Afrika Pop postkolonial

Die Musik des schwarzen Kontinents mischt den Indierock auf: Junge Bands entdecken den nigerianischen Highlife. Jetzt erklärt ein Buch die Geschichte dieses Stils.

Der nigerianische Highlife ist ein Hybrid. Eine Musik, gemischt aus Altem und Neuem, aus Nahem und Fernem. Vieles kommt hier zusammen: die Lieder der Missionare, die Marschmusik der Militärkapellen, die Tradition der Lobgesänge, die Musik der Karibik, der Jazz. Alles ist verquirlt zu einer Feier des Lebens und des Fortschritts.

Highlife war ein gesellschaftliches Phänomen, dass sich nicht auf Nigeria beschränkte. In ganz Westafrika war er zu hören, wie in dem Buch des Musikethnologen Wolfgang Bender nachzulesen ist. Der nigerianische Highlife. Musik und Kunst in der populären Kultur der 50er und 60er Jahre ist ein Fachbuch, das auch Laien begeistern wird. Der Autor zeichnet ein plastisches Bild des Postkolonialismus im anglophonen Westafrika: Die frühen Jahre der Unabhängigkeit waren geprägt von einer neuen Popkultur. Musik diente der sozialen Befriedung.

Anzeige

Wolfgang Bender ist Leiter des Mainzer Archivs für die Musik Afrikas . Er promovierte 1978 über afrikanische Literatur und ist Mitbegründer des Iwalewa-Hauses in Bayreuth. In seinem neuen Buch stellt er nicht nur die wichtigsten Musiker und Bands des Highlife vor, sondern liefert auch eine Genealogie des Genres. Treffend und spannend sind seine Interpretationen der Liedtexte, manche von ihnen sind über Jahrhunderte mündlich tradiert. Bender sieht in der Highlife-Kultur ein Gesamtkunstwerk: Afrikanische Populärkultur ist seit jeher politisch, deshalb flicht er auch andere kulturelle Ausdrucksformen wie die Bildende Kunst, Literatur, Haartracht, Tanz und Mode in seine Betrachtung ein.

Deutlich ist dem Band anzumerken, dass Bender jene Jahre des Aufbruchs selbst miterlebt hat. Er kam 1962 erstmals nach Nigeria, hörte Highlife im Radio und begann, die Musik aufzuzeichnen. In einem Interview erzählte er einmal: „Die Kunstzeitschrift Black Orpheus, herausgegeben von Ulli Beier und Janheinz Jahn, vermittelte ein Bild von der neuen afrikanischen Kunst jener Jahre, und dann das Nigeria Magazine mit all den Berichten, Reportagen zu nigerianischen Kulturen und Literaturen – das fand ich alles sehr interessant.“

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service