Gerechte Löhne Lautloser ArbeitskampfSeite 2/2
So schwach die Gewerkschaft ist, so existenziell ist das, was die Branche noch immer umtreibt: Dutzende Schreckensnachrichten aus dem Einzelhandel füllen Gerichtsakten, Zeitungsartikel und Internetforen. Von Kassiererinnen, die per Computer überwacht werden und sich vor der Kündigung fürchten müssen, falls sie einen gewissen Takt an Buchungen unterschreiten. Von unbezahlter Mehrarbeit. Von ständig laufenden Fernsehern und Jingles, die in Filialen laufen und die Mitarbeiter bis in die Träume verfolgen.
Doch es geht auch um Geld - und das ist in der Branche denkbar knapp. In den vergangenen sechs Jahren wuchsen die Umsätze der Branche nach Angaben des HDE lediglich um 2,5 Prozent. "Es gibt kaum Verteilungsspielräume", sagt Jöries vom HDE. Zudem fordern die Konsumenten gerade im Lebensmittelbereich immer billigere Produkte. Deutschland, so fand eine Studie von AC Nielsen bereits vor Jahren heraus, ist für Lebensmittel „das billigste Land in Europa“. Davon hatten zuletzt die Discounter wie Aldi und Lidl profitiert. Nun aber wächst die Konkurrenz durch normale Supermarktketten, die begonnen haben, das Discount-Prinzip zu kopieren.
Der deutsche Markt aber ist weitgehend gesättigt. Viele Ketten versuchen deshalb mit immer größeren Flächen und noch billigeren Preisen die Kunden der Konkurrenz zu erobern. Darunter haben vor allem die mittelständischen Betriebe zu leiden, die dem Kostendruck nicht standhalten und verschwinden. Durch die Formel „billige Ware, billige Preise“ entsteht ein gewaltiger Rationalisierungsdruck auf die Mitarbeiter. Für den HDE ein Argument, die Tarifabschlüsse in einem gemäßigten Rahmen zu halten. Nur so ließe sich die Tarifflucht und die zunehmende Leiharbeit im Einzelhandel eindämmen. Andernfalls würden sich immer mehr Unternehmen aus der Tarifwelt verabschieden.
Eine Lösung des Tarifkonflikts ist voerst nicht in Sicht. Ver.di-Mann Wolff gibt sich derweil kämpferisch: "Die Leute beginnen sich zu wehren." Er hofft darauf, dass die Streiks langfristig Wirkung zeigen werden. Dass die Auseinandersetzung in den kommenden Monaten nichts an Härte einbüßen werden, weiß jedoch auch er. In seinen 20 Jahren bei ver.di hat Wolff schon einige Tarifkonflikte durchgemacht. So kühl wie derzeit sei es jedoch fast noch nie zugangen, sagt er. „Die Stimmung ist mittlerweile ziemlich eisig“.
- Datum 22.01.2008 - 03:31 Uhr
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Fast kein Job in unserem Land ist so undankbar wie der der Verkäuferin/des Verkäufers im Einzelhandel. Nicht nur ist das Gehalt relativ schlecht, die Arbeitszeiten immer länger und der Druck seitens der Handelsunternehmen immer höher - nein, auch die Kunden sind eine Belastung. Alles muss da sein, sofort sein, billig sein...und wehe wenn dieses nicht umgehend in devoter Super-Freundlichkeit erledigt wird. Wer schon einmal in einem Handelsbetrieb gearbeitet hat weiss, wovon ich rede: Nicht einmal der schlimmste Brutalo-Chef kann einen so intensiv anschreien wie ein frustrierter Kunde. Von Solidarität aufgrund der grauenhaften Arbeitsbedingugen keine Spur. Scheinbar ergeben sich viele lieber im Konsumrausch als über die wahren Ursachen der Mißstände in unserem Land nachzudenken. Zu schade, dass die Gewerkschaft nicht die Courage gefunden hat, das Weihnachtsgeschäft massiv zu bestreiken. Flächendeckend. DAS wäre mal was gewesen!
Der Missstand der schlechten Arbeitsbedingungen wird sich wohl bald erledigt haben, denn langfristig wird der Beruf des Verkäufers/der Verkäuferin größtenteils durch automatische Kassen ersetzt werden. RFID-Chips machen es möglich. Dann fährt man nur noch mit seinem Einkaufswagen durch einen Scanner, zieht schnell seine Kreditkarte durch das Lesegerät und schon ist der Einkauf beendet. Sehr kundenfreundlich. Keine langen Schlangen mehr an den Kassen und die Ware muss auch nicht mehr aufs Band gelegt werden. Zusätzlich sparen die Unternehmen sogar wieder Geld, sodass vielleicht sogar die Produkte günstiger werden. Der Haken ist dann nur: Wohin mit den arbeitslosen Verkäuferinnen und Verkäufern?
____________________________________________________________ Mitleid gibt es umsonst, Neid muss man sich verdienen.
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