Grippeimpfung Es war einmal ein Antikörper
Große Neuigkeiten aus der Pharmabranche: Eine britische Firma hat offenbar die Allzwecksuperwaffe gegen Influenzaviren gefunden. Sie soll sogar vor Vogelgrippe-Mutanten schützen. Da lohnt sich doch ein Blick auf die Details.
Mit den Neuigkeiten aus der Gesundheit verhält es sich bisweilen wie mit den Musikcharts : Was auf BBC ganz oben steht, kann nicht völliger Schwachsinn sein. Also stimmen die Kollegen ein in den Kanon wissenschaftlicher Halbwahrheiten - und berichten dasselbe. Sogar das Wissenschaftsmagazin Nature tut das jetzt . Und, zugegebenermaßen: Wir auch.
Die Nachricht, die seit rund einer Woche in den britischen Medien vagabundiert, klingt aber auch zu sensationell: Die Firma Acambis mit Sitz im ehrwürdigen Cambridge hat einen neuen Impfstoff entwickelt, der quasi ein Leben lang vor sämtlichen Influenzaviren des Typs A schützen soll. Alle für den Menschen richtig gefährlichen, saisonalen Grippe-Erreger zählen zu dieser Gruppe. Auch das Virus, das 1918 als spanische Grippe wütete und weltweit 50 Millionen Menschenleben kostete, war vom Typ A. Und der potenzielle Auslöser einer künftigen Pandemie, das Vogelgrippevirus H5N1, ist ebenfalls so einer, sein vollständiger Name lautet A/H5N1.
Ein neuer, umfassender und dauerhaft wirksamer Impfstoff wäre allerdings nicht erst interessant, wenn die nächste Pandemie anrückt. Ganz allgemein haben Influenzaviren die hässliche Eigenschaft, sich ständig zu verändern. Das menschliche Immunsystem erinnert sich immer nur an die Subtypen vom letzten Jahr. Jede Saison, wenn sich die Grippe in neuen Gewändern auf den Weg durch menschliche Atemwege macht, kämpft der Körper wieder gegen Fremdlinge. Auch die derzeit erhältlichen Impfstoffe sind diesem Versteckspielchen unterworfen. In jedem Frühjahr wird die Formel für die nördliche Hemisphäre geändert, jeden Sommer wird sie neu produziert, jedes Jahr müssen (oder sollten) sich Menschen aus unseren Risikogruppen wieder pieksen lassen.
Der Aufwand für diese Prozedur ist unübertroffen und vor allem exorbitant teuer, weil die Impfstoffe Jahr um Jahr aus frischem Virenmaterial gewonnen werden, das man zuvor in bis zu einer Milliarde befruchteter Spezialhühnereier züchten muss. Dennoch sterben auf unserem Planeten pro Saison noch bis zu 500 000 Menschen an der Grippe. Fieberhaft wird daher an neuen, besseren Vakzinen gearbeitet, die nicht nur leichter herzustellen und billiger sind, sondern das Virus auch an einer Stelle zu packen kriegen, die vom ständigen Kostümwechsel des Erregers nicht betroffen ist.
Es ist indes gar nicht so leicht, so einen Schwachpunkt zu finden in einem infektiösen Partikel, das genau elf Bausteine und damit eine ziemlich begrenzte Auswahl an Zielobjekten besitzt. Dennoch, 1985 machten drei amerikanische Biochemiker in einem dieser Bausteine, dem Eiweiß M2, ein recht beständiges Stückchen aus. Wie sich später herausstellte, ist dieser Teil des Virus - M2e genannt - in sämtlichen, seit 1933 eingesammelten Subtypen von Influenza A unverändert. Und nicht nur das: Das Ding guckt auch noch aus der Oberfläche infizierter Zellen heraus. Die beste Voraussetzung, um vom Immunsystem auch wirklich erkannt zu werden.
Und nun hat Acambis also einen Impfstoff gegen besagte verwundbare Stelle hergestellt, einen, der ohne jährliche Eierschlachten und Neuimpfungen auskäme und - das ist der wichtige Punkt - tatsächlich auch wirkt. Im vergangenen Juli kündigte Acambis den Beginn erster klinischer Tests von "Acam-Flu-A" an Menschen im Rahmen einer sogenannten Phase-1-Studie an, die ersten Ergebnisse liegen jetzt vor. 90 Prozent der Probanden bildeten Antikörper gegen die Achillesferse des Virus, nachdem sie zwei Ladungen einer bestimmten Impfstoff-Formel bekommen hatten. Das Immunsystem dieser Menschen wäre damit in der Lage, M2e auch an echten, krankmachenden Influenzaviren zu erkennen. Theoretisch jedenfalls.
- Datum 10.01.2008 - 13:57 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 10.1.2008
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Manche Impfschäden treten erst Wochen, Monate und manchmal erst Jahre nach der Impfung auf. Langzeitstudien zu Impfungen gibt es leider nicht. Solche Studien wären aber zum Schutz der Bevölkerung unbedingt notwendig und sollten von staatlicher Seite initiiert werden, ohne Beteiligung der Pharmaindustrie. Für einen Antrag auf Entschädigung ist es also wichtig, dass der Schaden innerhalb einer gewissen Frist entstanden ist und dass ferner es als Impfschadensfolge anerkannt ist. Hierzu zählt man heute vor allem Hirnschäden, Lähmungen, Krampfanfälle, Epilepsie. Gerade aber Krampfanfälle treten aber oft erst Monate nach einer Impfung auf und werden dann häufig nicht mehr als Impfschaden anerkannt, da ja ein Zusammenhang nicht bewiesen werden kann.
Krampfanfälle, astra1971, ist das Stichwort! Zählen dazu eigentlich auch Lachkrämpfe? Über Argumente, wie von Ihnen in Ihrem Kommentar vorgebracht, kann ich mittlerweile nämlich nicht anders als lachen (sorry). Es gab einmal eine Zeit, da war ich ähnlich drauf wie Sie, da habe ich mich von irgendwelchen selbsternannten Heilspropheten, die übrigens auch nichts anderes wollen als z.B. ihre Bücher oder teuren Seminare und Vorträge an den Mann bringen, gründlich auf's Glatteis führen lassen.Nach 4 Jahren Studium der wissenschaftlichen Grundlagen (Biologie) und ausführlicher Auseinandersetzung mit den Mechanismen und Pathomechanismen unseres Immunsystems (Literaturtipp: Janeway's Immunobiology sowie diverse Lehrbücher der Mikrobiologie) denke ich ganz anders. Mir wurde sozusagen der Kopf gewaschen. Ich empfehle auch Ihnen dringend, sich erst einmal mit den Basics auseinanderzusetzen, bevor Sie solche abgegriffenen Schlagworte wie in Ihrem Kommentar unreflektiert auf die Menschheit loslassen.
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