Hessen Warum es eng wird
Roland Koch bangt um seine Wiederwahl. Auch weil frühere Unterstützer von ihm abrücken. Sieben Beispiele
Wechselwählerin
Zum ersten Mal in ihrem Leben besucht Osmonde Brehme eine Veranstaltung der SPD. Sie ist 64 Jahre alt, Krankengymnastin und in der evangelischen Kirchengemeinde von Mühlheim am Main engagiert. Bislang hat sie meistens CDU gewählt, sagt sie. Aber damit soll nun Schluss sein, weil sie Koch einfach „nicht mehr ausstehen“ könne. Dessen Wahlkampf-Kampagne „gegen die Ausländer-Kinder“ empfindet sie als Christin als „abstoßend“. Brehme hat kurze Haare und wache Augen. Sie ist ganz allein in das Mühlheimer Wirtshaus „Rote Warte“ gekommen. Ihr Mann, ein Lederfabrikant, wollte sich zwischen lauter Sozis nicht sehen lassen. Außerdem hält er nicht viel von Andrea Ypsilanti. Da habe er leider recht, sagt Frau Brehme, als die SPD-Spitzenkandidatin die Bühne verlässt: „Richtig überzeugend ist sie nicht.“
Migranten
„Wir mobilisieren alle türkisch-stämmigen Wähler – und rufen zur Abwahl der CDU auf.“ Eigentlich ist Kenan Kolat, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland, ein gelassener, durchaus konservativer Mann. Spricht man ihn aber auf Koch an, verengen sich seine Augen zu Zornesschlitzen. Wie 100 andere Migrantenorganisationen wirft Kolat Koch vor, Vorurteile zu schüren. Der CDU-Politiker verbreite "rassistische Ressentiments" und vergifte das Klima. Dabei waren die türkischen Verbände und Gemeinden in Frankfurt oder dem Rhein-Main-Gebiet bis vor wenigen Wochen gar nicht unbedingt gegen Koch. Als Ministerpräsident hat der sich ja schließlich für kostenlose Sprach- und Integrationskurse eingesetzt. Auch sein autoritärer Duktus in der Innenpolitik und seine liberale Wirtschaftspolitik kamen bei vielen Migrantenorganisationen gar nicht schlecht an. Nun aber gilt er in der türkischen Gemeinde als "politischer Brandstifter".
Lehrer, Schüler, Eltern
Mit dem Philologenverband hat es sich die CDU ebenfalls verscherzt. An sich versteht sich die Lehrerorganisation als „traditionell liberal-konservativ". Dennoch war sie in den vergangenen Monaten eine der Hauptsprachrohre des Protests gegen die überhastete Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Schuljahre (G8), mit der die CDU-Regierung die eigenen bürgerlichen Anhänger gegen sich aufgebracht hat.
Knud Dittmann ist Direktor eines Gymnasiums in Dreieich und Vorsitzender des Hessischen Philologenverbandes. Zwischen zwei Schulstunden schimpft er leidenschaftlich auf Kultusministerin Wolf. "In der derzeitigen Form sind Lehrer und Schüler überlastet", sagt er, die Arbeitszeit werde ständig erhöht, die materiellen Rahmenbedingungen würden dagegen verknappt, die Qualität leide darunter.
Auch weil die CDU-Regierung sich völlig zu Unrecht ihrer schulpolitischen Leistungen rühme, haben sich die Philologen mit den – tendenziell linken – Schülervertretungen und dem Landeselternbeirat zusammengeschlossen, geben Pressekonferenzen und mobilisieren auf den Schulhöfen und Elternabenden. Allerdings, räumt Dittmann ein, habe sein Verband auch Probleme mit dem Bildungskonzept der hessischen SPD. Deren angestrebtes „Haus der Bildung“, eine ganztägige Gemeinschaftsschule, lehnen die Philologen ebenfalls ab.
Flughafen-Nachbarn
Unbeliebt gemacht hat sich Kochs Regierung auch bei den Kelsterbachern, Rüsselsheimern und Offenbachern. Im Dezember genehmigte Kochs Wirtschaftsminister den Planfeststellungsantrag der Fraport AG zur Erweiterung des Frankfurter Flughafens. Mit dieser Genehmigung wurde auch das Nachtflugverbot hinfällig, für das sich auch die CDU stets eingesetzt hatte. Künftig sind 17 Flüge pro Nacht erlaubt. Das erzürnt nicht nur die Bewohner der umliegenden Orte. Sie werden alle von der SPD regiert und haben angekündigt, gegen die Ausnahmen vom Nachtflugverbot gerichtlich vorzugehen. Auch CDU-Provinzfürsten, etwa Andrea Litzenburger, Kreisvorsitzende aus Mainz, machen gewaltig Stimmung gegen den Flughafen-Ausbau. Sie hat sich auf die Seite der Bürgerinitiativen und Naturschützer gestellt und will ebenfalls klagen.
- Datum 24.01.2008 - 12:45 Uhr
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es bricht einem das herz. zwei leere stühle in einem schlecht ausgeleuchteten raum. ein schild, zurück gelassen, ein name, ein ausrufezeichen! die welt wird enden. auch wenn am sonntag wahl ist. aber vorher wird die welt enden.warum? weil sie unappetitlich ist.
et pereat mundi. Vermutlich beehrt er uns demnächst als Bundesminister oder Fallschirmspringer. Schaun mer mal wie tief der arge Schnitter am Wochenende die Sichel ansetzt.Gruß, Allons!
Die Dame mit dem ersten Kommentar trifft den Ngel auf den Kopf. Koch ist einfach der mit Abstand unsympathischste Politiker, den die Union hat.Hoffentlich landet der verlogene brutalstmögliche Aufklärer nicht dann noch mit einem guten Posten in Berlin.
Einem Ondit zufolge wird wohl hinter den Kulissenschon gesammelt. Für eine Gedenktafel. Wo?Im Bahnhof Rolandseck!Der Bahnhof in der Nähe Remagens war die Endstation einer Privatbahn. Jetzt könnte er das Ende einer politischen Laufbahn symbolisieren...
"Und SPD, Grüne und Linkspartei propagieren, bei allen inhaltlichen Differenzen, als ihr wichtigstes gemeinsames Wahlziel: „Koch muss weg".Tolles Programm!
Da braucht man keine großen Programme. Schlecht ist immer noch besser als ganz, ganz schlecht.Bei aller programmatischen Ideologie, das politische Handwerk zählt. Würden Sie zu einem Zahnarzt mit Vorschlaghammer als Narkosemittel gehen?Sehen Sie, so ist die Wahl in Hessen sehr einfach. Nur intelligente CDU-Mitglieder können einem sehr Leid tun.GrußBernhard
"Koch muss weg!" ist doch eigentlich genug Wahlkampf für Hessen. Hauptsache Koch ist weg!
....Braucht Ihr ein neues Feindbild an dem Ihr Euch aufgeilen könnt.
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