Stammzellforschung Eine Frage der Moral
Der Bundestag will über eine Änderung des Stammzellgesetzes abstimmen. Die Abgeordneten können dabei allein auf ihr Gewissen hören. Wie die Debatte ausgeht, ist deswegen völlig offen
Sechs Jahre sind eine lange Zeit, in der Forschung zumindest. So lange ist es her, dass die Abgeordneten des Bundestages ein Gesetz beschlossen, welches die wissenschaftliche Arbeit mit menschlichen Stammzellen in Deutschland regulieren sollte. Seitdem ist viel passiert und die politische Debatte darüber, wie weit die Wissenschaft gehen darf, ist wieder neu entbrannt.
Die Hoffnungen, die Forscher und Patienten in die winzigen Gebilde setzen, sind gewaltig: Erkrankungen wie Parkinson, die Folgen von Herzinfarkten und viele andere schlimme Leiden sollen eines Tages mit ihrer Hilfe heilbar sein. Doch weil die Vorbehalte gegen diese Biotechnologie ebenso groß sind, hat der Bundestag im Sommer 2002 ein Stammzellgesetz verabschiedet, das deutschen Wissenschaftlern untersagt, menschliche embryonale Stammzellen für Forschungszwecke aus dem Ausland zu importieren es sei denn, sie wurden vor dem 1. Januar 2002 gewonnen. Ihre Gewinnung im Inland ist durch das Embryonenschutzgesetz sowieso verboten. Kritiker nennen das Stammzellgesetz darum Forschungsverhinderungsgesetz" und wollen es liberalisieren.
Im vergangenen Sommer haben der Nationale Ethikrat und die Deutsche Forschungsgemeinschaft sich dafür ausgesprochen , die Stichtagsregelung aufzuheben und Forschungsprojekte künftig nur noch einer Einzelfallprüfung zu unterziehen. Die Begründung der Wissenschaftler: Die alte Stammzelllinien, also die Nachkommen" der vor dem 1. Januar 2002 gewonnenen Stammzellen, seien durch Chemikalien und Mutationen verunreinigt und für seriöse Forschung nicht mehr zu gebrauchen. Neues Material muss her.
Es geht nicht nur um den Wissenschaftsstandort Deutschland, sondern auch darum, ob unsere Kinder und Enkelkinder irgendwann von den Ergebnissen der Stammzellforschung (die trotz aller Erfolge noch immer Grundlagenforschung ist) profitieren können. Das Wort der Forschergemeinde ist darum gewichtig doch entscheiden muss letzten Endes die Gesellschaft, vertreten durch die Abgeordneten im Bundestag.
Und deren Meinungen sind gespalten. Der Konflikt geht quer durch die Parteien und spielt sich jenseits der üblichen ideologischen Paradigmen ab. Weil in Abstimmungen über ethische Fragen traditionell der Fraktionszwang aufgehoben wird, sind die Abgeordneten auf sich gestellt, sie können nur auf ihr eigenes Werturteil bauen. Der politische Willensbildungsprozess wird dadurch spannend und demokratischer sein Ergebnis jedoch schwerer vorauszusagen.
Es ist die Formulierung menschlich embryonal", in der die Krux der Debatte liegt. Prinzipiell finden sich Stammzellen überall im menschlichen Körper. Sie allein ermöglichen es, dass Wunden heilen, Haare wachsen, rote Blutkörperchen produziert werden. Doch diese Zellen, die adulten Stammzellen, sind längst nicht so mächtig, wie ihre embryonalen Geschwister. Letztere entstehen durch die Teilung einer befruchteten Eizelle und weil sich aus ihnen im Laufe von neun Monaten ein kompletter kleiner Mensch entwickelt, gelten sie als pluripotent, als fast allmächtig. Das Problem: Um diese Macht zu nutzen, müssen die Forscher den wenige Tage alten Embryo ein mit bloßem Auge fast unsichbares Häuflein aus wenigen Hundert Zellen töten.
- Datum 01.10.2009 - 17:36 Uhr
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Solange von denselben Personen einerseits die Möglichkeit einer Abtreibung
befürwortet wird und gleichzeitig Zellforscher mit einem Verbot der
Stammzellforschung buchstäblich kriminalisert werden, solange ist eine
sinnvolle Diskussion nicht möglich.Crest
Wie man sieht funktioniert die Welt auch ohne deutsche Computer, ohne deutsche Handys, ohne deutsche Flachbildschirme und sie wird auch ohne deutsche Gentechnik, ohne deutsche Molekularbiologie und ohne deutsche Stammzellentherapie funktionieren.
Deutschland hat schon den 5. Kondradjew Zyklus verpennt und wird zum 6. erst gar nicht zugelassen.
Selbst wenn deutsche Grundlagenforscher etwas spektakläres entdecken sollten, es wird niemand mehr da sein der die Milliarden für das Genehmigungsverfahren ausbringen könnte. Wenn irgendwann auch Bayer geschluckt wird (die Firma ist einfach zu klein) gehen hier die Lichter aus.
Schon erstaunlich, dass der Fraktionszwang aufgehoben und die Abgeordneten selbständig entscheiden sollen. Ja was denn sonst?
Hallo Lokomotive,auf den ersten Blick ist tatsächlich das komisch, doch es gibt ganz praktische Gründe für die Fraktionsdisziplin.Die Wikipedia ist da keine erschöpfende Quelle, wird aber für den Anfang genügen(ein bisschen runterscrollen bis zum Abschnitt "Gründe").
Ich gebe ihnen recht das Deutschland den Zug weitestgehend verpasst hat. Die meisten deutschen Stammzellforscher arbeiten im Ausland (warten kann man sich als junger Wissenschaftler nicht leisten). Es ist geradezu ruehrend wie ein paar Millionen in die Stammzellforschung investiert werden waehrend gleichzeitig Kalifornien 300 Millionen Dollar investiert. Waehrend von Spitzenforschung und internationaler Exzellenz geredet wird heisst es bei vielen Zukunftstechnologien wohl eher 'Dabeisein ist alles'.Trotzdem ist eine Aenderung der Stichtagsregel noch sinnvoll um Wissen im Land zu halten und an auf die Stammzellforschung aufbauenden Technologien arbeiten zu koennen. Immerhin ist der Rueckstand diesmal weniger als 5 Jahre, bei der Gentechnik Anfang der 80er Jahre hatte Deutschland noch 10 Jahre Rueckstand aufgebaut bevor gehandelt wurde.
Aus der ehemaligen Gentechnik vom Ende der 70er ist in den USA die Biotech-Industrie geworden. Alleine die drei grössten im S&P 500 gelisteten Biotech-Unternehmen haben eine Marktkapitalisierung von 170 Mrd USD (http://biz.yahoo.com/ic/bi.html ). Jedes davon ist so viel Wert wie Bayer.
In Deutschland wurde nicht nur die Produktion (man erinnert sich an das Spektakel um die Insulin-Produktionsanlage von Hoechst) sondern gleich die ganze F&E mit ausgelagert.
Jetzt fehlt einfach die Basis der Pyramide. D.h. eine finanzstarke Industrie, die Gewinne erwirtschaftet und die Umsetzung von Grundlagenforschung in marktfähige Produkte finanzieren kann.
... die Straftaten anderer toleriert indem man deren Ergebnisse in Deutschland benützen darf wirft das eher kein gutes Bild auf unsere Entscheider. Ich weiß ehrlich gesagt im Moment nicht welche Meinung ich da haben soll. Nur das man zwar nicht selbst Stammdaten erzeugen darf aber diejenigen benützen darf die andere (was bei uns nicht erlaubt ist) erzeugt haben ist ein verlogenes Unding.
Der Mensch beginnt bei der Geburt
Wann beginnt der Mensch? Der Mensch ist Seele und als Seele ist er unsterblich.
Wenn man nun fragt, wann beginnt denn das jeweilige Leben als Mensch in dieser Inkarnation, dann kommt man nicht umhin (übrigens auch entsprechend der Bibel) zu sagen: bei der Geburt mit dem ersten Atemzug gehen wir als Seele in den jeweiligen Körper hinein. Und der kleine Mensch beginnt zu existieren, der Körper beginnt allein zu existieren, als individuelle Lebenseinheit, weil eben die Seele ihn mit Leben erfüllt. Ohne diesen 'Seeleneinheit' in allem gibt es kein Leben, sei es pflanzlich, tierisch oder menschlich.
Wenn dem so ist, dann kann man die ganze Diskussion um Stammzellen vereinfachen, denn es sind nur Zellen, die irgendwie und irgendwo 'bearbeitet' werden. Man kann also ruhig auch vom moralischen Standpunkt aus die Dinge mit Gelassenheit betrachten.
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