CDU Der Partei-Seelsorger
Die einen halten Roland Koch für den größten Demagogen der Republik, die anderen für den besten Wahlkämpfer der Union. Michael Schlieben hat ihn einen Tag lang begleitet
Roland Koch hat weniger Temperament als erwartet. Da sitzt er nun schon seit einer Stunde in der hintersten Reihe seines Wahlkampfbusses, eingekeilt von zwei Referenten, und kaut Kaugummi. Im immer gleichen unaufgeregten Tonfall antwortet er den Journalisten. Provozieren lässt er sich nicht. Freche Fragen, etwa solche zur Kanzlerin oder zur SPD-Gegenkandidatin Andrea Ypsilanti, beantwortet er ausführlich und mit ruhiger Stimme, die Antworten sind politisch hochgradig korrekt. Zu Merkel habe er ein sehr gutes Verhältnis, und Ypsilanti sei nicht zu unterschätzen. Es ist fast ein bisschen langweilig, Koch so zuzuhören. Und das soll der größte Spalter und Hetzer der Republik sein, wie die SPD derzeit skandiert?
Der Bus braust durch das hessische Mittelgebirge, vorbei an Fachwerkhäusern, Feldwegen und Forstämtern. Koch kennt jedes Dorf, jede Straße, jeden Ortsvorsteher. Kein Wunder, er hat seine Heimat ja auch nie verlassen. Er, der Sohn eines CDU-Politikers, wuchs in Eschborn auf, einem früheren Bauerndorf, das sich in den vergangenen 30 Jahren zu einem Wirtschaftszentrum im Speckgürtel Frankfurts gemausert hat. Schon als Teenager gründete Koch hier, an der Nahtstelle zwischen Vorort-Schickeria und Kleinbürgertum, den örtlichen JU-Verband, seither macht er Politik. Koch kennt also das Milieu, aus dem sich die Kernklientel der Union speist. Es ist seine Heimat und wichtigste machtpolitische Ressource.
Und er beherrscht deren Sprache. Zum Beispiel die der Bürger von Homberg (Efze), einer kleinen Kreisstadt in Nordhessen. Länger als eine Stunde haben sie vor dem Bürgerhaus auf Koch gewartet. Als sein Bus endlich hält, jubeln die 200 Honoratioren und CDU-Anhänger und wedeln ausgelassen mit ihren orangefarbenen Wahlkampf-Schals. Es ist Kochs vierter Wahlkampf-Termin an diesem Tag, zwei weitere hat er noch vor sich. Koch ist erkältet, ein fieser Husten unterbricht ihn immer wieder. Dennoch schafft er es, sich mit wenigen Sätzen in die Herzen der Homberger zu reden.
Koch appelliert in seinen Wahlkampfreden an zwei starke Gefühle, die einander perfekt ergänzen: Zunächst schürt er Ängste. Er spricht von "planmäßigen Banden, die durch die Landschaft ziehen", von Schülern und Senioren, die unter kriminellen Jugendlichen leiden, von U-Bahnen, die man nachts nicht sicher benutzen könne, und von einem bayerischen Migranten, der "mit dem Fuß gegen den Kopf eines alten Mannes" tritt. Dieser gemeingefährlich Zustand werde sich noch verschlimmern, mahnt Koch, sollten "die Sozialisten" in Hessen wieder an die Macht kommen. Dann drohe "das Faustrecht".
Die "Sozialisten" - das ist Kochs Chiffre für das politisch Böse. Er meint damit die SPD, die Linkspartei und manchmal die Grünen. Diese Parteien planen nämlich "Jugendherbergen" statt Jugendknäste, die bagatellisieren, verharmlosen und kuscheln bloß. Koch ist kein Kuschler. "Ja, wir müssen über Abschiebung reden!", ruft er, und die Homberger CDU nickt und klatscht entschlossen. Ein harter und schneller Strafvollzug sei das Einzige, was helfe, sagt Koch und verweist auf seine bisherige Bilanz. Während seiner Regierungszeit habe sich die Zahl der Polizisten um 1131 erhöht, und dadurch die Aufklärungsquote von Verbrechen. Dass er derzeit in der Kritik steht, weil sein Hessen im Vergleich zu anderen Bundesländern de facto relativ langsam arretiert und bestraft, übergeht er dabei geflissentlich.
Auch vor anderen Gefahren eines Machtwechsels warnt Koch im Duktus des Kulturkämpfers. Die "linken Gruppen" würden die Universitäten "durcheinanderbringen", die Einheitsschule einführen und die Infrastruktur ruinieren: Bald gäbe es im schönen Verkehrsland Hessen nur noch "Straßen mit Löchern" und die Wiesen würden mit Windrädern überzogen. Das "Stopp-Schild der Grünen" ist ein zentraler Topos in seinen Reden.
Das andere starke Gefühl, das der Wahlkämpfer Koch weckt, ist Stolz. Bevor er 1999 an die Macht kam, galt Hessen als "rotes" Stammland. Die CDU war hier nur in einigen ländlichen, katholischen Hochburgen stark, schmorte auf Landesebene im Oppositionsgetto. Unter Koch holte sie dann 2003 erstmals die absolute Mehrheit. Allein deshalb ist er in hessischen CDU-Kreisen ein Held. Die Bilanz seiner Regierungszeit tut ein Übriges: mehr Wirtschaftswachstum, mehr Sicherheit, mehr Unterricht - ein konservatives Musterprogramm. Auch rhetorisch versteht es Koch, das Selbstwertgefühl seiner Anhänger zu heben. Er schmeichelt seinen Zuhörern, sagt ihnen, wie wichtig sie sind für ihn und das Land.
- Datum 14.01.2008 - 03:12 Uhr
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Liest man den Artikel durch, steht man sofort vor dem Henne-Ei Problem. Wer war wohl zuerst da. Politiker, die soviel unausgegorenen Mist ausspucken, dass sich einem Betrachter der Magen umdreht oder die entsprechende Masse mit entsprechender Anzahl von Hohlköpfen, die genau dieses hören wollen und in frenetischen Jubel ausbrechen, wenn Sie als "Ihr seid die Größten " tituliert werden.
Aber wie heiss es schon immer: "Demokratie ist die Herrschaft der Dummen"
Traurig aber wahr, jedes Volk bekommt die Politker, die es ruft und emporhebt.
kann man nicht auf Herrn Koch beschraenken.Meiner Meinung nach gilt das fuer alle Politiker,denn sie alle halten Reden,versprechen und beschwoeren 'ihre' Waehler und die,die es moeglicher Weise werden wollen.Ganz sicherlich stellt sich kein Politiker absichtlich vor ein Publikum dass ihm oder ihr nicht wohlgesonnen ist.Es ist die Aufgabe und sogar die Pflicht der Waehler die gewaehlten Politiker dann auch beim Wort zu nehmen und ihnen nicht zu erlauben sich nach der Wahl aus der Affaire zu ziehen.
ob cdu- oder spd Landeschef, die Probleme die wir mit einem Teil der Jugend haben, ihnen können wir nur eine Teilschuld geben. Das Problem ist global für ganz Deutschland, übrigens für alle anderen Nationen auch. Das die Politiker, egal welcher couleur, bei anstehender Wahl versuchen die Situation für sich auszuchlachten versteht sich doch von selbst. Meines Erachtens glaube ich, dass das Sache der Bundesregierung ist und nur sie kann die Weichen stellen fûr eine bessere soziale Integration der gesamten Jugend, gemeint sind damit die ausländische wie auch die einheimische Jugend die mit sozialen Problemen zu kämpfen haben.Natürlich die ausländische Jugend, die mit voller Absicht die Gesetze des Gastlandes nich respektieren will, muss schnell und reibungslos in ihre Heimat abgeschoben werden. Die Deutschen und die Ausländer mit deutschem Pass gehören in den Knast wenn sie nicht resozialisierbar sind. Aber die Gefängnisse sind voll, zu voll und neue Gefängnisse sind teuer, abgesehen davon braucht mann auch noch Personal. Sozialeinrichtungen, Ausbildundsstätten, neue Gefängnisse welcher Finanzminister macht da gerne Steuergelder locker? Ich habe letzte Woche in einer Wirtschaftzeitung gelesen, dass Deutschland für 2007 ein Exportüberschuss von 200 Mrd Euro gemacht hat. Also ich glaube am Geld kann es nicht liegen.
Pit46
"Koch hat in seiner Karriere noch keine schwere Niederlage erlebt."
dann wird's zeit.
Das wird Ihm auch nicht ärmer machen, der oder die, die danach kommen werden das Probleme auch nicht lösen.
Pit46
Meine Güte! Großer Gott und Herrjemineh. Seit Jahrzehnten ist in einschlägigen wissenschaftlichen Kreisen und sogar darüber hinaus (!) bekannt, dass "Kloppe" allein nix nützt (Wer von euch, die ihr das lest, kann sagen - sofern er oder sie mal (elterliche) Hiebe und anderes autoritäres Strafwerkzeug erlebt hat - , dass es geholfen hat? Und man sofort gelernt hat, wie man sich stattdessen verhalten soll?). Auch Roland Koch sollte das wissen - zudem er dieses Hessenland (in dem ich lebe) seit 1999 regiert und vieles mitzuverantworten hat, was jetzt und hier stattfindet und abläuft. ... Die Zahlen, die jede/r Interessierte schon vernommen hat, sprechen für sich .... z. B. die eklatante Höhe der Rückfallquote (über 70%) von aus dem Strafvollzug entlassenen Jugendlichen. Auch das dürfte Herr Koch wissen. Ich bin sogar sicher, dass er das weiß. Umso unerträglicher ist dieser braun-triefende Wahlkampf. Ist doch klar, dass es hier nicht wirklich um Inhalte geht, sondern um das Anwerben des rechten Wählerrandes. Und dass er so emotionslos wirkt (wahrscheinlich auch ist), wie in diesem Artikel so schön beschrieben (und wer ihn mal life sieht, merkt's auch), das passt doch bestens dazu. Jemand, der inhaltlich berührt ist von einem Thema ... davon überzeugt ist, eine Message rüberbringen will, der redet und verhält sich anders.So sind die "pösen, pösen" Ausländerkinder (angeregt durch die furchtbaren Vorkommnisse in München) nur ein willkommenes Vehikel (neugierig wäre ich, was Koch, wenn München nicht passiert wäre, stattdessen gemacht hätte...). So wie es Peter Struck (SPD) kürzlich auch erst sagte: „Ich glaube, dass Roland Koch ja eigentlich von Herzen froh war, dass
dieser schreckliche Vorfall in München in der U-Bahn passiert ist.“Meine Güte, Leute ... Ich hoffe, die Mehrheit der Hessinnen und Hessen lässt sich diesmal nicht auf Kochs Nebeleien ein. Ob's die Ypsilanti besser macht, weiß ich nicht ... jedenfalls wirkt sie nicht so kalt wie ein Fisch. ****************************************************************
"Die Idee ist die Basis der Wirklichkeit" - aus Terry Pratchetts Scheibenwelt-Roman "Das Erbe des Zauberers"
Roland Koch als "Seelsorger" zu bezeichnen, das ist wahlkampforientierte Des-Information! Ihn als besten Wahlkämpfer in der Union zu bezeichnen ist Demagogie, zum Vorteil von Koch, und eine Beleidigung für alle Politiker in der Union, die einen anständigen Wahlkampf führen. Koch ist ein Volksverhetzer - schon immer gewesen. Zu erinnern ist daran, daß der ehemalige Innenminister Manfred Kanther und der frühere CDU-Landesschatzmeister Casimir Prinz zu Sayn-Wittgenstein mehrere hohe illegale Parteispenden als angebliches Vermächtnis von verstorbenen Juden verbucht haben lassen. Dr. Jung, heute Verteidigungs-Minister, mußte zurück treten. Rolan Koch wußte angebllich von nichts, auch nicht, als er von der Presse heftig befragt wurde. Für mich sind seine damalige Einlassung zu dieser Spenden-Affäre nicht glaubhaft. Diese Affäre des Roland Koch ist noch nicht endgültig geklärt. Aber, ich habe Geduld. Die Wahrheit wird schon noch ans Licht kommen. So einen 'schrecklichen' Politiker brauchen wir in Deutschland nicht. Ich schäme mich, zusammen mit meinem gesamten Stammtisch.
Und von der Bergpredigt hat er sicher auch nichts mitbekommen. Und wie steht es mit Jesu berühmter Feindesliebe? Fehlanzeige bei Koch...Und der Geist, der diesen Volksverhetzer (ich meine nicht unbedingt den § 130 StGB) antreibt, ist sicher nicht der heilige. Koch ist ein geistiger Brandstifter übelster Sorte. Der Herr der schwarzen Kassen und der noch schwärzeren Seelen stinkt stark nach Schwefel...meint Simplex Siplicius Simplicissimus.
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