Doping Doping – na und?Seite 3/3

Selbst die in Europa traditionell beliebte Tour de France wird in diesem Jahr erneut an den Start gehen, allen Doping-Verdächtigungen und Ungereimtheiten zum Trotz. Nachdem im vergangenen Sommer ARD und ZDF die Berichterstattung als Konsequenz aus dem größten Doping-Skandal der Tour-Geschichte abgebrochen hatten, verfolgten Millionen Fans die gestählten Radler auf den Kanälen von Euro-Sport und Sat1 weiter. Die ehemaligen Telekom-Fahrer Jörg Jaksche und Patrick Sinkewitz haben gedopt und ausgepackt. Bis heute haben beide jedoch noch kein Team gefunden, für das sie nun weiter fahren dürfen. Vermutlich haben die beiden Deutschen nun das mächtige System der Doping-Verschweiger gegen sich.

Im Fußball ist bisher kein handfester Doping-Skandal bewiesen. Wie in den USA, wo viele Ergebnisse des Mitchell-Reports eigentlich bereits in den Jahren zuvor bekannt waren, muss das nicht bedeuten, dass es Doping nicht gibt. In einem so komplexen Sport wie Fußball bringe Dopen  nichts, es komme aufs Ballgefühl an, so das Totschlagargument vieler Fußballverträumter. Allein, es ist eine Lüge: Wenn ein Spieler schneller sprintet als sein Gegner, wenn seine Kondition nie nachlässt und wenn der ballgefühligste Techniker noch in der 85. Minute den Ball so kräftig und genau über den Platz hämmert wie zu Spielbeginn, dann bringt das seinem Team einen garantierten Leistungsvorsprung.

In den Siebziger- und Achtzigerjahren schätzte man das Laufpensum eines Profis auf etwa fünf bis sieben Kilometer pro Spiel. Heute läuft ein Mittelfeldspieler in einem Bundesligaspiel durchschnittlich etwa 12 Kilometer. 1993 gewann Olympique Marseille die Champions League. Die damaligen Spieler des achtfachen französischen Meisters berichteten später von regelmäßigen Injektionen vor wichtigen Spielen: Die Doping-Spritzen machten „schärfer und wacher“. Bereits 1977 sagte Franz Beckenbauer dem Stern : „Natürlich wäre es unsinnig, vor jedem Spiel zu dopen. Der folgende Leistungsabfall ist viel zu groß. Aber was machen Trainer und Manager vor entscheidenden Spielen, etwa im Europacup, wo es um Millionen geht – wenn man glaubt, dass die anderen nicht nur Vitaminpillen schlucken?“

Es wäre naiv zu glauben, dass Doping im heutigen Profi-Sport keine Rolle spielt. Andererseits: Was würde die Gewissheit für eine Rolle spielen? Wenn Michael Ballack ein Tor schießt, jubeln seine Fans. Wenn er dafür gedopt haben sollte, würden sie sich womöglich genauso freuen.

Vielleicht spielt der viermalige Baseball-World-Series-Gewinner Andy Pettitte, der im US-Mitchell-Report schwer beschuldigt wird, auch in der kommenden Saison wieder für die New York Yankees. Selbst wenn der Werfer seine lange erfolgreiche Karriere beendet, würde er sicher, gemäß der Statuten, in ein paar Jahren in die „Hall of Fame“ gewählt werden. Er gehört schließlich zu den besten Baseballern aller Zeiten. Egal mit welchen Mitteln.

 
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