Planetologie Der Sonne entgegen

Nach 30 Jahren besucht wieder eine Nasa-Sonde den Planeten Merkur. Sie wird seine Rätsel lösen. Das glauben zumindest die Amerikaner

Für amerikanische Planetenforscher ist es ein bisschen wie ein zweites Weihnachten: 30 Jahre lang hatten sie es sich gewünscht; nun besucht endlich wieder eine Raumsonde den Merkur, den innersten Planeten des Sonnensystems. Am Montag, 14. Januar 2008, exakt um 20:04 Uhr mitteleuropäischer Zeit wird die amerikanische Nasa-Mission Messenger in nur 200 Kilometer Entfernung an Merkur vorbeisausen. Bei der US-Weltraumagentur ist man schon vorher in Feierstimmung. Man erhofft sich großartige Entdeckungen. Europäische Forscher hingegen sind skeptisch. Sie bauen an einem eigenen Merkur-Späher namens „BepiColombo“. Er soll im nächsten Jahrzehnt viel mehr herausfinden als der amerikanische Vorbote.

Die Bilder und Messdaten, die Messenger am 14. Januar zur Erde funken wird, sind nur ein Vorgeschmack. Die eigentliche Arbeitsphase beginnt erst 2011, wenn die Sonde auf eine Umlaufbahn um den Merkur einschwenkt. Dass sie zuvor noch zweimal an ihrem Zielplaneten vorbeirauschen wird, hängt mit seiner besonderen Stellung zusammen: Weil die Sonne so nah ist, zerrt sie alles, was sich dem Merkur nähert, in ihre Richtung. Drei Schleifen muss Messenger darum fliegen, jede ein wenig enger gezogen, um schließlich auf ihre Kreisroute um den Planeten einbiegen zu können.

Anzeige

„Bevor man eine Merkurreise anging, hat man lieber erst einmal einfachere Flüge gemacht, wie zum Mars oder zum Jupiter“, sagt Tilman Spohn, Leiter des Instituts für Planetenforschung am Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin. Nicht nur die Schwerkraft der Sonne sei ein Problem, sondern auch ihre Hitze. Auf der ihr zugewandten Seite muss das Material des Raumschiffs bis zu 400 Grad Celsius aushalten, auf der Schattenseite trifft es auf die eisige Kälte des Alls: fast Minus 270 Grad.

Der Merkur lebt in derselben Welt der Extreme: Ein karger, heißkalter Brocken, übersät mit Kratern, die Meteoriteneinschläge auf der Oberfläche hinterließen. Kein schöner Ort. „Merkur ist nicht so sexy wie der viel besuchte Mars“, sagt Tilman Spohn, „Leben erwartet man dort sicherlich nicht.“

Dass schließlich doch eine Sonde auf den Weg gebracht wurde, ist auch ein Sieg der Neugier. Denn es ist herzlich wenig, was man vom kleinsten der acht Planeten weiß: Er hat so gut wie keine Atmosphäre, ist außergewöhnlich schwer für seine Größe, sein Magnetfeld ist extrem schwach. 88 irdische Tage dauert ein Merkurtag. Nicht einmal zwei davon vergehen, bis ein ganzes Merkurjahr rum ist: 106 Erdtage dauert eine Runde um die Sonne. Der Rest blieb der Forschung bisher weitgehend ein Rätsel. Was es an brauchbaren Daten vom Merkur gibt, lieferte in den1970ern die Raumsonde „Mariner 10“, während sie zweimal am Planeten vorbeischoss.

„Mariner 10 hat zwar einige Entdeckungen gemacht, die wichtigsten Fragen aber unbeantwortet gelassen“, sagt Sean Solomon, Chefwissenschaftler des US-amerikanischen Messenger-Teams. „So werden wir zum ersten Mal den ganzen Globus sehen können.“ Mariner 10 hatte Fotos vom Merkur gemacht, in der Eile des Kurzbesuchs jedoch nur von einer Hälfte der Kugel. Messenger soll jetzt eine lückenlose Karte der Oberfläche liefern. Die Instrumente an Bord sollen auch messen, wie stark Merkurs Magnetfeld ins All hinausreicht, und wie kräftig seine Gravitation am Körper des Schiffs zieht. Aus beidem gemeinsam, so hoffen die Forscher, lässt sich schließen, wie das Innenleben des gewichtigen Brockens aussieht.

Leser-Kommentare
  1. Interressant wie schnell die Amis zum Merkur stoßen, obwohl sie noch nicht einmal im Irak fertig sind. Viel zu schnell wollen sie als erstes ihre Flagge auf anderen Planeten setzen. Für die Europäische Weltraumargentur ESA hingegen kommt es nicht auf Quantität sondern viel mehr auf Qualität drauf an. Sehr Lobenswert.

  2. Zum Merkur - wie auch zu anderen Planeten und Götter (Merkur war/ist der Gott der Waren und Kaufleute) - gibt es auch Gartenentwürfe, die Charakteristika wiederspiegeln. Alles vom Planetenpark hier.
    Ulrich Reinhardt, Bremen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service