Ausstellung Sonderzüge in den TodSeite 2/2
Wer sich trotz der unspektakulären Aufmachung von den Stellwänden anlocken lässt, kann durchaus einige Details über das Zusammenspiel von Bahn und nationalsozialistischer Vernichtungsplanung erfahren, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Da ist zum Beispiel das Schreiben von Heinrich Himmlers persönlichen Adjutanten Karl Wolff an den lieben Parteigenossen, den Stellvertretenden Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn, Staatssekretär Albert Ganzenmüller. Mit besonderer Freude habe ich von Ihrer Mitteilung Kenntnis genommen, dass nun schon seit 14 Tagen täglich ein Zug mit je 5000 Angehörigen des auserwählten Volkes nach Treblinka fährt und wir doch auf diese Weise in die Lage versetzt sind, diese Bevölkerungsbewegungen in einem beschleunigten Tempo durchzuführen, heißt es da in nicht zu überbietendem Zynismus.
Die brutalen Fakten und Verwaltungsabläufe ergänzt die Ausstellung häufig um das persönliche Schicksal einzelner Deportierter. So schauen den Besucher von einem Foto zwei ordentlich gekämmte Jungs mit Segelohren entgegen. Der eine ist die spätere Unterhaltungslegende Hans Rosenthal, der kleinere, zarte mit dem schüchternen Lächeln ist sein Bruder Gert. Im Gegensatz zu Hans wurde Gert 1942 nach Riga transportiert und dort gemeinsam mit 959 anderen Menschen in den umliegenden Wäldern erschossen.
Überhaupt reiht sich in dieser Ausstellung Kinderbild an Kinderbild. Lachend blicken Jungen und Mädchen dem Betrachter entgegen, mal lässig auf ein Sofa hingestreckt, mal im Urlaub unter Palmen. Daneben kurze Angaben zum Lebenslauf, die alle nur eines gemeinsam haben: Sie enden in Auschwitz.
Wenn die Ausstellung nun weiter geht zunächst nach Halle, dann nach Münster und Schwerin so wie in weitere Städte wird sie nicht immer dieselbe sein. In jeder Stadt werden andere, eben die jeweiligen Orte der Deportation thematisiert, wird es um die Schicksale der dortigen Einwohner gehen.
Obwohl die Ausstellung als solche also recht gelungen erscheint, hat man doch das Gefühl, die Bahn könnte gleich die nächste in Auftrag geben. Denn wenn hier vor allem der Opfer gedacht wird, so erfahren wir doch so gut wie nichts über die Täter. Solange diese hinter Verwaltungsvorgängen verschwinden, werden wir wohl nie verstehen, wie ein gut funktionierender Konzern zum Instrument des Massenmords werden konnte. Auch das Überdauern vieler Reichsbahnfunktionäre bis in die Jahre der Bundesrepublik hinein bleibt vollständig unbeleuchtet. Das ehrende Gedenken, das die Bahn ihrem ehemaligen Reichsverkehrsminister und Generaldirektor Julius Dorpmüller beispielsweise bis vor wenigen Jahren zollte, verdiente im Hinblick auf die Ausstellung durchaus mal einer selbstkritischen Betrachtung.
Parallel zu der jetzigen Ausstellung ist auf deutschen Gleisen übrigens noch ein "Zug der Erinnerung" unterwegs. Auch in ihm wird der Deportierten gedacht. Auf die Gleise gesetzt wurde er allerdings nicht von der Bahn, sondern von jenem Teil der ursprünglichen Initiatoren, mit denen die Bahn lieber nicht zusammenarbeiten wollte. Das Interesse an diesem Zug ist nach Angaben der Initiative enorm. Bereits 60.000 Menschen haben die seit zwei Monaten laufende Ausstellung gesehen. So zeigt sich, dass das Konzept, mit solchen Projekten eine alltagsnahe Öffentlichkeit zu suchen, richtig ist. Allerdings verlangt die Bahn von dem "Zug der Erinnerung", für den teilweise Schüler die Recherche übernommen haben, Gebühren für die Nutzung ihrer Bahnhöfe und Gleise. Dabei wäre dies doch eine gute Gelegenheit für die Bahn gewesen, sich einmal unbürokratisch zu zeigen, und die wenig schmeichelhafte Vorgeschichte der eigenen Ausstellung vergessen zu machen.
- Datum 24.01.2008 - 12:24 Uhr
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- Quelle ZEIT online
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Mit allem Respekt vor den Opfern... die Würde der Erinnerung darf nicht angetastet werden... die Verurteilung der Taten darf nicht geschmälert werden... durch nichts!Nur bitte, wer von den "Eisenbahnern" war damals war in der Lage einen befohlenen Transport zu verweigern? Hätte ein Lokführer dem "Gröfaz" und/oder dessen Schergen die Stirn bieten können/sollen wie aktuell Herrn Mehdorn?Jemand der mit dieser Bosheit und Gottlosigkeit erfüllt ist... der überwindet auch diesen Widerstand... ebenso hemmungslos und brutal wie an anderer Stelle.Wir dürfen nicht den Wissenstand von heute... unsere Scham... auf die abhängigen Menschen von damals übertragen. Damit würde und wird die Schuld nicht geringer... auch nicht die Pflicht davon zu sagen! Oder?
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