Italien Hausgemachte Aggressionen

Italien hat keine großen Probleme mit der Gewalt von Einwandererkindern. Die einheimischen Jugendlichen machen genug Sorgen.

Nisida ist eine kleine Insel im Golf von Neapel. Ein Felseneiland mit wilden Feigen und Rosmarinbüschen, mit Spazierwegen hoch über dem Meer. Touristen gibt es hier aber nicht. Auf Nisidas höchstem Punkt liegt nämlich in einer alten Bourbonenfestung das Jugendgefängnis von Neapel. Hier sitzen diejenigen ein, die als Drogenkuriere und Hehler für die Camorra gearbeitet haben, auch Mörder sind unter ihnen. 95 Prozent der Häftlinge von Nisida kommen aus Neapel. In ganz Süditalien sind die Jugendgefängnisse von Italienern belegt; im Norden überwiegen Ausländer.

Nisida ist ein Ort, an dem die Inhaftierten sich sicher fühlen können. In Neapel tauchen junge Männer nämlich immer wieder auch in der Opferstatistik auf – als Kollateralschaden im Big Business der Camorra.

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Die Verantwortlichen im Jugendgefängnis wissen, dass die meisten Haftentlassenen rückfällig werden. Wegen der hohen Jugendarbeitslosigkeit – in Süditalien bis zu 50 Prozent - sind die Chancen für Haftentlassene, einen Job zu finden, sehr gering. Andererseits ist eine legale Arbeit nicht sehr verlockend – wer will schon für 800 Euro im Monat als Kellner arbeiten, wenn er im Drogengeschäft ein Vielfaches verdienen kann?

Jugendkriminalität in Italien geht nicht auf das Konto von Migrantenkindern. Das würden noch nicht einmal die Schreihälse der offen rassistischen Lega Nord behaupten. Italien hat mit seinen eigenen Jugendlichen genug zu tun. Immer wieder ist Gewalt an den Schulen Thema für Medien und Politik. Das Phänomen nennt man “ Bullismo ”, in den Großstädten existieren Notrufe für Schüler und Lehrer.

Besonders schockiert zeigte sich die Öffentlichkeit in den vergangenen Monaten über Gewalt gegen Behinderte. In Italien gibt es keine Sonderschulen, Behinderte besuchen die Regelschule. Jetzt zeigen offen auf YouTube zur Schau gestellte Misshandlungen die Schwierigkeiten dieses Integrationsmodells.

Leser-Kommentare
  1. Extremzustände lassen sich schlecht verallgemeinern. Wenn man im Ausland einen Bericht über die Rütli-Schule und Neuköllner Zustände liest, dann wird es wohl nicht überall an deutschen Schulen ein solches Umgangsklima geben, oder nicht?

  2. weder in Rom noch in Genua , oder nur an der Leine eines Blindenhundes.

    • quax74
    • 14.01.2008 um 21:31 Uhr

    Was ist denn die Aussage von diesem Text ?

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