Sprachforschung Die Urahnen des SixpacksSeite 2/2
Nach bisherigem Verständnis der Sprachforschung wäre das objektbezogene Mangareva damit in einem frühen Entwicklungsstadium gewesen, auf einer Vorstufe hin zu einem vielseitigen, abstrakten Zahlensystem, das sich nicht nur für einfache Zuckerrohr-Buchhaltung eignet, sondern mit dem auch die Stabilität von Brückenpfeilern oder die Umlaufbahn von Satelliten berechnet werden kann. "Es ist Konsens, dass abstrakte Zahlsysteme auf objektbezogenen aufbauen", sagt Heike Wiese, Professorin für Germanistik an der Universität Potsdam und Autorin des Standardwerkes "Numbers, Language and the Human Mind". Die jetzt in Science erschienenen Ergebnisse zeigten aber, dass die Evolution der Sprache durchaus in beide Richtungen gehen könne.
Die Studie räume mit Vorurteilen auf: "Die Entwicklung hin zu einem objektbezogenen System muss nicht heißen, dass die Kultur einfacher gestrickt ist", sagt Heike Wiese. Im Gegenteil: Diese Veränderung zeige, dass die Bewohner von Mangareva das kognitive Werkzeug Sprache clever an die täglichen Anforderungen angepasst hätten: Vor der europäischen Kolonialisation war die Vulkaninsel vermutlich eine Drehscheibe des Handels, auf der Waren von teilweise weit entfernten Eilanden umgeschlagen wurden. Daher mussten die Bewohner ständig mit großen Zahlen hantieren. Keine leichte Aufgabe, denn sie besaßen kein Schriftsystem, mit dem sie die Berechnungen durchführen konnten. So mussten sie im Kopf mit großen Zahlen jonglieren. "Es kann eine große Hilfe beim Kopfrechnen sein, wenn ich sozusagen schon in Packungsgrößen denke. Dann muss ich nicht mehr mit einzelnen Kokosnüssen hantieren", sagt Heike Wiese.
Allerdings: So praktisch das Zahlsystem von Mangareva auch gewesen sein mag, heute ist es nicht mehr in Gebrauch obwohl die Pazifiksprache heute noch gesprochen wird. Schuld ist der kulturelle Wandel: Zum einen hat sich der Handel auf der Insel verändert, inzwischen kann man dort längst schreiben und mit Papier und Bleistift, Taschenrechner oder Computer rechnen. Und zwar im europäischen Zahlensystem, das auch von denen genutzt wird, die sich noch in der alten Sprache unterhalten. Dass auch sie heute zählen wie wir, ist den Missionaren zu verdanken. Während der Kolonialisierung kamen sie auf die Inseln, gründeten Schulen und unterrichteten Rechnen in europäischer Zählweise.
Um die heute vergessenen, alten Zahlensysteme überhaupt analysieren zu können, mussten die Forscher auf historische Aufzeichnungen zurückgreifen. Fündig wurden sie in den Notizen früher ethnologischer Expeditionen und in denen von Missionaren. Die wirkten zwar kräftig dabei mit, die ursprünglichen Sprachen zu verdrängen. Doch gleichzeitig verfassten sie umfangreiche Aufzeichnungen und Wörterbücher darüber.
Die praktische Logik des Zahlensystems von Mangareva hat allerdings noch heute ihren Charme. Nur zählt man heute keine Kraken mehr. Dafür spricht man vom Sixpack, wenn man mal schnell sechs Flaschen Bier kauft.
- Datum 11.01.2008 - 12:51 Uhr
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Aenliches war frueher die Elle, die sogar von Stadt zu Stadt variierte.
Aber auch heute gibt es das noch in der westlichen und industrialisierten Welt. Ich wohne seit 3 Jahren in den USA und habe immer noch Probleme mit den gesellschaftlich genutzten Masseinheiten. Wir nutzen hier zwar lateinische Zahlzeichen und das Dezimalsystem zum Zaehlen, aber die Einheiten sind mehr in Richtung der verschiedenen Paaren, wie sie im Artikel erlaeutert sind.
Beispielsweise "inch", "foot", "yard", "mile". Ein foot sind 12 inch. Ein yard hingegen sind keineswegs 12 foot - sondern 3. Eine mile ist 1760 yard oder 5280 foot. Das gleiche gilt fuer Fluessigkeiten: fl. ounce, quart, gallon, barrel. Dazu kommt, dass eine ounce fuer Fluessigkeiten nicht das gleiche ist, wie fuer feste Stoffe, fuer die deren Masse ausschlaggebend ist. Weiterhin ist die ton und die metric ton erhaeltlich und die mile sogar in international mile (1,6 km), nautic mile (1,852 km), data mile (1,829 km), usw.
Entsprechend dem Artikel stellt sich nun die Frage, ob die Amerikaner oder die Europaeer weiter entwickelt sind?
Es gibt bzw. gab in Europa noch weitere nicht-dezimale Zählweisen:1.) Zwölfer- oder Duodezimalsystem12 Stück = 1 Dutzend 12 Dutzend = 1 Gros1 Sixpack ist also ein halbes Durtzend. Flaschen Bier2.) Die britische Währung a) bis 1971:12 Pence = 1 Schilling 20 Schilling = 1 Pfund b) bis 1960: 4 Farthing (Viertel) = 1 Pennyc) bis 1816: 21 Schilling = 1 Guinee
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