einstweiligen Verfügungsverfahren, der Sachverhalt könne aber intensiver ermittelt werden. Eine Entscheidung sei am Mittwoch noch nicht zu erwarten.

Was aber bringt den Schülern das Angebot von spick-mich.de überhaupt? Eine Seite, auf der Handwerker bewertet werden, schätzen viele Verbraucher als Entscheidungshilfe. Transparenz kann also auch den Schulen nicht schaden: Was läuft da hinter verschlossenen Klassentüren? Wie kompetent ist das Kollegium? Eltern und Schüler können anhand der Bewertungen zumindest eine Stimmung erkennen, wie es zugeht an den Schulen, die für sie infrage kommen. Kommt ein neuer Lehrer an die Lehranstalt, bringt auch er seine Noten mit. Sonst sind es nur die Schüler, die ihre Zeugnisse vorzeigen müssen. Für manche Schüler mag es auch einfach darum gehen, Dampf abzulassen, sich nicht ganz so machtlos zu fühlen.

Eigentlich könnten sich auch viele Lehrer freuen. Denn sie können sich ansehen, wie sie ankommen, im besten Fall eigene Schwächen und Stärken erkennen und daran arbeiten. Sie könnten ihre Erkenntnisse in den Unterricht zurücktragen und mit den Schülern vereinbaren, wie es besser laufen kann.