Bildungsinitiative

Lachende Menschen mit Computern

Die Kanzlerin und Microsoft-Gründer Bill Gates haben eine Initiative für "IT-Fitness" vorgestellt. Warum lässt sich Angela Merkel vor den Lobby-Karren spannen? Ein Kommentar.

„Ja, lieber Bill Gates“, sagt die Kanzlerin. Sie sei gekommen, um „hier ein paar Gedanken zu sagen“. Hier, das ist ein elegantes Hotel im Berliner Regierungsviertel. Microsoft, der weltgrößte Hersteller von Computerprogrammen, hat europäische Politiker und Wirtschaftsexperten eingeladen, um mit ihnen zu diskutieren, wie Informationstechnologie und moderne Staatsführung zusammenhängen. E-Government heißt das in der Sprache der Experten, E-Regierung also.

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Das klingt ernst und technokratisch, doch auf den Bildern, die Bill Gates während seiner Rede zeigt, sind lachende Menschen mit Computern zu sehen. Von diesem Glück möchten dieser Tage offenbar viele etwas abhaben. Die von der großen Koalition geplagte Kanzlerin zum Beispiel, oder Berlins regierender Oberbürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der den Microsoft-Gründer schon am Mittwoch im Roten Rathaus empfing.

Es ist nicht nur der Glanz des Erfolges, der Bill Gates so beliebt macht. Der Multimilliardär ist gekommen, um ein Programm vorzustellen, das sich Microsoft gemeinsam mit dem Branchenverband Bitkom, dem Zentralverband des deutschen Handwerks, der Deutschen Bahn und weiteren Großunternehmen ausgedacht hat. Die Initiative IT-Fitness macht Schule soll deutschen Schülern und Auszubildenden PC-Kenntnisse vermitteln. In keiner Industrienation würden Computer nämlich so selten im Unterricht eingesetzt wie hierzulande, sagt Achim Berg, General Manager von Microsoft Deutschland.

Bill Gates ein Mann, der Verantwortung übernimmt! – möchte man da rufen. Aber warum braucht es ausgerechnet im Bildungswesen privatwirtschaftliches Engagement? Sollte dies nicht eine vornehmliche Aufgabe von Bund und Ländern sein? Und vor allem: Was hat seine Firma davon?

Eine ganze Menge. Seit mehr als 15 Jahren beherrscht Microsoft nun schon den Markt für Computer-Betriebssysteme und Bürosoftware. Der Konzern ist so mächtig geworden, dass die Europäische Union bereits mehrere Monopolverfahren mit dem Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung eingeleitet hat. Das ist noch höflich formuliert, denn in den meisten Unternehmen, seien das Großkonzerne oder mittelständische Betriebe, führt kein Weg an den Produkten der Firma Microsoft vorbei.

Wenn letztere nun gemeinsam mit deutschen Unternehmen – und der medienwirksamen Unterstützung der Bundeskanzlerin – Schüler „IT-fit“ machen will, heißt das im Klartext: Hier werden künftige Mitarbeiter im Umgang mit den Produkten von Microsoft unterwiesen.

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Leser-Kommentare

    • 24.01.2008 um 8:32 Uhr
    • allons01

    > Und ein Ausweg sei nur durch „Trial and Error“, durch Versuch und Irrtum, zu finden.Für den Error ist ja schon gesorgt. Gruß, Allons!

    • 24.01.2008 um 9:12 Uhr
    • gquell

    Ich unterrichte Systemadministration und Netzwerktechnik. Aus Spaß habe ich mir einmal den IT-Fitnesstest angetan und nicht gut abgeschlossen. Die meisten Fragen beziehen sich ausschließlich auf Microsoftprodukte. Daß es auch andere Möglichkeiten gibt, als Microsoft-Produkte, wird ignoriert. Der größte Teil der Internetserver und Router arbeiten beispielsweise mit UNIX-artigen Betriebssystemen. Für das Internet liefern Firefox und Thunderbird sehr gute Alternativen, die sich im Gegensatz zu den Microsoft-Produkten an international anerkannte Standards (W3C) halten. Das Dokumentformat von OpenOffice ist auch international standardisiert im Gegensatz zu dem Produkt von Microsoft.Ich frage mich immer wieder, warum wir unsere Steuergelder in die USA transferieren sollen, damit sich dort ein Konzern mästen kann, obwohl es durchaus ernstzunehmende Alternativen gibt. Ich arbeite jetzt seit Jahren ohne Microsoftprodukte und fahre sehr gut damit. Für mich sind UNIX und Linux sehr gute Alternativen mit Möglichkeiten, die mir die Microsoftprodukte einfach nicht bieten oder nur zu einem horrenden Preis bieten können.

    • 24.01.2008 um 9:48 Uhr
    • noanswer
    3. e!-you

    ganz unironisch führt e-government zu e-sex. das ist zu begrüssen. dass frau merkel das e-money beisteuert, noch besser. hätte ich nicht gedacht! bravo! weiter so! die sogenannten lerninhalte kann man anscheinend eh vergessen. mehr hedonismus und technik, die man beherrscht.das sind mal rundrum gute nachrichten. weiter e-so!

    • 24.01.2008 um 10:30 Uhr
    • KMurx

    scheint weniger der selbstbestimmte, unabhaengige und informierte Umgang mit Rechnern, geschweige denn ihr Verstaendnis zu sein, als das "Trainieren" von Mausklicks auf die richtigen Knoepfe.Verbessert dies wirklich unsere "Wettbewerbsfaehigkeit"? Erhoeht dies die in Sonntagsreden so geruehmte "Flexibilitaet" der Arbeitenden?Verbessert dies tatsaechlich die "Qualifikation" unserer Arbeitnehmer, so dass ihre Arbeit nicht in Indien erledigt werden kann?Nein, Nein und nochmal Nein. Dieses Programm traegt nichts zur Zukunftsfaehigkeit von Deutschland bei, und sollte dementsprechend nicht vom deutschen Staat unterstuetzt werden.Leider traegt es aber zur Medienpraesenz der deutschen Kanzlerin und anderer Politiker bei...

    • 24.01.2008 um 11:49 Uhr
    • BGrabe

    Es ist doch ganz einfach, das deutsche Bildungssystem ist durch jahrzehntelange Rationalisierung, Wasserkopfbildung und Mittelumschichtung drastisch und chronisch unter- bzw. fehlfinanziert.Für eine unabhängige Initiative fehlt der öffentlichen Hand schlicht das Geld, Bill Gates hat Geld.So begibt sich die Politik durch hausgemachte Fehler, Egoismen und Opportunität, langfristige ideologische Fehlplanungen genau in die Abhängigkeit Jener, von denen sie prinzipiell gar nicht abhängig sein sollte.Doch echte Reformen tun weh, weil sie ökonomisch unsinnige Besitzstände beseitigen müßten. Das aber ist in einem ausgeuferten Sozial- und Subventionsstaat ohne größere Erschütterungen wohl nicht zu haben. Und so bleibt Frau Merkel wohl gar nichts anderes übrig, als mit den Wölfen zu heulen.

  1. Jeder kann feststellen, daß hier nicht die allgemeine Vertrautheit mit Prinzipien der EDV gestestet wird, sondern die intime Vertrautheit mit Microsoft-Produkten, insbesondere ihrer graphischen Oberfläche. Insofern muß das, was bei der Initivtive getestet wird, richtig MS-Fitness heißen. Der Feststellung, daß es generell gute Alternativen zu MS gibt, kann ich nur zustimmen; und wenn man sich für MS entscheidet, tut man das häufig nicht freiwillig, sondern gezwungen, um mit Kunden dateien auszutauschen. (Deshalb sind Dateiformate, die unabhängig von einzelnen Firmen festgelegt und frei benutzt werden können, so wichtig als Waffe gegen Monopolisten).Die Frage im Titel (warum Merkel für Gates den Lobbyisten macht) wird nicht beantwortet; worauf aber Gates abzielt, ist klar: es geht seiner Firma darum, daß bei bevorstehenden politischen Entscheidungen über die für Verwaltungszwecke verwendete EDV die Entscheidungen möglichst immer für Microsoft-Produkte fallen und ihm so ein dauerhaftes Quasi-Monopol sichern sollen. Die Verwaltungen würden dadurch Microsoft langfristig auf Gnade und Ungnade ausgeliefert. Ich frage mich übrigens, ob die realen Machtverhältnisse nicht so sind, daß Gates sich eher an die EU-Kommission heranwanzen müßte, aber vielleicht sieht er diese als nicht mehr zu besänftigenden Todfeind an - schön wär's.Im letzten Absatz ist offenbar englisch "Government" falsch mit "Regierung" übersetzt worden, richtig wäre in diesem Kontext "Verwaltung". Daß eine komplexe Verwaltung schwieriger auf eine neue Infrastruktur umzusetzen ist als eine primitive, ist eine triviale und harmlose Feststellung.

    • 24.01.2008 um 13:15 Uhr
    • TDU
    7. Lobby

    Lassen wir mal die Klimaschutzmaßnahmenlobby, die andere als subventionswirksame Maßnahmen vielleicht auch zu verhindern weiss, ausser acht.Ein öffentlich genutztes EDV Programm muss vom Bürger auch vom "EDV Laien" einfach zu bedienen und transparent sein. Das scheint bei Linux noch nicht so zu sein, und ich wünsche mir kein öffentlich unterstütztes Programm, welches so undurchsichtig ist, wie eine Stromrechnung in den siebziger Jahren.Andererseits, wo sind die deutschen PC Spezialisten und PC Lobbyisten. Hat nicht ein Deutscher den Computer erfunden. Es ist leider immer dasselbe. Erst die Innovation gering schätzen bis zum Abwürgen und dann die beschimpfen, die sie an den Mann oder die Frau bringen wollen.

  2. 8. @TUD

    Schon mal vorm Computer gesessen. Der Kommentar hört sich jedenfalls nichts so an.

    Wenn man keine Anhnung hat ...

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  • Von Carsten Lißmann
  • Datum 24.1.2008 - 12:23 Uhr
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