Für wen die gestrige Wahl in Michigan etwas zählte und für wen nicht, das war einfach zu erkennen: Man konnte es daran ablesen, wo sich die Kandidaten im Laufe des Tages aufhielten. Die Präsidentschaftsbewerber der Demokraten Hillary Clinton, Barack Obama und John Edwards waren noch nicht einmal im Staat. Für sie ist die Wahl in Michigan politisch irrelevant. Stattdessen trafen sie sich zu einer Fernsehdebatte im fast 3000 Kilometer entfernten Las Vegas - in Nevada stehen für sie am Samstag die nächsten Vorwahlen an.

Ganz anders sah es dagegen bei den Republikanern aus. Mitt Romney reiste bis zum Schluss durch den Staat, um Wähler auch in der letzten Minute noch auf sich einzuschwören. Und dieser Einsatz hat sich gelohnt: Der Ex-Gouverneur siegte mit 39 Prozent und damit einem soliden Vorsprung vor McCain und Mike Huckabee, die mit 30 und 16 Prozent folgten.

Romney hatte hart dafür gearbeitet. Immer wieder hatte er betont, dass Michigan für ihn eine persönliche Sache, eine Herzensangelegenheit sei. Offiziell war diese Wahl für Romney wichtig, weil er in Michigan geboren und aufgewachsen ist, bevor er an die amerikanische Ostküste zog und in Massachusetts erst Leiter einer Unternehmensberatung, dann Gouverneur wurde. Inoffiziell war diese Wahl für Romney noch wichtiger - weil eine Niederlage in seinem Geburtsstaat ihm wohl nicht nur persönlich das Herz, sondern auch politisch den Nacken gebrochen hätte.

Während bei den Demokraten alles auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Clinton und Obama hinausläuft, scheinen sich im Feld der Republikaner keine Trends abzuzeichnen. Mike Huckabee in Iowa, John McCain in New Hampshire, nun Mitt Romney in Michigan: Die ersten drei Staaten der Vorwahl-Saison haben drei unterschiedliche Kandidaten für sich entscheiden können. Und Rudy Giuliani hat sich noch nicht einmal warmgelaufen, sondern seinen Wahlkampf bewusst auf die späteren Staaten konzentriert, bei denen es mehr zu gewinnen gibt. Ende Januar geht es für ihn in Florida um 57 Wahlmänner auf einen Schlag, so viel hat bisher keiner der anderen Republikaner-Kandidaten auf sich vereinen können.