Gazastreifen Der Preis der Belagerung

Mehrere Tausend Palästinenser haben die Grenze zu Ägypten gestürmt, bewaffnete Gruppen sprengten zwei Drittel der Sperranlage. Israel spricht trotzdem von einem Erfolg seiner Blockade

Zu Zehntausenden sind Palästinenser am frühen Mittwochmorgen aus dem Gazastreifen nach Ägypten geströmt. Bewaffnete Männer hatten zuvor Dutzende Löcher in die Grenzmauer geschossen und den seit Juni vergangenen Jahres geschlossenen Grenzposten gestürmt. 60 Menschen wurden bei den Tumulten verletzt. Sie wollen in Ägypten Nahrungsmittel kaufen, Öl, Medikamente - all dies ist knapp geworden, seitdem Israel den Gazastreifen am vergangenen Freitag abgeriegelt hat.

Laut einem Bericht der israelischen Tageszeitung Haaretz sind später am Morgen insgesamt 17 Bomben explodiert, die beinahe zwei Drittel des Grenzzauns zerstört haben. Ein Zeichen für die prekäre Sicherheitssituation ist die Tatsache, dass sowohl Ägypten, sichtlich um Deeskalation bemüht, nichts gegen die Grenzübertritte unternommen und die Menschen hat gewähren lassen - obwohl die ägyptische Behörde die Grenze seit Juni vergangenen Jahres geschlossen hält. Ägypten fürchtet, wie auch die arabischen Nachbarn Israels Unruhen und politische Instabilität im eigenen Land aufgrund der politischen Sprengkraft des Israel-Palästina-Konflikts. Für die Menschen in den angrenzenden Ländern hat dieser Konflikt nach wie vor eine extrem hohe politische und soziale Priorität, auf ihn wird vor allem die empfundene politische Doppelmoral des Westens projiziert.

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Auch vor diesem Hintergrund ist die neue Einmischung von Ägyptens Präsident Hosni Mubarak, der in den vergangenen Jahren in diesem Konflikt eher zurückhaltend geblieben war, zu verstehen. Er hat Israel am Dienstag aufgefordert, die Grenzen für eine Notfallversorgung zu öffnen. Zwar berichtet Haaretz über die Ankündigung israelischer Sicherheitskräfte, die Grenzen zum Gazastreifen permanent geschlossen zu halten. Dennoch ist eine leichte Änderung der Politik ob des internationalen Drucks dennoch zu erkennen. Israel hat am Dienstag eine Sonderlieferung mit Treibstoff und Medikamenten in den abgeriegelten Gazastreifen passieren lassen.

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