FilmDie Sprache des Kinos

Ein Gespräch mit dem amerikanischen Regisseur David Lynch über Inspiration, Meditation und sein Verständnis von Film

David Lynch ist als Maler, Komponist, Möbeldesigner, Unternehmer, Schriftsteller und nicht zuletzt Regisseur einer der einflussreichsten und kreativsten Künstler der Gegenwart. Ein Gespräch über Inspiration, Meditation und die Sprache des Kinos.

ZEIT online: Mir wurde gesagt, Sie stehen morgens auf, trinken eine Tasse Kaffee, üben transzendentale Meditation und gehen anschließend von einem Arbeitszimmer zum anderen und schaffen Kunst. Ist dies Ihre tägliche Routine?

David Lynch: (lacht) Ist ziemlich genau so. Wenn man eine Idee für Möbeldesign bekommt, braucht man eine Werkstätte - " set-up ", wie ich es nenne. Es ist gut, wenn einem die Idee für ein Gemälde kommt, aber wenn man keinen Raum für Malerei hat, ist es frustrierend. Die Ideen sind das Wichtigste. Eine Idee kommt mit Inspiration, man sieht die ganze Sache, man hört die Sache, man kennt die Sache, wie sie von der Idee herrührt, und man muss sie einfach machen, man wird den Weg dahin finden.

ZEIT online: Eine Leidenschaft von Ihnen wurde in der Eigenart des Agenten Dale Cooper, gespielt von Kyle MacLachlan, in Twin Peaks reflektiert: Sie sind ein großer Kaffeetrinker. Sie betreiben sogar einen fairen Kaffeehandel mit der Biomarke David Lynch Signature Cup, und sie entwerfen Möbel ...

Lynch: Die Firma Casanostra hat einige meiner Möbelstücke früher verkauft. Ich möchte wirklich einige neue Sachen designen und werde hoffentlich heute damit beschäftigt sein.

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ZEIT online: In Ihren Filmen und Werbespots befinden sich visuelle und audielle Elemente in Harmonie. Sie sind sich Ihrer eigenen Ästhetik sehr bewusst. Über Dialoge und Töne bis zu Kameraaufnahmen und Kostümen ist alles perfekt arrangiert und synchronisiert.

Lynch: Es ist sehr wichtig, dass das Bild und der Klang heiraten. Ich liebe Parfümwerbespots. Normalerweise sind sie verträumter als ein Autowerbespot. Aber auch manche Autowerbespots sind irgendwie verträumt.

ZEIT online: Wie der Nissan-Micra-Spot, bei dem Sie Regie geführt haben, in dem das Auto von blauen Lippen verführt wird?

Lynch: (lacht) Es hat was Verträumtes an sich. Ich habe zwei Werbespots für "Opium" gedreht in einem Abstand von zehn Jahren im Maison de Verre in Paris, einem der großartigsten Häuser aller Zeiten. Wirklich großartiges Design vom fantastischen Designer Pierre Chareau. Es ist komplett im Sinne der Beleuchtung entworfen, in jeder Hinsicht.

ZEIT online: Seit meiner Teenagerzeit sehe ich mir Ihre Filme an. Das Verständnis der Vielschichtigkeit Ihrer Filme - dieser bezauberten Träume, die Sie weder entschlüsseln noch erklären möchten - fällt nicht leicht.

Lynch:
Wir alle haben unsere eigene Auffassung von Sachen. Wenn man eine Filmvorführung mit 100 Menschen hat, erfährt jeder dieser 100 Menschen den Film anders. Sogar mit einer konkreten Geschichte wird es subtile Unterschiede geben. Wenn die Geschichte abstrakt ist, wird man breite und mannigfaltige Interpretationen und Reaktionen bekommen. Jede Interpretation ist in meiner Sicht gültig. Meine Interpretation sei hier unbedeutend.

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