Doping Doping – na und?

Der Dopingskandal im amerikanischen Baseball hatte keine gravierenden Folgen. Das wäre in Deutschland vermutlich nicht anders, wenn sich herausstellte, dass auch im Fußball regelmäßig gedopt wird

Die Spannung war groß am 13. Dezember 2007. Der amerikanischen Baseball-Profiliga drohte elf Tage vor Weihnachten die größte Dopingenthüllung ihrer Geschichte. George John Mitchell wollte die Ergebnisse seiner Arbeit präsentieren. Der ehemalige Senator hatte die gesamte Liga 20 Monate lang auf Dopingmissbrauch untersucht. Immer wieder hatte es zuvor Vermutungen und öffentliche Anschuldigungen gegeben. Die Zahl der Homeruns stieg fast von Spiel zu Spiel, immer mehr Profis wurden positiv getestet.

Mitchell wollte Fakten präsentieren und Namen nennen. Wer hatte geschluckt, gespritzt, gelogen? Radio, Fernsehen, Internet – überall spekulierten und diskutierten die Amerikaner. Der führende Sportsender ESPN startete um 12 Uhr den Countdown. „Zwei Stunden bis zur Veröffentlichung des Mitchell-Reports“, „eine Stunde bis zur Veröffentlichung ...“ Immer wieder gab es Live-Schaltungen nach New York. Um 14 Uhr trat Mitchell dort vors Mikro.

Für einen Moment schockte er das Land. Er sprach von einer Doping-Ära. Spieler, Klubbesitzer, Spielergewerkschaften – jeder, der in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit dem Profibaseball zutun hatte, habe seinen Anteil am Skandal, sagte der 74-Jährige. „In jedem der 30 Profivereine gab es Profis, die Steroide oder Wachstumshormone genommen hatten!“

Nach Mitchells Worten reagierte die US-Öffentlichkeit: „Das Spiel ist zur Schande geworden“, titelte die New York Post . Baseball war das Topthema – und wurde sogar auf politischer Ebene zur Chefsache. George W. Bush, früher Besitzer der Texas Rangers, trat vors Volk: „Ich liebe diesen Sport, ich liebe das Spiel. Jetzt bin ich aufgewühlt.“

Während in Amerika der größte Skandal der Baseballgeschichte losbrach, hieß es in Deutschland: Bayern oder Bremen? Vor dem letzten Bundesliga-Spieltag der Hinrunde war die Frage nach dem Herbstmeister interessanter als alles andere. In den deutschen Medien zeugten bestenfalls kleine Randmeldungen vom Doping-Gezeter in den USA.

89 Akteure hat Mitchell in seinem 409-seitigen Report aufgelistet, darunter sieben, die zum „wertvollsten Spieler“ einer Saison gewählt worden waren. Unter ihnen ist auch Andy Pettitte. Für Baseballfans so etwas wie Michael Ballack für die deutschen Fußball-Anhänger. Pettitte hat viermal die World Series gewonnen, was mit dem WM-Titel im Fußball gleichzusetzen ist.

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