US-Konjunktur "Bankrott einiger Großbanken wäre völlig in Ordnung"Seite 3/3

ZEIT online: Teilen Sie die Kritik an Notenbankchef Ben Bernanke, der zu zaghaft auf die Rezessionsanzeichen reagiert haben soll?

Rogoff: Überhaupt nicht. Bernanke hat einen blendenden Job gemacht. Er ist ein extrem begabter und fähiger Chef und in den vergangenen Jahrzehnten hatten wir gelegentlich viel schwächere.

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ZEIT online: Wie würden sie diese Wirtschaftskrise mit früheren vergleichen?

Rogoff: Es gibt keinen Vergleich. In der vergangenen Rezession 2001 haben die USA noch immer einen der größten Produktivitätsaufschwünge in der Geschichte dieses Landes gehabt. Die Inflation der Häuserpreise hat in einigen Teilen des Landes begonnen, ist aber nicht auf den Rest übergesprungen. Da war es sehr leicht, Geldpolitik zu betreiben, denn der zugrunde liegende Wachstumstrend war sehr, sehr stark. Jetzt ist dieser Trend viel schwächer. Selbst wenn wir nicht in einem Abschwung wären - der langfristige Wachstumstrend für die USA hat in den vergangenen sieben, acht Jahren um ein Prozentpunkt abgenommen. Geldpolitik ist damit natürlich schwieriger. Der Fakt, dass wir uns in einem Wahljahr befinden, macht alles noch viel schlimmer.

ZEIT online: Unterscheiden sich denn die Konjunkturpolitik in den USA von jener in Europa?

Rogoff: Europas Konjunkturpolitik neigt dazu, viel prozyklischer zu sein als die amerikanische. Das heißt, wenn die Zeiten gut sind, weitet die Regierung zusätzlich noch die Ausgaben aus, und wenn sie dann schlecht werden, ist das Haushaltsdefizit so groß, dass die Regierung gar nichts mehr tun kann. Die USA hatten in der Vergangenheit allerdings auch die Sicherheit eines viel größeren Wachstums der Produktivität. Das ändert sich jetzt. Ich glaube, die USA haben dieses Mal nicht den gleichen Vorteil, den sie 2001 hatten.

Die Fragen stellte Claas Tatje.

Kenneth Rogoff (54) lehrt Ökonomie an der Universität Harvard und ist ein führender Fachmann für Zusammenhänge in der Weltwirtschaft. Von 2001 bis 2003 war Rogoff Chefökonom beim Internationalen Währungsfonds.

 
Leser-Kommentare
  1. Die heute veröffentlichen US-Inflationsziffern liegen so niedrig, dass sie der Fed reichlichen Spielraum erlauben, um weitere Senkungen vorzunehmen, um einer möglichen Rezession entgegenzuwirken, ohne eine Steigerung der Inflationsgefahr befürchten zu müssen.  Dass sich die übernächste Woche erfolgende nächste Senkung des US-Leitzins abermals steigernd auf den Euro auswirken wird, liegt also auf der Hand.

  2. Professor Rogoff hat das Problem klar erkannt. Nach Jahren des Deficit spendings haben die Amerikaner keinen weiteren Spielraum für eine weitere Verschuldung. Letztendlich wird man aber so weitermachen müssen, damit das ganze Kartenhaus nicht zusammenbricht. Greenspan ist einer der Mitverursacher der jetzigen Krise. 

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