US-Vorwahl Cash und Promi erwünschtSeite 2/2

Rudy Giuliani, der ehemalige Bürgermeister von New York, der im vergangenen Jahr lange als Spitzenkandidat unter den Republikanern galt, konzentriert sich derweil mit seinem Wahlkampf auf South Carolina und Florida. Aus dem Hickhack in Michigan hält er sich weitestgehend raus. Ihm gleich tun es die Demokraten, wenn auch aus anderen Gründen. Denn so ähnlich, wie jetzt die Kandidaten um Einfluss kämpfen, hatten es zuvor die amerikanischen Bundesstaaten getan. Michigan war einer der Staaten, der aus dem traditionellen Kalender der Vorwahlen ausbrach und seinen Wahltermin nach vorne verlegte – um eine entscheidendere Rolle im Vorwahlkampf zu spielen. Andere Staaten zogen nach. Das Ergebnis: Der frühe und enge Wahlkalender. Barack Obama und John Edwards haben beide ihren Namen von den Wahlzetteln in Michigan entfernen lassen, um die Wahlen zu boykottieren. Auch aus dem Umfeld Hillary Clintons hieß es, sie werde keinen aktiven Wahlkampf in dem nördlichen Staat betreiben – auf dem Wahlzettel steht sie aber weiterhin, als einzige Spitzenkandidatin neben krassen Außenseitern, deren Namen es bisher kaum in die öffentliche Wahrnehmung geschafft haben. Anhänger von Obama und Edwards werben zur Zeit dafür, dass ihre Gesinnungsgenossen trotz allem zur Wahl gehen und „uncommitted“ anzukreuzen – ungebunden. Jede Stimme gegen Clinton zähle.

In Hinblick auf die Wahlen in Nevada konnte Barack Obama trotz seiner Niederlage in New Hampshire wichtige Unterstützer gewinnen. John Kerry, der gescheiterte Bush-Herausforderer von 2004, sprach sich für ihn aus. Er sei der richtige Mann, um „dem Land zu helfen, das Blatt zu wenden.“ Niemand sei besser geeignet, um die „Rolle der USA in der Welt neue Glaubwürdigkeit zu verleihen und unsere moralische Autorität wiederherzustellen.“ Mit seinem Plädoyer für Obama düpierte Kerry allerdings seinen einstigen Wahlkampfpartner John Edwards, den er damals als Vizepräsidentenkandidaten ausgewählt hatte – und der noch an die Spitzenkandidatur der Demokraten glauben will.

Auch der kalifornische Abgeordnete George Miller sprach sich für den schwarzen Senator aus. Er ist zwar selbst kein Prominenter, gilt aber als enger Vertrauter von Nancy Pelosi, der Sprecherin des amerikanischen Repräsentantenhauses. „Er würde dies nicht ohne eine Form der Zustimmung von ihr tun“, schreibt MSNBC. Wie ABC berichtete gehört zu den Obama-Unterstützern nun auch die Culinary Workers Union, eine 60.000 Mitglieder zählende Gewerkschaft der Servicegastronomie in Nevada. Längst verrechnen Wahlforscher die Gewerkschaftsgastronomen von Las Vegas mit den Latinos im Staat – erwartungsgemäß eine Klientel, die zu Clinton hält.

Im Rennen um die besten Unterstützer steht Clinton aber nicht schlecht. Der Milliardär Warren Buffett springt der New Yorker Senatorin im laufenden Vorwahlkampf bei. Er half ihr am vergangenen Dienstag, in San Francisco eine Million Dollar an Spendengeldern einzuwerben.

Den verwirrten Beobachter mag es angesichts dieser erneuten Zahlenspiele beruhigen, dass sich unter den Demokraten zumindest von hinten das Feld langsam räumt und ein kleines bisschen Klarheit geschaffen wird. Nach der Vorwahl in Iowa hatten bereits Christopher Dodd und Joseph Biden das Rennen aufgegeben – nun kündigte auch Bill Richardson seinen Rückzug aus dem Wahlkampf an. Der Gouverneur von New Mexico fürchtete um seine Reputation angesichts einer anstehenden Niederlage in Nevada. Nahe gelegt wurde ihm die Entscheidung von seinen Statistikern. Hoffentlich haben sie sich nicht geirrt.

 
Leser-Kommentare
  1. Kerry düpiert mit seiner Unterstützung Obama's nicht nur Edwards, sondern - auch - ein wenig die Clinton's: bedenkt man, wie Bill ihm im eigenen Wahlkampf vor vier Jahren tatkräftig zur Seite stand, hätte man umgekehrt eine Unterstützung der Clinton-Kandidatur von ihm erwarten dürfen.
    Doch weshalb wählt Kerry nun den jüngeren Kandidaten? Ist ihm, dem Vietnam-Veteran und etwas dickhäutigen Polit-Idealisten, vielleicht ebenso bewusst, wie schwierig es für Hillary werden könnte, wenn sie als aussichtsreichste Kandidatin der Demokraten eventuell gegen John McCain antreten müsste - den Republikaner, der ebenfalls selbst Vietnam-Erfahrung mitbringt (nicht nur solche, die ausnahmslos für ihn spricht?) Vielleich ist ihm selber ein Wegkommen von jener Thematik lieber, als eine Wahl McCain's, die die Kriegs-Thematik und das um sie veranstaltete Meinungs- und Handlungs-Chaos weiter zu aktualisieren droht.
    Mag sein, dass für den vormaligen Präsidentschaftskandidaten Kerry ein Hoffnungsträger wie Barack Obama mehr Kräfte gegen die Clinton-Kaltwetterfront der republikanischen Stammwählerschaft aufzubringen verspricht, als eine mit ihm befreundete ehemalige First Lady. Nun, Kerry soll es weisen: er war ja das jüngste Demokraten-Opfer jener Stammwählerschaft!
    "Falkenauge" Hillary wiederum ist jetzt im Aufwind. Und sie legt gleich los mit der für die Clinton-"Maschinerie" typischen Realpolitik. 'Arithmetics', pflegte ihr Ehemann dazu zu sagen, wenn durch Berechnungen das Haushaltsbudget langfristig geplant und Wirtschaftsmassnahmen vertrauensvoll durchgesetzt wurden. Doch sind die Clintons einmal im politischen Aufwind, vermag ihrer politischen Vision fast niemand das Feuer vom Herd wegzunehmen.
    Ob das heutzutage tatsächlich so anders geworden sein sollte? Die Wirtschaft ist ja nun zum wichtigsten Wahlthema avanciert. Wie Obama, fehlte es auch John Kerry 2004 etwas an jener Clinton'schen Konkretheit, wie genau mit der Wirtschaft der Vereinigten Staaten umgegnagen werden müsste! 30 Milliarden in den Hypothekarfonds: 'Whitewater' lässt grüssen... Silky.

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