Italien Das zweite Comeback

Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi drohte gerade, von der politischen Bildfläche zu verschwinden, da stürzte sein Nachfolger Romano Prodi. Nun ist eine Rückkehr Berlusconis wieder möglich

Vor allem im Ausland ist es die meistgestellte Frage über die Zukunft Italiens: Kommt jetzt Berlusconi zurück an die Macht? Die Antwort darauf lautet: Gut möglich. Aber nicht sofort. Und sehr wahrscheinlich nicht für eine ganze Legislaturperiode, also fünf Jahre.

“Sofort Neuwahlen!” fordert zwar das von Berlusconi geführte Mitte-Rechts-Bündnis, das am Donnerstagabend nach Prodis Niederlage im Senat Champagnerkorken knallen ließ. Manche Senatoren der Opposition verschlangen auch demonstrativ große Scheiben von Mortadella-Fleischwurst, in Anspielung auf den nicht sehr schmeichelhaften Spitznamen, den die Rechte dem rundlichen Prodi verpasst hat: “Mortadella” eben. Tatsache ist aber, dass Prodi und seine Regierung sich nicht so schnell verputzen lassen.

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Selbst wenn Staatspräsident Giorgio Napolitano, der bis Dienstag die bei einer Regierungskrise üblichen Konsultationen abschließen will, die Auflösung der beiden Parlamentskammern und damit Neuwahlen anordnen würde – der allerfrüheste Termin dafür bleibt Mitte April. So lange müsste sich Berlusconi, der seit dem Antritt von Prodi eigentlich wöchentlich vorgezogene Neuwahlen verlangte, auf jeden Fall gedulden.

Dass der 71-jährige Großunternehmer und Fußballpräsident (AC Mailand) auf ein schnelles Votum drängt, ist kein Wunder, nach dem spektakulären Scheitern der Mitte-Links-Regierung ist Berlusconi logischerweise oben auf. Die Rolle des Deus ex Machina spielt der Populist am liebsten, auch wenn er während seiner letzten Regierungszeit von 2001 bis 2006 vor allem seine persönlichen Probleme mit der Justiz löste, weniger die seines Landes. Berlusconi, schon vorher der reichste Mann Italiens, wurde während seiner Regierungszeit noch um einiges reicher – und später schaffte es Prodi mit seiner pittoresken Koalition von Trotzkisten bis Monarchisten nicht, das angekündigte Gesetz zur Regelung von Interessenkonflikten zu verabschieden.

In den letzten Monaten war Berlusconi das passiert, was er am meisten fürchtete: Er drohte, von der Bildfläche zu verschwinden. Schlimmer noch, er stand im Mittelpunkt eines schmierigen Skandälchens um Fernsehstarlets, die er höchstselbst dringend dem Staatsfernsehen RAI empfohlen haben soll, also der Konkurrenz seines Senders Mediaset. Selbst beim politischen Gegner gab es darob nur ein gelangweiltes, leicht mitleidiges Schulterzucken – e allora? Ja, und? Derweil turtelte Nicolas Sarkozy schon mit Carla Bruni. Einer schönen, noch dazu linken Italienerin! Ein Schlag ins Gesicht des Mannes, der sich auch als mehrfacher Großvater noch zum alterslosen Latin Lover stilisiert hat, Haarverpflanzung und Facelifting inklusive.

Selbst seine Bündnisgenossen hatten sich schon von Berlusconi losgesagt. Der smarte, mit einer bedeutend jüngeren Großverlegerin passend verheiratete Christdemokrat Pierferdinando Casini wollte ebenso wenig in die neu ausgerufene “Partei des Volks der Freiheiten” wie der Rechtsnationale Gianfranco Fini. Vor Weihnachten erklärten die beiden die Koalition mit Berlusconi für beendet. Nach der Abwahl wollten der 52-Jährige Casini und der vier Jahre ältere Fini endlich an der eigenen Karriere basteln – lange genug hatten sie am Prinz-Charles-Syndrom gelitten.

“Nie wieder”, knirschte Fini, der sich auch persönlich mit seinem einstigen Ziehvater überworfen hatte: Dessen Medien hatten Finis neue Partnerin aufs Korn genommen. In Berlusconis Boot blieb also vorerst nur Umberto Bossi, der nach einem Schlaganfall vor fünf Jahren kränkelnde Führer der Separatistenpartei Lega Nord. Jetzt sind alle wieder aufgesprungen. Hinzu kommt noch die Rechtsaußenpartei La Destra (die Rechte), bei deren Gründungsversammlung Ehrengast Berlusconi mit dem Sprechchor: “Duce! Duce!” empfangen wurde – eine kleine Reminiszenz an Benito Mussolini.

Wie lange Fini und Casini im Falle eines Wahlsiegs an Bord bleiben, ist aber durchaus nicht sicher. Fünf Jahre wahrscheinlich nicht. Berlusconi will keinen Kronprinzen, für ihn wäre das nur unliebsame Konkurrenz. Seine Partei ist nach wie vor ganz allein auf ihn zugeschnitten, es gibt keine Flügel und keine Debatten. Niemand glaubt, dass Forza Italia ohne ihren Gründer und alleinigen Führer eine politische Zukunft haben würde. Und Berlusconi wäre am Ende einer hypothetischen Legislaturperiode fast 77.

Er macht keinen Hehl daraus, dass er am liebsten noch einmal Staatspräsident werden würde. Der amtierende Präsident Napolitano ist 82 und möchte jetzt erst einmal eine Übergangsregierung, die die lang geplante Wahlrechtsreform verabschiedet. Das würde stabilere Mehrheiten garantieren. Am Dienstagabend weiß man mehr.

 
Leser-Kommentare
  1. [Wg. Doppelposting gelöscht. / Die Redaktion; fl]

  2. .. was hat ihr kommentar mit berlusconi zu tun?
    möchten sie propaganda betreiben?

  3. bitte überprüfen sie doch mal wo molinocampo  noch überball sein kommentar kopiert hat .
    ich habe es schon auf mehrere artikel der zeit gesehen!
    er möchte glaube ich das forum der zeit für propaganda zwecke mißbrauchen.
    danke

  4. hat die Regierung , die sie verdient. Und  wenn es nochmal  Berlusconi ist, dann ist das fuer die Italiner eben genau das richtige. 

  5. ...schmeißt da was durcheinander: Nicht in NRW, in Hessen ist Wahl. Und in Hessen, nicht in NRW,  spielt sich sein Vorbild als Bedarfs-Rassist auf, das aber ist nichts Neues. Nichts Neues, weil bei Bedarf in den Volkparteien die Töne völkisch werden und sämtliche Hemmschwellen sinken. Sinken? Sie sind nicht vorhanden!
    Völkische Töne aus den Volksparteien waren es, die die Pogrome von Hoyerswerda und Rostock auslösten und, die Täter, die da in den Fenstern hingen, das waren keine Nazis. Es waren Menschen, die Roland Koch als "die schweigende Mehrheit" bezeichnet. Menschen, bar jeglicher Empathie, ausschließlich fähig zum Selbstmitleid. Menschen, die erklärbar machten, warum Deutschland einst in die Barbarei verfiel, erklärbar, warum die überwiegende Mehrheit die furchtbarsten Leiden ertrug, wobei diese freilich nur ein Bruchteil dessen darstellten, wie dieses "Kulturvolk" in den überfallenen Ländern hauste, was "Deutsche Leitkultur" für die zu "Untermenschen" erklärten Sinti und Roma, Juden, Kommunisten, Sozialdemokraten und Demokraten bedeutete.
    Kein einziger der Nazi-Täter fürchtete sein Volk, kein einziger dieser Schinder bekam an der Front eine Kugel in den Rücken. Zerschlagen wurde der NS unter ungeheurem Blutzoll durch die Allierten, nicht aber von den Deutschen. Und kein einziger Täter, und das macht den Unterschied, endete wie Mussolini. Den Unterschied macht aber auch aus, daß der Faschismus im Gegensatz zum NS keinen Völkermord zum Programm hatte und diesen, mit deutscher Gründlichkeit fast vollendete.
    So ärgerlich ein Faschist als möglicher Staatspräsident auch ist, vergessen sind in Italien die Verbrechen des Faschismus nicht. Und auch Berlusconi weiß, was ihm möglicherweise blüht. Unter jeder Tankstelle wird er leicht zusammenzucken, wird der Möglichkeit bewußt, daß er dort, mit demKopf nach unten, hängen könnte. Das macht den Unterschied.
    Burkard Schulte-Vogelheim
     

    • on
    • 26.01.2008 um 8:12 Uhr
    6. KARMI

    KARMI carries ON
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    Richtig. Jedes Land hat die Regierung die es verdient. Was fuer die USA gilt, trifft auch fuer Italien zu. Auch Deutschland darf sich nicht beklagen.

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    Achtung. Hund namens Howdy entlaufen.

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