Kein guter Tag für die hessische CDU, dieser Montag nach der Landtagswahl. Man sieht es ihrem Generalsekretär Michael Boddenberg an. Er hat tiefe Ringe unter den verkniffenen Augen, die Stirn liegt in Falten. Boddenberg stellt sich in Wiesbaden den Journalisten, aber Vergnügen bereitet es ihm nicht. Er antwortet einsilbig, oft sagt er, das wolle er jetzt nicht „kommentieren“ oder „analysieren“.

Nur eines ist gewiss: Boddenberg ist „nach wie vor überzeugt davon“, dass seine Partei im Wahlkampf mit der Jugendgewalt und der Warnung vor Kommunisten auf die richtigen Themen gesetzt habe. Nein, die Hessen-CDU bereut nichts, schließlich dürfe sie nicht die Augen vor schwierigen gesellschaftlichen Problemen verschließen. Wenn jemand sich zu entschuldigen habe, sagt Boddenberg trotzig, dann sei das der politische Gegner. SPD und Grüne hätten keine Gelegenheit ungenutzt gelassen, um den „Namen Koch auszuschlachten“ und zu diffamieren, sagt er. Der Wahlkampf der versammelten Linken sei ein „ganz anderer Tobak“ als der der CDU.

Auf Fragen nach der Zukunft geht Boddenberg kaum ein. Schade, dass es mit der FDP nicht reicht, gut, dass die CDU noch stärkste Fraktion geworden ist – mehr ist Kochs Statthalter nicht zu entlocken. Was ist mit einer Großen Koalition, ist das nicht die einzig verbliebene Machtoption für seine Partei? Boddenberg atmet schwer, dann sagt er: Bevor es zu Sondierungsgesprächen mit der SPD kommen könne, müssten erst einmal die Parteigremien beraten. Und auch auf die Frage nach Kochs Zukunft antwortet er ausweichend: Auf jeden Fall werde Koch im Amt bleiben, bis eine neue Regierung im Amt sei.

Danach ist der Generalsekretär der hessischen SPD, Norbert Schmitt, an der Reihe. Auch er hat Augenringe, aber er ist blendender Laune. Heute sei „ein wunderschöner Tag“, trällert er. Die SPD habe 200.000 Stimmen zurückgewonnen, aus allen Lagern. Dieser Erfolg sei auf die Spitzenkandidatin Ypsilanti und den Mindestlohn-Wahlkampf zurückzuführen, lobt Schmitt die eigene Kampagne. Dass die Sozialdemokratie in Hessen alles richtig gemacht habe, zeige doch besonders eindrücklich der Vergleich mit dem mauen Ergebnis der Niedersachsen.

Nach ein paar Minuten des Selbstlobs rückt dann aber auch hier die Zukunft ins Zentrum. Dass die SPD als Juniorpartner in die Große Koalition gehen werde, weist Schmitt belustigt von sich. Es sei merkwürdig genug, dass Roland Koch noch keine persönlichen Konsequenzen gezogen habe. Mit diesem Mann, der seiner Partei „tiefe Wunden“ zugefügt habe, werde die SPD auf keinen Fall koalieren. Aber auch „eine CDU ohne Koch“ sei für seine Partei nicht der Wunschpartner: „Die CDU ist eher eine schlagende Verbindung als eine politische Partei“, höhnt Schmitt.

Und dann folgt ein Satz, der Anlass zur Spekulation bietet. „Es gibt eine klare Mehrheit diesseits der CDU“, sagt der SPD-General vielsagend. Ob er damit auf eine mögliche Tolerierung durch die Linkspartei anspielt? Jetzt wird auch Schmitt einsilbig: Erst sagt er, dass die SPD „ein Bündnis mit der Linkspartei ausschließt“. Die nächste knifflige Nachfrage, die explizit nach der Tolerierung fragt, möchte er dann schon nicht mehr kommentieren. Man dürfe sich nun „nicht unter Zeitdruck setzen“ lassen, sagt er bloß. Große Lust haben die Genossen wohl wirklich nicht auf diese Option. In SPD-Kreisen gilt die Linkspartei zwar nicht als die „kommunistische Bedrohung“, als die sie die CDU gerne darstellt, aber doch als ein unerfahrener, unzuverlässiger Partner.