Jugendkriminalität : Gewalt kommt nicht von ungefähr

Wer wird zum Schläger und wer nicht? Acht Antworten zu den Ursachen krimineller Karrieren

Derzeit wird intensiv diskutiert, wie man mit jungen Gewalttätern umgehen sollte. Soll man sie härter bestrafen, in Erziehungscamps stecken, mit einem Warn-Arrest schrecken oder ausweisen, wenn sie aus einer Migrantenfamilie kommen? Oder bringt das alles womöglich wenig, weil – wenn sie erst einmal zu "Intensivtätern" geworden sind – ohnehin alles zu spät ist? Aus dem Blick gerät dabei, dass Gewalt immer Ursachen hat. Und auf viele von ihnen haben wir sehr wohl Einfluss, zumindest weitaus mehr als auf Zwanzigjährige mit langer krimineller Biografie.

Ist Gewalt ein Teil der jugendlichen Entwicklung?
Ja, sehr häufig, vor allem bei jungen Männern. Dabei geht es meist darum, bewusst Normen der Erwachsenen zu brechen, sich abzugrenzen, zu emanzipieren; aber auch darum, erwachsenes Verhalten zu antizipieren, wie Psychologen sagen. Jugendliche wollen erwachsen wirken, wozu auch gehören kann, ein Auto zu fahren, wenn man erst 16 ist und es einem nicht gehört. Umfragen zeigen, dass 90 Prozent aller männlichen Jugendlichen mindestens eine Straftat begangen haben. Die Phase beginnt im Alter von zehn bis vierzehn Jahren, erreicht den Höhepunkt bei 17- bis 18-Jährigen und nimmt ab 20 wieder ab. Allerdings kann sie länger dauern, zum Beispiel wenn die Betroffenen kein festes soziales Umfeld und keine Perspektive haben wie einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz, und/oder wenn sie viel trinken.

War das schon immer so?
Ja, aber früher war einerseits die Brutalität geringer, andererseits wurde ein größerer Teil dieses Verhaltens als jugendtypisch akzeptiert als heute. Sogenannte Dunkelfeldstudien belegen, dass die Toleranz solchen Verhaltens von Eltern, Erziehern und Beobachtern geringer geworden ist und diese entsprechende Taten schneller anzeigen als früher. Ohne diesen Effekt würden die Zahlen bei der Jugendkriminalität wahrscheinlich noch stärker sinken als sie es sowieso schon tun.

Gibt es noch andere Formen jugendlicher Gewalt?
Neben diesen „klassischen“ jugendlichen, vorübergehenden Gewalttätern gibt es auch noch einen zweiten Typus, man könnte ihn Frühstarter nennen. Die Betroffenen fallen schon im Kindergarten und in der Grundschule auf, weil sie aggressiver als ihre Altersgenossen sind, schlagen, beißen oder schubsen. Eine Ursache dafür sind Defizite, beispielsweise in der Sprachentwicklung oder auch in der Reifung des Gehirns. Diese können dazu führen, dass sich die Kinder als Außenseiter erleben und viele Situationen als bedrohlich empfinden und aggressiv darauf reagieren. Hilflose Eltern, die selbst mit Aggressionen auf das Verhalten ihrer Kinder antworten, verschlimmern das Problem.

Werden Kinder, die von ihren Eltern geschlagen werden, selbst zu Schlägern?
Die Gefahr ist groß. Dabei zählt nicht nur, ob die Kinder selbst Prügel bekommen, sondern auch, ob sie sehen, dass die Eltern ihre Konflikte auf diese Art austragen. Sie sind einerseits Opfer, die sich als ohnmächtig erleben. Andererseits lernen sie modellhaft, Probleme ebenso gewaltsam zu lösen. Sie entwickeln dadurch grundsätzlich eine höhere Akzeptanz für Gewalt. Viele Studien belegen, dass Kinder, die Gewalt erfahren, selbst aggressiver sind. Außerdem machen sie früh die Erfahrung, dass sich mit Gewalt Forderungen durchsetzen lassen, dass sie also erfolgreich ist. Und sie verschafft ihnen Anerkennung – wenn auch in Form von Angst bei ihren Opfern. Der Wunsch, zu erniedrigen, ist bei jugendlichen Intensivtätern oft zu beobachten.

Gibt es Erziehungsstile, die Gewalt fördern?
Leider. In der Wissenschaft heißt diese Erziehung „inkonsistent“, das meint: ohne klare Normen. Heute darf das Kind fernsehen, morgen nicht, übermorgen bekommt es sogar Prügel, wenn es fernsehen will. Für Kinder ist nicht erkennbar, was richtig und was falsch ist, da die Eltern jedes Mal anders reagieren. Studien zeigen, dass dies einer der wichtigsten Faktoren für spätere Gewalttätigkeit ist. Wer keine Normen verinnerlicht, kann sie bei anderen Menschen nicht erkennen und das Verhalten anderer nicht vorausahnen und „sozial korrekt“ reagieren. Solche Kinder werden deswegen auch von Gleichaltrigen ausgegrenzt oder gar geschlagen. Außerdem können sie nicht das Gefühl entwickeln, Kontrolle über ihr Leben zu haben.

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Kommentare

44 Kommentare Seite 1 von 11
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...und wenn der Mond platzt !

Franziskarr38
Machen wir uns doch nichts vor: eher platzt der Mond, als dass die dafür Verantwortlichen  -also vor allem "die Politiker"-  Erkenntnisse und Einsichten über die Erziehung unserer Kinder und Jugendlichen TATSÄCHLICH zur Kenntnis nehmen und Taten folgen lassen, die die Probleme bei der Wurzel packen und womöglich endlich positive Erfolge zeitigen.
Krippen und Kindergärten für alle, die sie brauchen, Schulen, in denen gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer lehren, Ganztagsangebote, die nicht nur Beaufsichtigen oder gar "Wegsperren" bedeuten, umfangreiche und angemessene Jugendarbeitsangebote und so fort.
All das wird nicht nur seit fünfzig Jahren vernachlässigt, sondern immer weiter kaputtgespart, und das allenthalben.
Wir sind das Volk: aber stehen wir dazu auf und fordern als Souverän von unseren Regierungen die einzig sinnvolle und erfolgversprechende Lösung: unseren Kindern und Jugendlichen das zu geben, was sie so dringend brauchen: eine kindgerechte Erziehung, Bildung und Ausbildung.
Die Notwendigkeiten sind bekannt: sind wir bereit, dafür "auf die Straße" zu gehen ?!  In Berlin kann man sicher sein: das werden wir nicht tun !
Und das bloße Darstellen und Lamentieren hat noch niemals den notwendigen Erfolg "in dieser Sache" gebracht...
 

sehr guter Artikel

Die Autoren haben die komplexen Probleme in einfacher Sprache auf den Punkt gebracht. Er zeigt auch auf dass es gar nicht so einfach ist die Ursachen zu aendern, da vieles an dem Erziehungsstil der Eltern haengt. Unterstuetzung der Eltern und konsistente Normenvorgaben - nur positive Aktionen koennen echte Aenderung vollbringen, Bestrafung haengt sich an den Symptomen auf. Ein hervorragender Artikel.

@Franziskarr38
Da läßt sich genauso gut fragen wann die "armen, gebeutelten Bürger" endlich die Realitäten einsehen, anstatt die Verantwortung auf die angeblich alles beherrschende Kaste der Politiker abzuwälzen.
Bevor Sie also eine Räterepublik durch den Marsch auf Berlin installieren versuchen Sie es einfach mal mit dem Kreuz bei der Partei die Ihnen genügt oder boykottieren Sie dieses einfach wenn es eben keine gibt. Warum "man" in Berlin so sicher ist das Sie nicht auf die Strasse gehen? Weil die Mehrheit der Menschen in diesem Land eben diese bösen, bösen Menschen durch ihr Kreuz an die Positionen gebracht hat die es Ihnen angeblich ermöglichen seit "50 Jahren" alles kaputtsparen.
 
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"I now inform you that you are too far from reality" Muhammed Saeed al-Sahaf

Diese ewige Meckerei !!!

"Wer selbst Mühe hat, sein Leben zwischen den Normen des Herkunftslandes
und denen der neuen Heimat zu finden, kann diese auch nur mühsam an
seine Kinder weitergeben."
Der Artikel sagt deutlich, daß die überproportional hohe Kriminalität unter Migranten an Erziehungsfehlern im Elternhaus liegt.Es
ist eine Tatsache, daß Deutschland im Bereich Wohlstand, Bildung,
Demokratie sowie Recht und Gesetz unter den 194 Ländern der Erde unter
den Top 20 ist.Und unter Ländern mit vergleichbarer Einwohnerdichte ist Deutschland mit Abstand Nr. 1 weltweit.Wieviel mehr soll der Staat denn noch für seine Bürger tun müssen, damit das ewige gemeckere endlich aufhört ?Der Mangel an Selbstverantwortung und die Erziehungsunfähigkeit der Eltern sind das Grundproblem in Deutschland !Durch
kulturell-religiöse Unterschiede wird der Erziehungsmißerfolg bei
Migrantenkindern noch verstärkt. Aber auch bei deutschen
Jugendstraftätern gibt es nur eine Konstante : sträfliche Unfähigkeit
und Vernachlässigung im Elternhaus !Also : weniger meckern,
besser erziehen - und dankbar sein, daß alle unsere Kinder zur Schule
gehen können, ärztlich versorgt und zu essen und zu trinken haben !

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