Fussball Problemkind AfrikaSeite 2/2

Blatter ruderte daraufhin eilig zurück, schließlich gewinnt er seine Fifa-Wahlen regelmäßig mit der freundlichen Unterstützung der afrikanischen Vertreter. Er habe mit „Anpassung an den internationalen Kalender“ lediglich gemeint, dass das Turnier vielleicht doch besser in den ungeraden Jahren stattfinden solle. Damit die afrikanischen Stars in Weltmeisterschaftsjahren nicht den Afrika-Cup und eine WM spielen müssen. Das schade dem afrikanischen Fußball, womit Blatter durchaus recht haben könnte.

Über diesen Vorschlag könne man nachdenken, entgegnete denn auch CAF-Präsident Issa Hayatou, der den neben ihm sitzenden Blatter während der einstündigen Pressekonferenz mit keinem Blick würdigte. „Das ist etwas anderes, als das Turnier in den Juni zu verlegen, das werden wir niemals tun.“

Die Diskussion, die alle zwei Jahre aufs Neue geführt wird, erweckte diesmal den Eindruck, als gehe es dem Fifa-Präsidenten am Ende ausschließlich um sein eigenes Turnier: die WM. Zudem steht Blatter unter dem Druck der wichtigsten Vereine in Europa. Die möchten keine Spieler mehr für das Turnier abstellen und würden den Cup am liebsten in ein anderes Universum verbannen.

Denn aus Europas Ligen befinden sich derzeit weit über 100 Profis in Ghana. Allein 40 Spieler kommen aus der englischen Premier League. Aus der ersten französischen Liga sind es sogar über 50. Solch ein Aderlass wirkt sich besonders in England und Frankreich massiv aus, da es dort keine Winterpause gibt.

Am stärksten betroffen sind in diesem Jahr der FC Portsmouth und der FC Chelsea mit seinen Leistungsträgern Solomon Kalou, Didier Drogba, John Obi Mikel und Michael Essien. Chelseas Klubmanager Peter Kenyon hat nun angekündigt, dass keine weiteren Spieler vom Schwarzen Kontinent mehr verpflichtet werden. Manchester United werde ebenfalls komplett auf Afrikaner verzichtet, sagte Nigerias Trainer Berti Vogts .

Auch 12 Bundesliga-Profis werden in Ghana gegen den Ball treten, wenn in Deutschland die Rückrunde beginnt. „Es ist ärgerlich“, sagte Hans Sarpei, doch es scheint das Schicksal Afrikas zu sein, immer in die Rolle des Problemkindes hineinzugeraten. Die Ghanaer wollen solche Gedanken nun wenigstens für die nächsten drei Wochen vergessen.

 
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