US-Vorwahl Cash und Promi erwünscht
Im langatmigen US-Wahlkampf brauchen die Kandidaten Unterstützung. Obama punktet mit John Kerry – Hillary gibt Kontra, mit dem Milliardär und Wirtschaftsguru Warren Buffet an ihrer Seite.
Einige Wahlforscher und Journalisten kratzen sich noch die Köpfe, wie sie mit ihren Vorhersagen für New Hampshire so falsch liegen und die Siegerin Hillary Clinton im Vorfeld für halbtot erklären konnten. Doch die Wahlkampfmaschine rauscht unerbittlich weiter. Wurde die kalte Hillary durch ihre feuchten Augen „vermenschlicht“, wie einige vermuten? Eilten ihr ihre Geschlechtsgenossinnen zur Hilfe, weil Clinton in der letzten Fernsehdebatte vor der Wahl von Obama und Edwards so grob angegriffen wurde?
Für solche Spekulationen ist nicht viel Zeit im eng gestrickten Wahlkalender 2008. Dienstag sind für Demokraten und Republikaner schon die Vorwahlen in Michigan, Samstag in Nevada und für die Republikaner auch in South Carolina, die Demokraten folgen dort eine Woche später. Dann lassen beide Parteien wieder zeitgleich am 29. Januar in Florida abstimmen, bevor zum „Super Tuesday“, am 5. Februar, in zahlreichen der größten amerikanischen Staaten gewählt wird.
Von jetzt an ist der amerikanische Vorwahlkampf ein Vielfrontenkrieg – es geht nicht mehr nur um weiße Männer und weiße Frauen in Iowa und New Hampshire. Die eben noch so enttäuschenden Umfrage-Institute schießen weiter ihre Vorhersagen durchs Land. Und weil das als Orientierungshilfe alleine nicht mehr genügt, ergehen sich die Wähler, Wahlkampfhelfer und Kommentatoren in immer neuen Spekulationen.
Zum Beispiel bei den Republikanern: John McCain, der bereits 2000 bei den Republikanischen Vorwahlen antrat, konnte damals Michigan gegen George W. Bush für sich entscheiden. Das ist zwar acht Jahre her, könnte aber weiterhin für ihn sprechen. Im vergangenen Jahr hatte man McCain bereits abgeschrieben, jetzt erlebt er ein Comeback. Das war für McCain nicht ganz so spektakulär wie für Hillary Clinton. Aber möglicherweise hilft ihm auch der Aufwind, den er als republikanischer Wahlsieger in New Hampshire bekommen hat.
Zugleich macht sich das Team um Mitt Romney Hoffnungen – die Wahlwerbung in South Carolina und Nevada wurde kurzfristig abgesetzt, um alle Kraft auf Michigan zu konzentrieren. Nach zwei Niederlagen scheint der Kandidat zu schwächeln, doch er ist in Michigan geboren, hat also möglicherweise eine Art Heimvorteil. Sein Name ist vertraut: Romneys Vater war Mitte der 60er Jahre Michigans Gouverneur und zuvor in einer Spitzenposition in der Autoindustrie des Staates tätig.
Mike Huckabee, der den bodenständigen Südstaatler gibt, versucht seinerseits dem Millionär genau daraus einen Strick zu drehen. „Ich glaube, die meisten Amerikaner wollen einen Präsidenten, der ihren Kollegen ähnelt und nicht dem Typen, der sie entlassen hat“, mutmaßt er zum Abschluss seiner neuen, regional zugeschnittenen Wahlwerbespots. Gleichzeitig wird aber Huckabee in Michigan vom Club For Growth mit Negativwerbung beschossen. Die Lobbygruppe hat es besonders auf Republikaner abgesehen, die ihnen nicht wirtschaftsfreundlich genug sind – und Huckabee habe als Gouverneur von Arkansas zu linke Politik gemacht. Ob das in den industriellen Ballungsräumen Michigans überzeugt, wird sich zeigen. Analysten sind sich immerhin einig, dass unter dem republikanischen Dreiergespann, das derzeit die Medien dominiert – McCain, Huckabee, Romney – für Romney am meisten auf dem Spiel steht.
- Datum 04.06.2009 - 09:37 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 11.1.2008
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Kerry düpiert mit seiner Unterstützung Obama's nicht nur Edwards, sondern - auch - ein wenig die Clinton's: bedenkt man, wie Bill ihm im eigenen Wahlkampf vor vier Jahren tatkräftig zur Seite stand, hätte man umgekehrt eine Unterstützung der Clinton-Kandidatur von ihm erwarten dürfen.
Doch weshalb wählt Kerry nun den jüngeren Kandidaten? Ist ihm, dem Vietnam-Veteran und etwas dickhäutigen Polit-Idealisten, vielleicht ebenso bewusst, wie schwierig es für Hillary werden könnte, wenn sie als aussichtsreichste Kandidatin der Demokraten eventuell gegen John McCain antreten müsste - den Republikaner, der ebenfalls selbst Vietnam-Erfahrung mitbringt (nicht nur solche, die ausnahmslos für ihn spricht?) Vielleich ist ihm selber ein Wegkommen von jener Thematik lieber, als eine Wahl McCain's, die die Kriegs-Thematik und das um sie veranstaltete Meinungs- und Handlungs-Chaos weiter zu aktualisieren droht.
Mag sein, dass für den vormaligen Präsidentschaftskandidaten Kerry ein Hoffnungsträger wie Barack Obama mehr Kräfte gegen die Clinton-Kaltwetterfront der republikanischen Stammwählerschaft aufzubringen verspricht, als eine mit ihm befreundete ehemalige First Lady. Nun, Kerry soll es weisen: er war ja das jüngste Demokraten-Opfer jener Stammwählerschaft!
"Falkenauge" Hillary wiederum ist jetzt im Aufwind. Und sie legt gleich los mit der für die Clinton-"Maschinerie" typischen Realpolitik. 'Arithmetics', pflegte ihr Ehemann dazu zu sagen, wenn durch Berechnungen das Haushaltsbudget langfristig geplant und Wirtschaftsmassnahmen vertrauensvoll durchgesetzt wurden. Doch sind die Clintons einmal im politischen Aufwind, vermag ihrer politischen Vision fast niemand das Feuer vom Herd wegzunehmen.
Ob das heutzutage tatsächlich so anders geworden sein sollte? Die Wirtschaft ist ja nun zum wichtigsten Wahlthema avanciert. Wie Obama, fehlte es auch John Kerry 2004 etwas an jener Clinton'schen Konkretheit, wie genau mit der Wirtschaft der Vereinigten Staaten umgegnagen werden müsste! 30 Milliarden in den Hypothekarfonds: 'Whitewater' lässt grüssen... Silky.
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