Anbieter wollen Preise erhöhen

Zuerst war die Hoffnung. In den ver­gangenen zwölf Monaten sind die Gaspreise um rund 3,4 Prozent gesunken. Eine Familie mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden (kWh) zahlte Anfang 2007 im Schnitt 1355 Euro für den günstigsten Tarif des lokalen Versorgers. Anfang 2008 sind es knapp 50 Euro we­niger, rechnet das Informationsportal für Strom, Gas- und Telekommunikations­tarife Verivox vor. Drei Viertel der über 700 ­beobachteten Versorger hätten 2007 die Gaspreise gesenkt, berichtet Verivox. Doch die Hoffnung hat nicht lange gehalten. Im Jahr 2008 werden die Anbieter für ihre Gaslieferung wieder deutlich mehr verlangen. Der Gaspreis wird in Deutschland auf der Grundlage des Ölpreises ­berechnet, und der ist stark gestiegen.

Preisspanne ist groß

Zum Jahreswechsel erhöhten laut Verivox bereits 250 lokale Versorger die Preise um durchschnittlich 5,8 Prozent. Das ­kostet die Beispielfamilie etwa 74 Euro. Hinter den Durchschnittswerten verbergen sich große Preisspannen. Wer teures Gas bezieht, sollte prüfen, ob er den Anbieter wechseln kann. Das ist noch nicht flächendeckend möglich. Im Vorteil sind oft die Bewohner von Großstädten. Bundesweit liefert nur „E wie einfach“ Gas an Privatkunden. Die Eon-Tochter bleibt jeweils 0,24 Cent/kWh unter dem allgemeinen kWh-Preis des örtlichen Grundversorgers. Der allgemeine Tarif ist aber meist nicht der günstigste Tarif des örtlichen Grundversorgers. Verbraucher sollten deshalb nach Sondertarifen fragen und sie in den Preisvergleich einbeziehen.

Chance durch Wechsel

Oft bringt auch der Wechsel zu einem ­benachbarten Stadtwerk eine Ersparnis. Im Dezember konnte ein Gaskunde, der von den Stadtwerken Weißwasser (Nordostsachsen) zu den gut 70 Kilometer entfernten Stadtwerken Finsterwalde (Südostbrandenburg) wechselte, knapp 300 Euro pro Jahr sparen. Ergebnisse kompakt zeigt die Anbieter, die Gaslieferungen über ihr Grundversorgungsgebiet hinaus anbieten. 2008 werden weitere Gaslieferanten ihr Gebiet ausweiten, ­sodass mehr Kunden wechseln können.

Protest gegen Preiserhöhung

Der Bund der Energieverbraucher und Verbraucherzentralen wie die in Hamburg und Bremen halten die meisten Preiserhöhungen in der Vergangenheit und auch die für 2008 angekündigten für zu hoch. ­Gegen solche „unbilligen“ Preissteigerungen können sich auch Kunden wehren, die den Anbieter nicht wechseln. Sie können die Gasrechnung unter Vorbehalt zahlen oder den Rechnungsbetrag sogar kürzen. Dieser Weg ist allerdings nur etwas für Hartgesottene und für Verbraucher mit einer Rechtsschutzversicherung im Rücken. Sie sollten sich in einer Verbraucherzentrale beraten lassen. Adressen und Öffnungszeiten gibt es unter www.verbraucherzentrale.de .

Im schlimmsten Fall verklagt der Versorger diese Verbraucher. Das ist bisher aber kaum passiert, denn in einem Prozess muss der Anbieter seine Preiskalkulation offenlegen. Das wollen die meisten nicht.