Jugendkriminalität Muslimische Gewalt

In der Diskussion um Jugendgewalt verschließen viele die Augen vor den harten Realitäten einer Einwanderungsgesellschaft. Ein Kommentar

Debatten um Jugendgewalt und Einwanderung verlaufen in Europa stets nach einem ähnlichen Strickmuster ab, gleich um welches Land es sich handelt. Die aktuelle deutsche Diskussion unterscheidet sich höchstens durch ein höheres Maß an Realitätsferne, das übergroßer Ängstlichkeit geschuldet sein könnte.

Jedenfalls konzentriert sich das linksliberale Milieu auf den Vorwurf des Populismus und verliert darüber leicht die Opfer der Gewalt aus dem Auge. Konservative Politiker dagegen gerieren sich, den nahen Wahltermin fest im Visier, mit starken Worten als Anwalt der schweigenden Mehrheit; dabei hätte Roland Koch wissen müssen, dass es keine einfachen Rezepte gibt. Zudem muss er sich fragen lassen, warum er nicht schon längst etwas unternommen hat gegen die Missstände, die ihm jetzt so auf den Nägeln brennen.

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Differenziertere Stimmen verweisen darauf, es handele sich um kein Immigrations-, sondern ein Unterschichtenproblem. Was auch nur die halbe Wahrheit ist.

Eines immerhin sollte klar sein: Das Mantra von Arbeitslosigkeit, Armut und Diskriminierung als alleinige Erklärung für diverse erschreckende Phänomene – Gewalt und Aufruhr in Frankreichs Banlieus, die hohe Kriminalitätsrate unter türkischen Jugendlichen in Deutschland, Englands terrorwillige junge Muslime – greift nicht. Europa hat gut 50 Jahre Erfahrung mit Einwanderung hinter sich. Da lassen sich gewisse Erkenntnisse nicht länger leugnen.

Massenhafte Einwanderung, aus demografischen wie wirtschaftlichen Gründen bewusst gefördert, schafft nun einmal erhebliche Probleme, für die Einwanderer wie für die einheimische Bevölkerung. Wohin man auch schaut, ob nach Frankreich, Großbritannien oder Deutschland, die Integration allen voran der muslimischen Minoritäten erweist sich als außerordentlich schwierig. Der britische Historiker Timothy Garton Ash erinnerte dieser Tage an dieses gesamteuropäische Problem. Wobei er der Meinung ist, die Deutschen hätten Glück, da die meisten "ihrer Muslime" aus einem "beinah europäischen" Land wie der Türkei stammten; dem mag nicht jedermann beipflichten. Richtig ist, dass Frankreich und Spanien in aller Regel mit den Zuwanderern aus dem Magreb größere Probleme haben. Am schwersten aber, meint Ash, habe es sein Heimatland Großbritannien, dessen Muslime überwiegend aus Pakistan und Südostasien stammen.

Leser-Kommentare
    • Astgfl
    • 15.01.2008 um 8:46 Uhr

    Vielen Dank Herr Krönig, sie sprechen mir aus dem Herzen, es ist wirklich an der Zeit sich von dem bisher endlos und erfolglos praktizierten Reflexhaften Herunterbeten überholter ideologischer Standpunkte zu verabschieden.

  1. Die Gewalttaten der meist muslimischen jungen Männer basieren meiner Meinung nach auf die einseitige Erziehung aus dem Elternhaus. Die Machokultur ist entscheidend für diese Fehlentwicklung. Die Jungs in solchen Familien werden zu Haus meist so erzogen, dass sie z.B. im Kindergarten, Grundschule kein Respekt vor Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen (also weibliche Personen) haben. Und wir haben nun mal in  solchen Einrichtungen meist  wenig männliches Personal!<?xml:namespace prefix =" o" ns =" "urn:schemas-microsoft-com:office:office"" />
     
    Den Eltern dieser Kinder muss klar gemacht werden, dass es in unserer Gesellschaft eben andere Werte gelten. Und ich hoffe sehr, dass diese Eltern irgendwann merken, dass diese Werte für ihre Kinder zumindest in dieser Gesellschaft sehr gut tun!
     
    Mir ist aufgefallen, dass dieses Phänomen bei  anderen ausländischen nicht muslimischen Gruppen nicht gibt!

  2. Endlich ein sachlicher Artikel zu dem Thema.  Folgende Aussage würde ich noch gerne ergänzen:
    "In Frankreich, Deutschland wie Großbritannien leben fast 40 Prozent der muslimischen Bevölkerungsgruppen von Zuwendungen des Staates " -
    das trifft nämlich auch  für Dänemark, Schweden, Holland, etc.

  3. Es ist natürlich wichtig, den Ursachen der Gewalt auf den Grund zu gehen - Nur sollte man sich hier nicht nur auf eine Gruppe unter der Bevölkerung, sprich den Muslimen, versteifen, sondern alle Gruppierungen untersuchen.
    Folgende Auflistung zeigt, das die Türken, die größte muslimische Gruppe in Deutschland, zwar "krimineller" als christlische Italiener oder Griechen sind, aber noch lange nicht an die ebenfalls christlichen Serben, Russen oder Polen ran kommen:
    Anzahl Türken in BRD: 1.738.831
    Anzahl türk. Straftaten: 107.653
    Prozentual: 6,2 %
    :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::
    Anzahl Serben in BRD: 480.948
    Anzahl serb. Straftaten: 40.646
    Prozentual: 8,5 %
    :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::
    Anzahl Polen in BRD: 361.696
    Anzahl poln. Straftaten: 35.337
    Prozentual: 9,8 %
    :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::
    Anzahl Russen in BRD: 187.514
    Anzahl russ. Straftaten: 14.755
    Prozentual: 7,9 %
    :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::
    Anzahl Griechen in BRD: 303.761
    Anzahl griech. Straftaten: 9.907
    Prozentual: 3,3 %
    :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::
    Anzahl Italiener in BRD: 534.657
    Anzahl ital. Straftaten: 25.224
    Prozentual: 4, 7 %
     
    Quellen:
    http://www.bmi.bund.de/cln_012/nn_165228/Internet/Content/Themen/Auslaen...
    http://www.bka.de/pks/pks2006/index2.html

    • Anonym
    • 15.01.2008 um 9:38 Uhr

    durchschnittlich jeden tag ermordet ein deutscher ehemann seine frau oder ex-frau. der ausländeranteil entspricht dem des bevölkerungsanteils. im falle des münchner u-bahnüberfalls ermordeten drei deutsche männer zeitgleich ihre ehefrauen.
    selbstverständlich findet keine diskussion statt. keinen journalisten kümmert das auch nur ansatzweise. warum? man darf annehmen, dass dies deshalb so ist, weil die täter keiner minderheit angehören.
    das ist in sich rassistisch und allgemein akzeptiert. es hackt sich halt besser auf ausländern rum, als auf gewaltbereiten, schweigenden, deutschen mehrheitsmännern. schliesslich gilt es die ja zu verteidigen. im ernstfall.
    gegen jede form von minderheit. um dann weiter zu schwafeln. das nennt man dann gesellschaftliche akzeptanz.

  4. Auch ich sage : dieser Artikel ist inhaltlich fehlerfrei !Auf einen solchen neutralen Ausgangspunkt für eine Jugendkriminalitäts- und Immigrationsdebatte haben wir lange warten müssen.Ich hege sogar die Hoffnung, daß die andauernde Kritik der Kommentatoren in diesem Forum an den Zeit Online Artikeln der vergangenen Tage dazu geführt hat, daß Jürgen Krönig diesen Artikel schreiben wollte und durfte.In jedem Fall ist dieser redaktionelle Ausgleich zu begrüßen.Ich bin gespannt, ob wir trotzdem wieder die Nazi-Rassisten-Keule um die Ohren gehauen bekommen.Oder ob wir als unstrittigen Diskussionsausgangspunkt folgendes wählen können :Jugendliche ausländischer Herkunft machen den Löwenanteil der Gewalttaten aus. Armut ist nur eine und nicht die Hauptursache. Die muslimische Religion und Kultur sowie die Erziehungsmängel der Einwanderereltern können wichtige Gründe für Integrationsprobleme sein und Gewalttaten fördern.Auf dieser Basis läßt sich nach Lösungen suchen. Wer diese Präambel bezweifelt, ist meiner Meinung nach realitätsfern und nicht hilfreich in einer Diskussion, die um Klarheit und Offenheit bemüht ist.

  5. Noch während ich meinen Kommentar verfasse und darin frage, wann wohl die Nazi-Rassisten-Keule kommt - VOILÀ : NOANSWER und ELYSIUM hauen wieder voll drauf !Ich hoffe, es läßt sich dadurch niemand einschüchtern und wir bleiben diesmal beim Thema.

    • Alors
    • 15.01.2008 um 9:55 Uhr

    Viel Wissen vom Horensagen, weniger Sachlichkeit finde ich in Herr Krönigs Kommentar. Wer hat hier ein verklärtes Menschenbild?  

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