Software Milliardenhäppchen

Der IT-Riese Sun schluckt den freien Datenbankanbieter MySQL AB und zeigt, dass Open Source längst zum Big Business geworden ist.

Der IT-Konzern Sun Microsystems hat heute überraschend die Übernahme des schwedischen Datenbank-Anbieters MySQL AB bekannt gegeben. Sun-Chef Jonathan Schwartz spricht von der „wichtigsten Übernahme in der Firmengeschichte“. Ungefähr eine Milliarde Dollar will man für die Firma zahlen, die gerade in den schwarzen Zahlen angekommen ist. MySQL ist in IT-Kreisen weltbekannt, weil es auf der Grundlage von OpenSource als Basis zahlloser Webauftritte genutzt wird.

„Für beide Seiten geht es hauptsächlich um das Wachstum“, erklärte Schwartz den Deal heute in einer Pressekonferenz. Millionen Kunden setzten auf die Produkte der schwedischen Firma, für Sun seien das Millionen Chancen auf neue Geschäfte.

Das Besondere an MySQL: Die Firma verschenkt ihr Haupt-Produkt. Die MySQL-Datenbank wird als OpenSource veröffentlicht. Das bedeutet: Jeder kann sich die Software herunterladen und kostenlos auf seinen Servern installieren. Mehr noch: Jeder Anwender kann die Software speziell auf seine Bedürfnisse anpassen. Geld verdient das Unternehmen mit Service-Dienstleistungen für Großunternehmen, die die Software auf ihren Servern einsetzen.

In den letzten Jahren wurden die Bemühungen der vermeintlichen Amateure von Branchengrößen wie Oracle eher belächelt und klein geredet. Für sie war MySQL eine Datenbank für diejenigen, die sich keine „seriöse“ Datenbank leisten können. Ein kostenloses Produkt für anspruchslose Kunden.

Doch gerade in den letzten Jahren konnte MySQL technisch aufholen und eroberte Kompetenzen in Bereichen, die früher nur den Konkurrenten vorbehalten waren. Immer mehr Firmen setzen die OpenSource-Datenbank dort ein, wo es auf höchste Zuverlässigkeit und Leistung ankommt. So ist Google einer derf prominentesten Anwender von MySQL-Datenbanken, aber auch Firmen wie die Deutsche Telekom oder Toyota gehören zu den Kunden. Für die 1995 gegründete Firma arbeiten heute rund 400 Mitarbeiter in 25 Ländern, der größte Teil der Angestellten von zu Hause aus.

Dagegen wirkt Sun wie ein Riese. Das Unternehmen, das im letzten Quartal einen Umsatz von 3,6 Milliarden Dollar machte, beschäftigt weltweit fast 34000 Angestellte. Heimarbeit ist allerdings auch bei Sun verbreitet. So schreibt MySQL-Manager Kaj Arnö in seinem Weblog: „Die Firmenkultur von Sun ist unserer ziemlich ähnlich. Wir können weiter von zu Hause aus arbeiten.“

MySQL-Manager Mickos sieht gerade in dem Auftrieb der netzbasierten Wirtschaft den Wachstumsschub für sein Unternehmen. Die Datenbanken der Konkurrenten wurden für die klassische Buchhaltung und andere Backoffice-Anwendungen entwickelt. „Wir haben unsere Datenbank direkt für Anwendungen im Internet optimiert.“

Über die genauen finanziellen Details haben die Firmen noch keine Auskunft gegeben. „Ungefähr eine Milliarde Dollar“ soll der Kaufpreis für das schwedische Unternehmen betragen. Die Börse reagierte auf die Übernahme und die vorläufigen Geschäftszahlen von Sun positiv. Der Aktienkurs des Unternehmens steigt zwischenzeitlich um fast 10 Prozent.

 
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