ZEIT online: Professor Rogoff, die amerikanische Wirtschaft steuert auf die erste Rezession seit sieben Jahren zu. Kann die Bush-Regierung die Krise mit Steuersenkungen oder ähnlichen Maßnahmen doch noch verhindern?

Kenneth Rogoff: Ein Konjunkturpaket ist eine furchtbare Idee. Was immer da zusammengeschnürt wird, kommt entweder zu spät oder ist nicht groß genug. Zumal: Noch geht es dem Konsum in diesem Land gut. Das ist nicht das Problem. Wir haben eine Kreditkrise, die Produktivität der Unternehmen geht zurück, die Häuserpreise kollabieren. Zusätzliche Staatsausgaben, so verführerisch das auch sein mag in einem Wahljahr, lösen keines dieser Probleme. Die Rezession ist jetzt da. Zu dem Zeitpunkt, an dem die Steuersenkungen vom Kongress abgenickt werden, werden wir schon wieder auf dem Weg raus aus der Rezession sein.

ZEIT online: Ist die US-Wirtschaft denn schon in einer Rezession?

Rogoff: Wahrscheinlich. Vermutlich in einer milden Rezession und die Frage ist, ob daraus eine ernste wird. Aber Leute, die sagen: "Das ist jetzt das Ende der Welt", vergessen einfach, dass wir noch im dritten Quartal 2007 hohe Wachstumsraten hatten. Das schwache Wachstum jetzt könnte der Preis sein für diese hohen Raten. Diejenigen, die jetzt behaupten, die Geldpolitik wäre zu strikt, vergessen die Tatsache, dass sie sich vor drei Monaten noch über eine viel zu laxe Geldpolitik beschwerten.

ZEIT online: Was also sollte die Regierung tun?

Rogoff: Wenn man das Einkommen der nächsten 15 Jahre schon ausgegeben hat - wie im Falle der USA geschehen mit ihrem derzeitigen Leistungsbilanzdefizit (der Verschuldung im Ausland, Anm.) -, wenn man versucht, mit der größten Immobilienblase seit mehr als 100 Jahren zurechtzukommen, dann gibt es wenig, was man noch tun kann.

ZEIT online: Und die Notenbank?