Rente Armut statt Ruhestand

Das Rentensystem kann gebrochene Berufsbiographien und Geringverdiener nicht auffangen, glaubt die OECD und fürchtet, dass in Zukunft Millionen Rentner von „Grundsicherung“ leben müssen.

In den kommenden Jahren könnte sich die Altersarmut in Deutschland dramatisch verschlimmern, fürchtet der Paritätische Wohlfahrtsverband. „Gerade vor dem Hintergrund sinkender gesetzlicher Rentenniveaus müssen wir davon ausgehen, dass es in Deutschland im Jahr 2020/2030 eine Altersarmut von zehn Prozent oder mehr geben wird“, sagte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider der Berliner Zeitung . Nach seinen Aussagen sind es derzeit 2,5 Prozent der Rentner, die von der sogenannten Grundsicherung leben müssen, da ihre Rente nicht ausreicht. Mit dieser Art Sozialhilfe wird lediglich das Existenzminimum finanziert.

Noch ist die Lage nach Ansicht der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) „solide“. Allerdings sei das deutsche Rentensystem nicht in der Lage, all die abzusichern, die in den kommenden Jahrzehnten Rente bekommen werden und aufgrund zeitweiser Arbeitslosigkeit oder geringer Einkommen weniger einzahlen konnten. Das System sei nicht ausreichend gegen Altersarmut gewappnet, sagte OECD-Rentenexpertin Monika Queisser der Frankfurter Rundschau .

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Heute sei die Armutsquote bei Rentnern zwar noch vergleichsweise niedrig; dies werde sich jedoch in 30 bis 40 Jahren ändern. „Darüber macht sich die OECD Sorgen“, sagte Queisser. Für diese Gruppe fehle «in Deutschland eine automatische Altersabsicherung».

Genau wie der Wohlfahrtsverband. „Der generelle Trend ist nicht aufzuhalten“, sagte Schneider. Er könnte allenfalls in seiner Intensität gemildert werden. „Die Renteneinkommen sind nun einmal das Resultat des Erwerbslebens. Und wenn die Erwerbsleben zunehmend Lücken und karge Jahre aufweisen, dann schlägt sich das bei der Altersabsicherung nieder.“

Schneider empfahl der Bundesregierung, diesem Trend entgegen zu wirken, in dem auf kleine Renten, auf Riester-Renten und andere Einkünfte ausreichende Freibeträge bei der Grundsicherung eingeräumt würden.

Die OECD schlug vor, sich am Vorbild der Schweiz zu orientieren. Das eidgenössische Drei-Säulen-Modell von staatlicher Sockelrente sowie einer Pflicht zur zusätzlichen betrieblichen und privaten Altersvorsorge habe den Vorteil, dass es alle Bürger nach ihrer Leistungsfähigkeit einbeziehe und die Abhängigkeit von sozialpflichtiger Beschäftigung vermindert werde, sagte Queisser. Aus Gründen des Eigentumsschutzes müsse der Systemwechsel jedoch in einem gleitenden Übergang von 30 bis 40 Jahren vollzogen werden.

Laut OECD liegt Deutschland liege bei den Renten für Geringverdiener unter den 30 OECD-Ländern an letzter Stelle. „Deutschland sollte der Rentenentwicklung für Geringverdiener besondere Aufmerksamkeit schenken und einem Anstieg der Altersarmut vorbeugen“, sagte Queisser.

 
Leser-Kommentare
  1. Die derzeitige Mindestlohnethik des deutschen Mittelstandes, unterstützt von der Union, der FDP und von  Wirtschaftsunternehmen und -verbänden bezahlten Professoren, führt ganz klar in die Armut. Und, Altersarmut hat schon in der Regel eine Vorgeschichte, Hartz IV bzw. ALG II. Hartz IV Empfägner dürfen dazu noch von den Job Centern und Sozialämtern schikaniert und kriminalisiert werden.  Das Vermögen der Kanzlerinnen-Freundinnen Fride Springer und Liz Mohn nimmt z.B. jedes Jahr zweistellig zu. Hoffentlich schmeckt der Tee, wenn die Damen sich treffen?

  2. Der Arbeitsmarkt für Geringqualifizierte in Deutschland wird immer kleiner, wie man am Beispiel Nokia sieht. Die Zahl der Arbeitskräfte, die in Arbeitsmärkten für Durchschnitts- oder gar Hochqualifizierte Arbeit keine Arbeit finden können wird immer größer. Mindestlöhne können nur eine begrenzte Wirkung entfalten, da kein Arbeitgeber verpflichtet ist, Arbeit zu Mindestlohnbedingungen anzubieten, erst recht nicht, wenn keine Leistungen nachgefragt werden. Produkte aus arbeitsintensiver Produktion können wegen des globalen Wettbewerbs ohnehin nicht zu wettbewerbsfähigen Preisen in Deutschland hergestellt werden, sollen sie auch nicht nach dem Willen der SPD, weil Deutschland nicht am Wettbewerb mit Niedriglohnländern teilnehmen will.
    Damit ergeben sich für die Politik drei Problembereiche in diesem Zusammenhang. Die Zahl der Arbeitslosen im Mindestlohnbereichs die unterstützt werden müssen wächst. Die Kriminalität unter perspektivlosen Jugendlichen, die nur im Niedriglohnbereich arbeiten könnten, steigt, da sie nur ein niedriges Einkommen haben und nichts Vernünftiges mit der üppigen Freizeit anzufangen weiss.
    Und nun erkennt man noch, dass diese Bevölkerungsgruppe keine Rentenansprüche erwirbt und damit auch im Rentenalter unterstützt werden muss.
    Gibt es irgendeinen Bereich in der Politik, der mehr Aufmerksamkeit bekommen sollte? Wo sind die neuen Konzepte?

  3. Studium bis 30, danach noch 5 Jahre als Praktikant und mit 55 gehört man schon zum alten Eisen. Die einst grosszügige Anrechnung von Ausbildungszeiten fällt auch weg. Das sieht für viele Hochqualifizierte auch nicht gerade rosa aus. Wer es in den zwei Jahrzehnten Arbeitszeit nicht schafft noch was zurückzulegen und wer nicht das Glück hat was zu erben, der kann sich dann auch im Alter als Bittsteller betätigen.

  4. mal einer erklären, was falsch am Sozialismus war?

  5. Ich greife Ihre Frage einmal im Bezug zum Begriff des reinen Kapitalismus auf, und hoffe diese damit richtig verstanden zu haben. Im Prinzip war am Sozialismus dasselbe falsch wie am Kapitalismus auch. Ein Teil der Gesellschaft schränkte andere Teile der Gesellschaft unterschiedlich stark ein. Je nach Nützlichkeit bekam der Großteil der Gesellschaft lediglich ein kleines Löffelchen Kuchen mehr oder weniger. Ein kleines Löffelchen Kuchens erreichte man hierbei nicht durch Entfaltung ethischer und gesamtgesellschftlich nützlicher Werte, sondern durch Einschränkung Anderer und Lakaientum zur Förderung des betreffenden Systems. Beide Systeme haben verschiedene Möglichkeiten entwickelt, den Großteil der Gesellschaft von der effektiven Teilnahme an der Gestaltung fernzuhalten. Zusätzlich war z.B. die DDR-Führung noch so blöd Aluminium auf dem Weltmarkt zu Dollarpreisen einzukaufen und die daraus hergestellten Töpfe beim Verkauf in die BRD zum offiziellen Wechselkurs verrechnen zu lassen. Unter Anderem eine direkte Folge des "Vergraulens" eines Großteiles der Krämerseelen, anstatt diese in einem beiderseitig nützlichem Rahmen in der Gesellschaft zu belassen. Im Vergleich zu ehemaligen Bewohnern des Ostblockes ist die persönliche Freiheit eines Geringverdieners oder HartzIV-Empfängers auch höchstens auf dem Papier größer. (Die relative Meinungsfreiheit sollte hierbei ausdrücklich gesondert betrachtet werden.) Das Ganze könnte man über die verschiedensten Punkte und Ihre Wechselwirkungen natürlich noch Jahre fortführen. Die schlußendlichen Gemeinsamkeiten jedoch überraschen immer wieder. Über Systeme, die für die Masse nicht funktionieren, sollte man aber eher im Rückblick Gedanken verlieren. Vielleicht fällt der Menschheit dann für die Zukunft auch einmal etwas Besseres ein. Als Grundlage sollte hierbei der Gedanke der Demokratie auf jedem Fall seinen Platz finden. (Demokratie und Kapitalismus sind übrigens nicht, wie häufig fälschlich angenommen, dasselbe.) Richtig angewendet gibt es auch heutzutage einige Beispiele wie dies weitesgehend funktionieren kann. Schlußendlich sind Kapitalismus und Sozialismus nur Ideologien, und Ideologien Einiger haben meines Wissens noch nie Allen genützt. 

  6. Zu obrigen Beitrag melde ich Widerspruch an.
    Kapitalismus ist keine Ideologie (Weltanschauung), sondern ein Wirtschaftssystem.  Zwar unterscheidet sich der Manchester-Kapitalismus und der Rheinische-Kapitalismus ( soziale Marktwirtschaft) aber die Basis bildet die Umwandlung von Geld zu Kapital.
    Der darausfolgende Fortschritt nutzt der Menschheit.

  7. Vielen Dank für Ihre Antwort. Per Definition haben Sie natürlich erst einmal recht. Aber schon bei einer Einzelbetrachtung der Begriffes Kapitalismus zum Begriff Marktwirtschaft läßt sich die Definierung des Kapitalismus als reines Wirtschafssystem nicht mehr aufrecht erhalten. Zumal die Begriffe auch in Forschung und Lehre unterschiedlich bewertet werden. Mit einer einfachen Grunddefinition kommt man hier meiner Meinung nach nicht weiter. Zudem wird der Kapitalismus allgemein akzeptiert auch als Lehre an sich bezeichnet, natürlich in unterschiedlichen Formen und Ausrichtungen. Meiner Meinung nach sind auch nicht alle Bestandteile des Kapitalismus aufgrund ihrer Existenz schon ablehnenswert. Aber; Die Beurteilung der Wertigkeit verschiedenster Ergebnisse des Kapitalismus wird nicht gesellschaftlich erarbeitet, sondern maßgeblich durch Vertreter der Lehre des Kapitalismus vorgegeben. Eine überdeutliche Deutungshoheit durch Einzelne ist hierbei wohl kaum zu bestreiten. Im Zusammenspiel mit der weiteren Durchdringung faktisch aller Lebensbereiche durch den Kapitalismus, mit der Deutungshoheit Einzelner, kann von einem Wirtschaftssystem nun wirklich nur noch auf dem Papier gesprochen werden. Spätestens wenn eindeutig negative (hier als Begriff allgemein anerkannte) Auswirkungen auf die Gesellschaft mit dem Hinweis auf Vorgaben der Lehre abgetan werden, ohne Folgen und Ergebnisse überhaupt noch zu betrachten, ist eine Bewertung als Ideologie wohl mehr als berechtigt. In Ihrem letzten Satz weisen Sie zudem auf Fortschritt an sich als direkte Folge des Kapitalismus hin und bewerten diesen allgemein als Nutzen der Menschheit. Bei genauer Betrachtung ist diese Aussage zumindest gewagt. Ich könnte zum Beispiel eher dem Satz "Der Kapitalismus hat zum Fortschritt der Menschheit beigetragen." zustimmen. Davon abgesehen daß allein der Begriff des Fortschrittes Bände füllen kann, ist spätestens der Nutzen differenziert zu betrachten. Dies vor Allem unter dem Gesichtspunkt, daß der Anteil des Kapitalismus am Fortschritt häufig eher unter Zwang zustande gekommen ist, und zwar von außerhalb der Lehre des Kapitalismus. Angeführt seien hier als Beispiele nur Raumfahrt und erneuerbare Energien. Im Ergebnis sind hier die Ergebnisse zwar auch besser als in anderen Lehren, aber eben nicht zwangsläufig. Und dies bereits ohne den Nutzen auf größere Teile der Menschheit zu reflektieren. Im Wesen auch hier ein deutliches Kennzeichen für Ideologien.Genau aus diesen Gründen bezeichne ich den Kapitalismus als Ideologie, und halte den Vergleich auf dieser Ebene mit anderen Ideologien, wie auch dem Sozialismus, für mehr als überfällig. Denn der Maßstab alles Handelns sollte niemals die unreflektiert Deutung einer einzelne Lehre sein, sondern deren Ergebnisse.

  8. Man sollte sich vielleicht zu Themen äußern, von denen man wirklich etwas versteht und die man beurteilen kann. Ansonsten hat man immer eine Brille mit einseitiger Sichtweise auf. Und 40 Jahre kalter Krieg gehen auch nicht spurlos an der Festplatte vorbei. Bei keinem.Zuerst zur Frage von Henne..: was war falsch am Sozialismus.Aus meiner Erfahrung war der sog. "real existierende Sozialismus" (ich nehme an um den geht es bei der Frage) nie ein echter, sondern ein verkrusteter linkskonservativer ("stalinistischer").Vor allem ist ihm über die Jahre die Flexibilität abhanden gekommen - er ist in den Strukturen erstarrt und hat sich damit selbst ad absurdum geführt. Das Ende waren Erscheinungen wie: wirtschaftliche Ineffizienz, Regulierungswut quer durch die gesamte Gesellschaft, Unterdrückung aller "Abweichler" und andere - mit den bekannten Konsequenzen.Die Reduzierung auf Ideologie, offene Parteidiktatur, sinnlos umfassende Planwirtschaft und die Schangen vor den Supermärkten (oder ähnliche unbestrittene Fakten) ist dann auch "etwas zu kurz gesprungen". Es gab auch viele "brauchbare" Dinge, wie soziale Sicherheit, öffentliche Sicherheit, Familienfreundlichkeit, gute Bildungschancen für alle und andere. Zugegeben, vieles davon war nicht perfekt - aber was ist schon perfekt.(Bitte mir nicht gleich wieder "Verherrlichung" unterstellen - ich schaue hier auch mal ganz bewußt durch die "einseitige Brille").Was es aber nicht gab, das waren Arbeitslose (die saßen in den Betrieben, daher auch die deutlich geringere Arbeitsproduktivität - was ist besser/sozialer?), das waren Obdachlose (dafür gab es welche, die jahrelang nicht mal die niedrigen staatlich gestützten Mieten gezahlt haben, aber ein "besseres" Auto fuhren), das waren so hohe Raten an Kindesmißhandlungen, "Familiendramen", Rauschgift- und anderer Kriminalität.Klar, mag man sagen, das ist halt der Preis der Freiheit. So what.Und eine echte Wahl ob man/frau hier oder dort leben wollte, hatte im sog. RES kaum einer (Ausnahmen wie Manfred Krug bestätigen diese Regel). Wahr und unbestritten.Es soll auch hier keine rückwärtsgerichtete Besserwisser-Diskussion anfangen. Der RES ist untergegangen - wohl nicht zu Unrecht.Ich wollte nur mal ein paar Fakten in die Debatte werfen, die landläufig oft einfach nicht bekannt sind.Und daß der "kalte Krieg" Mitteleuropa die längste Zeit ohne großen heißen Krieg in den letzten 2 Jahrhunderten beschert hat, darf wohl als bekannt vorausgesetzt werden. Insofern hat auch der RES einen Beitrag zum Menschheitsfortschritt geleistet, und ein markantes Beispiel beigesteuert, wie es nicht geht.Ansonsten, Stein..., stimme ich mit den meisten deiner Argumente durchaus überein.

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