Die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) drohte Nokia am Freitag bei einem Besuch in Bochum damit, diese Summe an Beihilfen des Landes zurückzufordern, falls das Werk geschlossen werde. Die Subventionen seien an die Zusage gebunden gewesen, dass dort 2800 Menschen beschäftigt würden.

Nokia-Deutschlandschef Klaus Goll hatte bestätigt, dass die Hilfen unter anderem an die Bedingung geknüpft gewesen seien, Arbeitsplätze zu schaffen. Diese hätten aber nur bis September 2006 erhalten werden müssen.

Der Entschluss des Nokia-Managements, den Standort Bochum zu schließen, sorgt weiter für eine hitzige Debatte. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück warf Nokia vor, die gesellschaftliche Stabilität zu gefährden. "Das ist ein Ausdruck eines Karawanenkapitalismus", sagte der SPD-Politiker im Deutschlandfunk. "Die Menschen verlieren Vertrauen und das ist eminent gefährlich."

Nokia hatte in dieser Woche überraschend die Schließung des Werks mit nach Konzernangaben rund 2300 fest angestellten Mitarbeitern zur Jahresmitte bekannt gegeben. Der Konzern will aus Kostengründen die Produktion vor allem nach Rumänien, aber auch Ungarn und Finnland verlagern. Noch in dieser Woche sollen Gespräche zwischen Politik und der finnischen Konzernführung laufen. "Die Gespräche mit Nokia werden sehr zeitnah stattfinden. Vertreter der Bundesregierung und ich selbst werden daran teilnehmen", kündigte Thoben an.

Steinbrück sagte jedoch, den Beschäftigten sollten nicht allzu große Hoffnungen gemacht werden, dass die Entscheidung noch revidiert werden könne. "Ich glaube, man sollte da keine falschen Hoffnungen entstehen lassen. Da sind die Entscheidungen offenbar in Finnland getroffen worden."

Der Finanzminister kritisierte es als nicht überzeugend und langfristig schädlich, wenn ein Unternehmen mit einem Lohnkostenanteil von unter fünf Prozent und einer Gewinnmarge von 15 Prozent Menschen die Existenz raube, nur um noch höhere Renditeziele zu erreichen. Einen Ansatzpunkt für ein Vorgehen gegen Nokia sehe er in der Frage, ob Nokia Arbeitsplatzauflagen in Bochum nachgekommen sei, zu denen der Konzern sich im Zuge des Erhalts von Subventionen verpflichtet hatte.