Bayern-Trainer Ende der Ära Beckenbauer

Mit Jürgen Klinsmann als neuem Trainer wird bei Bayern alles gut: Der Verein wird wieder spitze – und gründlich entboulevardisiert.

Die Überraschung ist gelungen: Jürgen Klinsmann wird also ab der kommenden Saison neuer Bayerntrainer . Man kann den FC Bayern zu dieser Entscheidung nur beglückwünschen. Und das aus mehreren Gründen.

Klinsmanns Rhetorik mag sich bei gestandenen Stars wie Ballack oder Kahn (der schon weg ist, wenn Klinsmann zur ersten Trainingseinheit bittet) schnell abnutzen, bei den künftigen Leistungsträgern des Vereins wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger oder Lukas Podolski könnte er aber Reserven wecken, die bislang unter dem soliden Hitzfeld brach lagen. Joachim Löw mag, was Trainingsmethodik und fachliches Arbeiten angeht, das Hirn hinter dem „Sommermärchen“ gewesen sein, doch immerhin ist es Klinsmanns Verdienst, rechtzeitig vor der WM auf (fast) jeder Position die richtigen Fachleute installiert zu haben. Michael Henke dürfte jedenfalls die längste Zeit Co-Trainer der Bayern gewesen sein.

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Die Fähigkeit zu einer mitreißenden Ansprache dürfte ganz oben auf dem Anforderungsprofil für den neuen Coach gestanden haben. Dieser Schluss liegt zumindest nahe, wenn man die derzeitige sportliche Situation des Serienmeisters analysiert. Wenn das Team mit dem klar besten Kader der Liga nicht wie die Kollegen in Italien oder Spanien uneinholbar mit sieben Punkten Abstand die Tabelle anführt, muss es andere Gründe geben als rein sportliche. Ottmar Hitzfeld ist ein seriöser Fachmann, der im Gegensatz zu seinem einsilbigen Vorgänger hin und wieder auch mit einzelnen Spielern spricht. Dass er besonders mitreißend aufträte, haben ihm bislang aber auch seine größten Befürworter nicht bescheinigt.

Bayerns Vordenker Hoeneß und Rummenigge können sich also mal wieder auf die Schulter klopfen. Sie haben die populärste und gleichzeitig risikoärmste Wahl getroffen. Jürgen Klinsmann, so viel steht fest, wird erst einmal mehr Kredit eingeräumt werden als jedem anderen denkbaren neuen Coach. Der Schwabe mit dem proaktiven Wortschatz gilt den wirtschaftlichen Eliten als charismatischer Macher, er ist seit jeher der Liebling des linksliberalen Fußballfeuilletons. Spätestens seit er mit innovativen Ideen und einer für einen hochrangigen DFB-Vertreter gehörigen Distanz gegenüber den Boulevardmedien aufwartete, hatte er hier gleich mehrere Steine im Brett. Auch den konservativeren Teil der seriöseren Presse hat Klinsmann in den Jahren 2005 und 2006 überzeugt, schlicht und einfach durch seinen Erfolg.

Der dürfte auch ein paar Monate lang dafür sorgen, dass die BILD - Zeitung ihre Pfeile im Köcher lässt. Schließlich hat das Blatt während des Sommermärchens tonnenweise Schwarz-Rot-Gold verdruckt, um dem – man mag hier bekanntlich die Vereinfachung – einzigen Vater des Märchens zu huldigen.

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