Nokia Stille im Revier
Der Abgang von Nokia trifft die frühere Montanstadt Bochum hart – und wirft die Frage auf, was Subventionen für Unternehmen heute noch bringen
Heinz-Martin Dirks weilte in Düsseldorf, als die Globalisierung Bochum ein Stück näher rückte. Per Telefon erfuhr er, was er bis jetzt noch nicht ganz glauben kann: Der Handykonzern Nokia, zweitgrößter Arbeitgeber in der Stadt, wird sein Bochumer Werk schließen und die Produktion nach Rumänien und in andere Länder verlagern. „Wie ein Hammer“ habe ihn die Nachricht getroffen, sagt Dirks. Und immer wieder fügt er hinzu: „Das kann nicht sein.“
Dirks leitet die Bochumer Wirtschaftsförderung. Oft hat er mit am Tisch gesessen, wenn mit den Finnen verhandelt wurde, zuletzt im Dezember. Damals habe man noch Gespräche geführt über weitere Investitionen am Standort Bochum, über neue Arbeitsplätze und darüber, wie die Stadt dabei helfen könne. Schon im Januar wollte man sich wieder treffen, sagt Dirks. Nun wird es dazu nicht mehr kommen.
Die Enttäuschung ist zu spüren, wenn Dirks von den Anstrengungen berichtet, um dem Handykonzern das Geschäft in Bochum zu erleichtern. Rund um die Uhr war ein Mitarbeiter ansprechbar für den finnischen Konzern. Die Stadt baute eine Zufahrtsstraße zum Nokia-Werk, besorgte dem Unternehmen Grundstücke und setzte den „Nokianern“, wie Dirks sie noch immer liebevoll nennt, sogar eine eigene Bahnstation hin. Dazu zahlten Bund und Land seit 1995 rund 88 Millionen Euro an Subventionen, damit Nokia in Bochum investierte. „Man kann einem Unternehmen nicht mehr Gutes tun, als dass was wir gemacht haben“, sagt er.
Dirks wirkt ratlos. Er hat die Begründungen für die Entscheidung des Konzerns gehört und kann sie nicht verstehen. „Die argumentieren mit den Lohnkosten“, sagt er, „ dabei machen die weniger als fünf Prozent der Produktionskosten aus“. Zudem arbeite das Werk in Bochum profitabel, es ist ein „tiefschwarzes“ Werk, wie Dirks es nennt. Dass ein Unternehmen schließt, weil es schlecht läuft, das hat Dirks schon oft erlebt. Aber dass ein profitables Unternehmen abwandert, will ihm nicht in den Kopf. „Das ist menschlich enttäuschend.“
Die geplante Schließung ist ein gewaltiger Rückschlag für die Stadt mit ihren 370.000 Einwohnern. Der Handyhersteller war einer der wichtigsten Arbeitgeber am Ort, zeitweise waren hier über 3000 Menschen beschäftigt, als Ingenieure, Techniker und Monteure. Nokia stand für den Strukturwandel der Ruhrgebietsstadt, die seit Jahren versucht, mit der wirtschaftlichen Entwicklung Schritt zu halten und sich wirtschaftlich neu zu positionieren. „Nokia war ein Modellfall“, sagt der Chef der Bochumer Industrie- und Handelskammer, Tillmann Neinhaus. Der Konzern montierte nicht nur in Bochum seine Handys, sondern unterhielt auch ein großes Forschungszentrum. Die Ansiedlung galt als Paradebeispiel dafür, dass die Stadt den Sprung in die Moderne geschafft hatte; der Handykonzern stand für sichere und saubere Arbeitsplätze jenseits von Stahl und Kohle.
Nun sind diese Hoffnungen geplatzt – und die Stadt steht vor einem ernsten Problem. Viele der rund 2300 betroffenen Mitarbeiter, schätzt Neinhaus von der IHK Bochum, werden mittel- bis langfristig keinen Job finden. Darüber hinaus sind zahlreiche Zulieferer betroffen, auch hier stehen Stellen auf dem Spiel. Zwar will die Stadt noch einmal mit Nokia verhandeln – dort aber zeigt man sich kompromisslos.
Gleichzeitig mehren sich die Fragen: War es richtig, das Unternehmen über Jahre derart zu hofieren? Waren die Subventionen berechtigt, die Bund und Länder dem Unternehmen zahlten, wenn das jetzt so schnell Reißaus nimmt? Immerhin rund zehn Millionen Euro hat auch die Stadt Bochum nach Schätzungen des NRW-Wirtschaftsministeriums an direkten und indirekten Mitteln an Nokia gezahlt. Keine geringe Summe für eine Stadt, die derzeit 881 Millionen Euro Schulden drücken.
- Datum 18.01.2008 - 03:04 Uhr
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Unmittelbare Subentionen gleichen Geschenken. Daß sich auch Nokia als Beschenkter über die Gelder freute, ist nachvollziehbar. Ebenso ist nachvollziehbar, daß die Geber Erwartungen an das Geschenk anknüpften. Nur sollte jedem klar sein, daß Geschenke meist nur beim Empfänger Freude auslöst. Bei der Bewilligung der Subventionen wurde möglicherweise nicht erkannt, daß es sich bei Nokia eventuell um einen Sozialschmarotzer handelt, der nun weiter zieht, um weitere Subventionen zu sammeln.Lustig wirds natürlich, wenn Rumänien nun Subventionen versprochen hat, die letztendlich über EU dann doch wieder von Deutschland kommen.Wohl bekomms.
bei 88 Mio. Subventionen - das hätte man billiger haben können, glaube ich...
Meine sehr geehrten Damen und Herren.
Der Wirtschaftstandort Deutschland muss sich hinterfragen, ob er für Ausländische unternehmen attraktiv ist? In Deutschland gibt es Debatten über das Strafrecht, wobei unterschieden wird, zwischen Inländer und Ausländer. (Vor dem Gesetz sind alle Gleich) Jedoch gibt es Politiker die vom Volk in Deutschland gewählt werden, die Konkret Ausländerfeindlich sind. (Roland Koch) Natürlich besteht kein Zusammenhang mit dem Ausländischen Unternehmen Nokia und der Ausländerfeindlichkeit in Deutschland, auch wenn Politiker jetzt empfehlen das Finnische Unternehmen, konkret die Nokia Handys zu entsorgen.
Deutschland muss sich vor Augenhalten, das Motorola, Volvo Ferrero, Barilla, Ferrari Ausländer sind...
gez
Freiherr Antonio von SALIS
Auch wenn es keine direkte Subventionierung für Nokia in RO gibt, so hätte dieses arme Land dieser Firma niemals akzeptable Bedingungen bieten können, wären da nicht Mittel aus Brüssel in üppiger Form geflossen, die anderswo Mittel zur Anwerbung internationaler Firmen freisetzten.
Wo sind denn jetzt all die Claqueure, die bei jeder Verlautbarung über die 'segensreiche' EU in Jubel ausbrechen. Die Schließung von Werken in der 'alten' EU und deren Abwanderung nach Osten ist eine systemimmanente Notwendigkeit der EU in ihrer derzeitigen Konzeption, die unsere jubelnden Politiker uns Fußvolk (wir sind ja nicht einmal 'Stimmvieh', da die wirklich wichtigen Fragen [Euro-Einführung, Osterweiterung, etc.] ja ohne Konsultation des Souveräns entschieden werden) natürlich nicht so gerne mitteilen. Eine ähnlich - unerfreuliche - Situation ist in Bezug auf die 'Schengenerweiterung' zu vermelden. Auch hier hat der Mißbrauch in Form illegaler Grenzübertritte dramatisch zugenommen. Dies erfährt man aber nur, wenn man österreichische oder (wers kann) polnische Medien konsultiert, denn für die einheimische Presse gilt die - längst überfällige, schonungslose - Darstellung der Zumutungen Brüssels an die Bevölkerung offenbar als Tabu und 'politisch unkorrekt'.
Mein Mitgefühl gehört allen jetzt ausgestellten Mitarbeitern des Bochumer Werkes
Ich denke auch, dass das ganze SYSTEM EU, wie es in der jetzigen Form arbeitet, vollkommen überdacht werden muss.
Es sieht doch so aus, dass die ganze EU-Bürokratie wie ein Moloch nur daran arbeitet, sich selber zu vergrößern. Und das geht am besten, wenn man immer noch mehr Länder eingliedert. Das bringt dann noch mehr Posten für Verheugen (et.al) und seine Verwandten und Bekannten. (Geliebte). Ist in der ganzen EU-Verwaltung weit verbreitet, Bekannte irgendwie zu beschäftigen.
Mit unseren EU-Beiträgen werden dann Arbeitsplätze ausgelagert, und vor allem einer immer größer werdenden Billiglohn-Konkurenz ausgeliefert.
Macht endlich Schluss mit dem EU-Wahnsinn. Ein Kern von ein paar EU-Ländern mit ähnlichen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen wie am Anfang. Das reicht völlig aus.
Und dann - Abbau der EU-Bürokratie, statt immer mehr.
Nachtrag:
Ich glaube es wäre an der Zeit, dass mal eine Partei auf den Plan tritt, die eine Verkleinerung der EU formuliert und vor allem einen Abbau der EU-Bürokratie.
Das ist doch ganz normal das Unternehmen ihr Gewinne maximieren!!
Und: die 2. Silbe des Wortes Unternehmen ist eben NEHMEN!
Das ist das kapitalistische System (vorher rheinischer Kapitalismus) das nun neoliberal wird und zum Erzkapitalismus mutiert, so wie in USA.
Anstatt Euch aufzuregen - was ja ausser Gesundheitschäden wie Magengeschwüren nix weiter bringt - solltet Ihr mal lieber Marx lesen und vor allem auch verstehen. Der hat nämlich die Mechanismen des kapitalistischen Systems längst erkannt. Er hatte zwar nicht die richtige Lösung parat aber immerhin war er ein genialer Analyst.
Jeder könnte vom Tellerwäscher zum Millionär werden ....aber von 1 Mio Menschen schafft das aber nur ein Einziger. Dieser wird dann von den Medien als "der Erfolgreiche" präsentiert mit den Worten: "das könnte von Euch jeder schaffen" - KÖNNTE! ...in Wirklichkeit ist dieser eine jedoch nur die Möhre die man allen anderen Eseln vorhält damit sie dumm und brav den Karren weiterziehen. Es liegt am System, aber das will ja keiner glauben. Ihr seid nämlich selber alles kleine Erzkapitalisten und würdet genauso unmenschlich handeln wenn es um Eure eigenen Profite oder Aktiendividenden geht!
Das ist es nämlich was dieses unmenschliche Konkurenzsystem so stabil macht: Ihr selber seid es - IHR ALLE!!! Jeder hofft darauf das er selber es schafft (nur er selber) und irgendmal reich sein wird (wenn ich einmal reich bin). Ihr wollt dieses System also haltet Euern Mund - oder ändert das System, aber hört auf rumzulamentieren!!!
Ich Buchstabiere es mal:
Das ist eben K A P I T A L I S M U S
Guten Morgen Deutschland - ausgeschlafen?
Eine neue Partei gründen? Ich lach mich tot (*Bauchhalt*)!!!
Die Deutschen schaffen es ja noch nicht mal die bisherige Politikerkaste - die bei der letzten Bundstagswahl den Wähler betrogen hat und ihn bei jeder Gelegenheit verarscht und belügt abzuwählen!!!
CDU und SPD müsst Ihr erstmal in die Opposition abwählen bevor Ihr hier in Postnazideutschland überhaupt etwas ändern könnt. Es gibt sie längst die Partei die mehr Soziales erreichen will. Aber die wird kaum gewählt, kämpft mit der 5 % Hürde und ihre Vertreter werden ständig aufs übelste diffamiert (auch hier ist DIE ZEIT mit angesprochen) und das soll es eine Partei schaffen die die EU abschaffen will? Und selbst diese eine Partei wird auch nicht viel erreichen können wenn es nicht eine globale Änderung - oder zumindest um den Anfang zu machen eine Änderung in der EU gibt. Firmen sind heutzutage mächtiger als die Staaten. Denn nicht mehr die Unternehmen sind es die Konkurrieren müssen sondern mittlerweile die Staaten die Kratzfüsschen machen müßen damit so ein Global-Moloch überhaupt zu uns reinkommt.
Was sind das für Zustände? frag ich mich da.
Und wieso stehen die gerade in die Wüste geschickten friedlich um das Werk herum?
BRENNT ES NIEDER!!! Schlagt alles kurz und klein...die gehen doch sowieso...sollen sie nix mehr mitnehmen!
Das würde - wenn gleich es auch Gewaltätig und Illegal wäre - aber endlich mal den Bonzen ein Zeichen setzen.
Zeigt den Bonzen was Volkeszorn ist!!!
Schaut mal nach Frankreich rüber wenn dort die Bonlieus brennen, oder die Fischer stinkenden Fisch den Politschranzen vor die Füße kippen. Die haben keine Angst vor dem Staat so wie die Duckmäuserdeutschen.
Aber ich fürchte eben das sich nix ändert. Es wird geheult, lamentiert, diskutiert und anschließend Subventioniert. OK und dann kommt die nexte Bundestagswahl und wir alle machen wieder unser gewohnte Kreuzchen bei den gewohnten Abzockern und schimpfen wie gewohnt über die ach so bösen Linken!
Meine Botschaft dazu lautet:
<<<LINKS WÄHLEN !!!
Nokia ist wegen der guten Bedingungen nach Deutschland gekommen, wenn es wegen besserer irgendwoanders wieder geht, ist das normal.Deutsche Unternehmen gehen genauso dorthin, wo es - selbst falls nur geringfügig - billiger ist.Geiz ist schließlich geil, auch Herr Müller und Frau Meier fahren 20 km für 1 Cent billigeres Benzin, lassen sich im Fachhandel beraten und kaufen beim Discounter und es ist egal, wenn der Bäcker nebenan stirbt, falls die Supermarktkette billiger ist. Die Subventionen sind die Kampfpreise der Staaten/Länder/Gemeinden.Was helfen würde? Wenn langfristig die Menschen in Rumänien ebenfalls anständige Gehälter bekommen würde. Und: Da sehe ich nur Europapolitik und die EU, die etwas bewirken können.Theo Rem
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