Finanzinvestoren Heuschreck, lass nach

Vernichten Private-Equity-Firmen Arbeitsplätze? Der Forscher Christian Andres hat das Treiben der Heuschrecken in Deutschland erstmals untersucht. Ein Interview

ZEIT online: Herr Andres, in Deutschland mischen Private-Equity-Firmen den Markt auf - Rodenstock, Märklin, der Grüne Punkt sind schon in ihren Händen. Franz Müntefering prägte den Begriff der „Heuschrecken“. Sie haben erstmals zusammen mit einem Forscherteam das Treiben der Fonds in Deutschland umfassend untersucht. Hat Müntefering recht?

Andres: Nein. Es sind nicht alle böse oder alle gut. Es mag einige schwarze Schafe geben. Letztlich aber nutzen Private-Equity-Firmen mehr als sie schaden.

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ZEIT online: Wie kommen sie darauf?

Andres: In unserer Untersuchung haben wir alle Einstiege von Private-Equity-Fonds im Zeitraum zwischen 1998 und 2007 betrachtet – insgesamt 52 Unternehmen, darunter kleine, aber auch große wie die Deutsche Telekom. Weder konnten wir feststellen, dass im Durchschnitt Arbeitsplätze bei den übernommenen Firmen verschwanden, noch fielen die Löhne. Das allgemeine Vorurteil, dass diese Firmen in Deutschland Arbeitsplätze vernichten, ist also falsch. Stattdessen werden enorme Werte am Markt geschaffen. Allein am Tag der Übernahme stieg der Kurs der Firmen im Durchschnitt um 5,6 Prozent. Langfristig waren die Unternehmen später mehr wert als vorher.

ZEIT online: Kein Wunder. Die Private-Equity-Firmen finanzieren die Übernahmen mit Fremdkapital, was steuerliche Vorteile schafft. Dadurch steigt der Firmenwert automatisch.

Andres: Das ist ein Effekt, ja. Wir können beobachten, dass sich die Finanzinvestoren in Deutschland eben jene Unternehmen ausgesucht haben, die eine hohe Steuerbelastung hatten. Da die Zinsen auf Fremdkapital in Deutschland steuerlich abzugsfähig sind, und die Private-Equity-Firmen geliehenes Kapital an die Stelle von Eigenkapital setzen, sinkt die Steuerschuld der Unternehmen.

ZEIT online: Eine Umverteilung von Steuerzahlern zu Aktionären.

Andres: Ja. Es gibt jedoch noch einen zweiten Effekt: Private-Equity-Fonds suchen sich oft Firmen, die unterbewertet sind. Wir können zeigen, dass der Wertzuwachs der Unternehmen umso größer ist, desto schwächer der Kurs der Unternehmen in der Vergangenheit war. Zudem suchen sich die Fonds oft Unternehmen mit sehr solidem Cash-Flow. Der ist nötig, damit die Unternehmen in Zukunft auch die Schulden tilgen können, die man ihnen aufgebürdet hat.

Leser-Kommentare
  1. Das im Artikel dargelegte passt so gar nicht zu den tatsächlichen Erfahrungen - allerdings kam der Begriff Arbeitsplatz so auch nicht wirklich vor.Das richt für mich jedoch förmlich nach einem Gefälligkeitsgutachten. Leider hat der AUtor keine Angabe gemacht, wer die Studie finanziert hat - denn von selbst kommt da wohl keiner drauf.

  2. "Das allgemeine Vorurteil, dass diese Firmen in Deutschland Arbeitsplätze vernichten, ist also falsch. Stattdessen werden enorme Werte* am Markt geschaffen."Was hat der Firmenwert mit der Anzahl seiner Firmenarbeitsplätze zu tun? (Gegenbeispiel Dt. Bank)*Finanzspekulation schafft keine Werte. Es ist eher die Kannibalisierung wertschöpferisch Tätiger. http://de.wikipedia.org/w...______________________________________
    Meine Nr.1 Politdokumentation 2007:
    John Pilger's "War on Democracy"
    http://youtube.com/result...

  3. Hat der Autor den Text überhaupt gelesen? Das Problem an solchen Untersuchungen ist doch, welche Firmen wurden ausgewählt und warum. Genau das wird nicht geklärt. Mich beschleicht das Gefühl, dass da wieder eine Studie mit Vorsatz durchgeführt wurde. Unter einem Interview stelle ich mir etwas anderes vor. Ansonsten ist die Studie durchaus interessant, auch wenn man kein BWLer ist.

  4. aber wenn zunächst behauptet wird, es gäbe keine negativen Effekte und im nächsten Moment dargelegt wird, dass es "eine Umverteilung von Steuerzahlern zu Aktionären" gibt, dann ist das für mich schon recht fragwürdig.Wenn man davon ausgeht, dass Aktien in Deutschland vor allem von finanziell Bessergestellten gehalten werden, ist es also nichts anderes als (partielle) Umverteilung von unten nach oben.

    • borisk
    • 30.01.2008 um 18:29 Uhr

    Die öffentliche Meinung hat immer Recht. Wenn ein Experte dasselbe
    meint, was "man" sagt, dann verweisen wir stolz auf seinen
    Expertenurteil. Aber weh, wenn ein Fachmann mit dem "man" nicht
    enverstanden ist! Natürlich ist er von jemandem gekauft, Spin-Doktor,
    arbeitet für die bösen Mächte, usw. usf.
    Eher darf Galileo sagen "Eppur si muove" ("sie dreht sich doch") als
    ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, dass Private equity positive
    Effekte hat, oder ein deutscher Biologe, dass der Wald nicht stirbt.
    Scheiterhaufen.

    • Manu84
    • 30.01.2008 um 20:28 Uhr
    6. BWL

    Ja, sowas kommt dann dabei raus, wenn BWLer Studien durchführen. Denn dadurch, dass den Firmen nicht geschadet wird, ist der Volkswirtschaft noch lange nicht genützt. Den der schadet es, wenn Staatsvermögen auf Aktionäre umgeschichtet wird.Ja, und solange die Frage nicht beantwortet ist, wer denn nun eigentlich die Studie bezahlt hat, wird da wohl immer ein Gschmäckle bleiben.        

    • SeppD
    • 30.01.2008 um 20:31 Uhr

    kann man dem noch jungen Autor bescheinigen. Wer meint, daß durch Steigerung eines Aktienkurses Werte GESCHAFFEN werden, kommt nicht über den Tellerrand hinaus. Desgleichen ist es vielleicht betriebswirtschaftlich ein Vorteil, wenn durch geschicktes Tricksen Steuerzahlungen gesenkt werden, aber volkswirtschaftlich?Nicht absprechen kann man den sog. Heuschrecken natürlich eine gewisse Reinigung im darwinistischen Sinne. Allerdings wird durch die kurzfristige Ausrichtung der Ziele oft langfristig nicht das Optimum erreicht, sondern im Gegenteil evtl. reale Wert vernichtet (Zerschlagungen, Pleiten etc.). 

    • keox
    • 30.01.2008 um 21:51 Uhr

    1. es wird Volksvermögen umgeschichtet, und zwar in der traditionellen Weise - also von unten nach oben.2. es hat schon seinen Grund, daß liquide Firmen mit ordentlichem Cash Flow bevorzugt werden. Erstaunlicherweise wird in dem Artikel kein Wörtchen verloren über die Renditeerwartungen der Privates.3. es wird festgestellt, daß bei Übernahme durch die Privates Effizienz und Disziplin steigen. Anders, die Ausbeutung wird verschärft.Welche Überraschung.Wir haben also eine verstärkte Umverteilung, ermöglicht durch eine verschärfte Ausbeutung - Effizienz und Disziplin - und die Privates profitieren logischerweise davon, sonst würden sie ja möglicherweise Pommesbuden aufmachen oder andere Goldgruben.Aber genau das ist doch die Kritik an diesen Fonds.So what?Dummer Artikel. Nicht nur unkritisch, affirmativ - sondern auch hoffnungslos veraltet.Ich meine, es war Soros, der schon vor Jahren die Privates als eine systemeigene Putztruppe des Kapitalismus ansah. Was nix mehr taugt wird weggefegt, Platz für die neuen Herausforderer.Und auch wenn es doch Kerkorian war, die - wirklich alte - Analyse stimmt.

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