Menschen mit geringer Bildung sind überdurchschnittlich oft zu dick. 70 Prozent der Hauptschulabsolventen leiden unter Übergewicht. Wer Abitur hat, ist nur halb so oft betroffen; auch mit höherem Einkommen sinkt das Risiko der Fettleibigkeit. Dies sind die Ergebnisse ersten gesamtdeutschen "Verzehrstudie", die Bundesverbraucherminister Horst Seehofer am Mittwoch in Berlin vorstellte.

Für die Studie über die Essgewohnheiten der Deutschen wurden bundesweit fast 20.000 Personen zwischen 14 und 80 Jahren befragt. Als Ergebnis war bereits am Vortag bekanntgeworden, dass mehr als die Hälfte der Bundesbürger zu dick ist - z wei Drittel der Männer und gut die Hälfte aller Frauen. Jugendliche sind allerdings vergleichsweise selten betroffen. Seehofer sagte, drei Viertel der 14- bis 18-Jährigen hätten Normalgewicht. Allerdings seien dafür zehn Prozent der jüngeren Frauen untergewichtig.

Nicht nur das Körpergewicht, sondern auch Art und Weise der Ernährung wirken sich auf das Wohlbefinden aus. Die Studie hat auch untersucht, was die Deutschen für gesunde oder ungesunde Ernährung halten. Lebensmittel werden zwar allgemein als sicher beurteilt. Trotzdem hielten drei Viertel der Befragten Rückstände von Pestiziden, verdorbene Lebensmittel oder Hormon- und Tierarzneimittelrückstände für besonders gefährlich. Eine einseitige Ernährung, zuviel Essen und zuwenig Bewegung erscheint den meisten weniger riskant, obgleich hier in Wirklichkeit die weitaus größeren Gefahren für die eigene Gesundheit liegen.

Die Nationlale Verzehrstudie ist Teil von Horst Seehofers Nationalem Aktionsplan zur Prävention von Fehlernährung. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Verbraucherschutzministerium vorgestellt, wie man gegen Übergewicht vorgehen will. Bewegungsmangel, Übergewicht und die damit zusammenhängenden Krankheiten seien die großen gesundheitspolitischen Herausforderungen der Zukunft, heißt es in dem Papier. Durch Prävention sollte Abhilfe geschaffen werden - passiert ist jedoch bis heute wenig.

Gerade Kinderlebensmittel sind oft schädlich . Sie machen dick. »Viel Zucker, wenig Ballaststoffe,“ urteilte die Stiftung Warentest über Schokoriegel und Kindermüsli. Besonders ungesund sind mit Zucker angereicherte Säfte: »Kalorienreiche Getränke rechnet der Körper anscheinend nicht in seine Energiebilanz ein," sagt Hans-Georg Joost vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung. Fazit: Sie machen nicht satt und Kinder haben automatisch mehr Hunger.