Soziale Lage "Gleichheit ist nicht gerecht"Seite 3/3
ZEIT online: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) spricht von 18 Prozent der Bevölkerung, die unterhalb der Armutsgrenze leben. Wer überschätzt da was?
Schroeder: Andere Institute sprechen von 13, 14 Prozent. Aber selbst diese Zahlen sind zu hoch gegriffen. Zum einen werden dort etwa Studenten mitgezählt, die zwar vorübergehend arm sind, langfristig aber hohe Einkommen erzielen werden. Dazu kommen viele Einwanderer, die in unserem Land zwar unterhalb der Armutsgrenze leben, für die das Leben in Deutschland allerdings einen Wohlfahrtsgewinn bedeutet – nicht einen Wohlfahrtsverlust. Außerdem gibt es einen weiteren verzerrenden Effekt: Viele Menschen bekommen Geldgeschenke oder andere private Transfers, die in die Berechnung nicht mit eingehen. Oder aber sie arbeiten schwarz. Und zuletzt: Arm ist in Deutschland per Definition, wer weniger als derzeit 940 Euro verdient. Das ist mehr als Hartz IV. Das aber ist unlogisch. Wenn man keine Armut will, warum zahlt man den Menschen dann so geringe Hartz IV-Regelsätze? Entweder man passt die an, oder aber man korrigiert die Armutsdefinition nach unten. So drängt sich der Eindruck auf, dass sich vor allem Armutsforscher wichtig tun wollen, in dem sie ihr Thema überbetonen.
ZEIT online: Also gibt es fast keine Armut in Deutschland?
Schroeder: Natürlich gibt es die. Aber erstens ist sie geringer als immer behauptet wird. Zudem ist sie regional sehr unterschiedlich. Und zweitens ist nicht die Armut das größte Problem, sondern die anhaltende Abkopplung weiter Teile unserer Gesellschaft. Es gibt in Deutschland kaum Aufstiegschancen von der Unterschicht in die Mittelschicht. Statt die Armut zu beklagen, sollte man die soziale Mobilität erhöhen und Reglementierungen über Bord werfen, die jungen Menschen den Aufstieg erschweren – etwa im Handwerk. Außerdem sollte man eine gewisse Ungleichheit akzeptieren, damit wieder Anreize für die Menschen entstehen, aufzusteigen.
ZEIT online: Die „produktive soziale Ungleichheit“.
Schroeder: Ja. Das ist zugegeben ein schmaler Grat. Wir müssen die Ungleichheit zu einem gewissen Grad begrenzen, damit die Gesellschaft nicht auseinanderbricht. Wir brauchen aber auch Ungleichheit, damit sich Aufstieg lohnt. Die derzeitige Umverteilungspolitik führt dazu, dass das Streben nach Erfolg und Aufstieg in den unteren Etagen der Gesellschaft gebremst wird. In anderen Ländern, vor allem Schwellenländern, ist dieses Streben aber ein wichtiger Antriebsmotor. Nur wer die Chance sieht, dass sich der Aufstieg lohnt, wird sich auch für ihn einsetzen. Sicher ist nur: Die derzeitige Ungleichheit ist für unsere Gesellschaft nicht gefährlich. In the long run wird sie ohnehin wieder durch Umverteilungs-Maßnahmen der Regierung ausgeglichen werden. Da bin ich mir sicher.
Klaus Schroeder ist Professor für Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin und leitet den Forschungsverbund SED-Staat. Seit Langem begleitet er die ökonomische Entwicklung Deutschlands mit kontroversen Publikationen. Zuletzt erschien sein Buch "Die veränderte Republik - Deutschland nach der Wiedervereinigung".
Das Gespräch führte Philip Faigle .
- Datum 04.02.2008 - 12:06 Uhr
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der vielleicht nicht allen gefallen wird aber die Sache sehr plausibel erklaert .
Nichts wird so heiss gegessen wie es gekocht wird.
der Relativieren hilft.
Aber leider ist das 68er-Gesülze überall, sogar in das kollektive Gedächtnis der "Unter"schicht, vorgedrunden mit der Folge, dass aus der Republik ein quasi ungestaltbarer Klumpen geworden ist.
Wer kann mir erklären, warum frau/man die dicksten Menschen im sog. Prekariat antreffen kann?
Zwei Basissätze, die entlarvend und Lösungsansätze zugleich sind :In der gegenwärtigen Debatte hat man den Eindruck, dass Gleichheit stets mit Gerechtigkeit verwechselt wird.undViele Deutschen haben eine schlechte Angewohnheit: Sie fühlen sich, als würden sie immer zu kurz kommen.Es ist wirklich nicht einsehbar, warum Menschen mit gänzlich unterschiedlichem Leistungsvermögen und unterschiedlicher Leistungsbereitschaft gleichgestellt werden sollen.Es ist richtig, daß viele Barrieren des sozialen Aufstiegs durch Leistung in Deutschland noch abgebaut werden müssen. Die Kehrseite der Medaille bedeutet, daß bei fehlender Leistung der soziale Abstieg ebenso rapide sein kann.Genau davor fürchten sich aber genau jene, die sich ihrer vergleichsweise geringen Leistungsfähigkeit, und leider oftmals Leistungsbereitschaft, bewußt sind.Warum ist es hierzulande nicht möglich, daß Menschen mit einem ihrer Leistung angemessenen Wohlstand zufrieden sind ? Denn in Wohlstand leben hier etwa 90%. Vergleichen wir mit Afrika, weiten Teilen Asiens und Südamerika.Seien wir ehrlich : es ist schlichtweg Neid ! Geboren aus der Vorstellung, daß alle Menschen gleichwertig sind und gleichviel von allem verdient haben. Und dieser Gedanke ist nicht alt; so etwa 150 Jahre nur. Die Wurzeln sind im Protestantismus, im Kommunismus und im Humanismus zu finden.Nur die Quintessenz aus diesen Strömungen wird heute verkannt.Um es kurz zu machen : Richtig ist, daß alle Menschen den gleichen Respekt und die gleichen Chancen verdient haben. Falsch ist, daß alle Menschen Wohlstand verdient haben.Die Würde des Menschen ist unantastbar. Daher muß jeder Mensch auch in Deutschland in Würde leben können. Ein Heim, Essen, Arbeit, Fortbewegung, Freizeit, Kommunikation (Fernseher & Internet!). Mitnichten aber gibt es ein Anrecht auf Eigenheim, Sonntagsbraten, Bürojob, eigenes Auto, Golfclub und LapTop.
naja - die zentrale Frage ist ja nun nicht, ob der Beitrag gefällt, sondern ob das Behauptete WAHR ist. Und ist es das? Erstaunlich ist, dass Herr Schroeder zwar im Grunde allen bekannten Studien WIDERSPRICHT, aber halt keine Eigenen vorlegt ... um es mal so zu sagen: es ist die übliche Stimme eines Lobbyisten, der auf die ja immerhin von seiner Lobby verschuldete Armut angesprochen, lediglich mit 'stimmt nicht, stimmt nicht' reagiert. Wer soll das glauben? Zumal ihm ja auch die üblichen Verdächtigen allzuleicht über die Zunge gehen: die Gewerkschaften, das Arbeitsrecht und vorallem die Betroffenen selbst.Besonders bemerkenswert ist natürlich die - allerdings nicht neue,aber immer wieder erheiternde - Forderung nach einer Unternehmensbeteiligung der Arbeitnehmer. Völlig zu Recht kämpfen die Gewerkschaften gegen diese besonders perfide Entrechtung jener, die die eigentliche Arbeit in den Unternehmen leisten.Unternehmensbeteiligungen für Arbeitnehmer mögen diesen zwar scheinber mehr einkommen abhängig von der Gewinnsituation bescheren - in Wirklichkeit werden sich die festen Gehälter um diesen Mehreinnahmen senken, sodass es für den Angestellten selbst im günstigsten Fall ein Nullsummenspiel wird. Nun wird der Anteil der Unternehmensbeteiligungen der Arbeitnehmer stets gering bleiben. Effektiv Einfluss auf Unternehmensentscheidungen werden und sollen sie niemals haben - nur die negativen Folgen sollen sie mittragen. Wenn es um Lohnerhöhungen geht, können sie nicht streiken, denn sie bestreiken sich ja selbst. Wenn Entlassungen angekündigt werden, wird es keine Solidarität mehr geben, denn die in der Firma Verbleibenden haben ja ein unmittelbares Interesse an hohen Gewinnen, um ihr Lohnniveau halten zu können.Unternehmensbeteiligungen für Arbeitnehmer sind eine perfekte Methode, um den Zusammenhalt der Gewerkschaften und die Solidarität der Arbeitnehmer untereinander auszuschalten, das Streikrecht praktisch und jedweden Arbeitskampf abzuschaffen und die Arbeitnehmer zu entmündigen. Sie werden den Menschen nicht sgeben, aber alles nehmen.Im übrigen ist die Idee nicht einmal neu. der sogenannte Arbeiter- und Bauernstaat DDR verfuhr nach dem gleiche Prinzip. Angeblich gehörte den Menschen alles als Volkseigentum - tatsächlich lag die Macht jedoch in den Händen weniger und reperessive Massnahmen wurden damit begründet, dass das Eigentum aller zu schützen sei.Wirklich zu bedauern sind nur die Studenten des Herrn Schroeder, die diese Lobbyarbeit als Wahrheit verkauft bekommen. Andererseits braucht man sich nicht über das gierige Gebahren unserer Wirtschaftseliten zu wundern, wenn sie derart indoktriniert werden.
Das Problem - globalworx - ist nicht, dass es keine Wohlstandsgerechtigkeit je nach Leistungsvermögen und Leistungsbereitschaft gibt, sondern dass es an Dieser zu gänze FEHLT. Es eben NICHT so, dass der, der viel leistet und mehr leisten will, auch entsprechend honoriert wird. Genau DAS ist das Problem der fehlenden Chancengleichheit. Nicht Leistungsbereitschaft und Leistungsvermögen entscheiden über Wohlstand und Karriere, sondern die Position der Eltern und der soziale Stand.
Viele Wohlhabende in unserem Land sind nicht deshalb wohlhabend, weil sie besonders leistungsbereit und fähig sind, sondern weil ihre Eltern reicht sind, ihnen Vermögen und Verbindungen mit auf den Weg geben und ihnen eine teure Ausbildung finanzieren, die sich Andere nicht leisten können - unabhängig davon, wie leistunsgbereit und fähig der Einzelne ist.
Sehen sie sich doch die Realität an: WER zahlt den Preis für Unternehmensmissmanagement, Gier, Dummheit und Fehlentscheidungen? Der mit Millionenabfindungen und Pensionen weggelobte Manager? NEIN - es sind die entlassenen Angestellten, die sich nach einem Jahr bei Hartz IV wiederfinden, die schon vorher Lohnkürzungen und unbezahlte Mehrarbeit in Kauf genommen haben und denen eine Weiterbildung aus angeblichen Zeit- und Kostengründen verweigert wurde.
Und SIE wollen ernsthaft behaupten, dass das Problem der sozialen Ungerechtigkeit mangelnde Leistungsbereitschaft ist? Das Problem ist, dass durch Chancenungleichheit und der Frage nach der sozialen Herkunft DUMME, GIERIGE und FAULE in Managementpositionen kommen, während die Leistungsbereiten und Leistungsfähigen als deren Handlanger fungieren müssen.Sie sollten sich endlich der Realität stellen ... andererseits - wie sollen sie diese angesichts von Behauptungen wie denen des Herrn Schroeder je kennenlernen.
Kaschieren:"Wenn wir die mittleren 70 bis 80 Prozent unserer Gesellschaft betrachten, sind die Abstände noch immer relativ gering" Vulgo: Lassen wir das störende Viertel doch einfach weg. Verabsolutieren:"Wenn man keine Armut will, warum zahlt man den Menschen dann so geringe Hartz IV-Regelsätze?" Wenn es dem Professor in den Kram paßt, dann erklärt er eine Zahl zur unantastbaren Konstanten?Hartz IV ist eine willkürlich festgelegte Zahl ohne Realitätsbezug: "Die Regelsatzlüge"http://www.tacheles-sozia...Relativieren: "Im internationalen Vergleich aber leben wir in einer nicht besonders ungleichen Gesellschaft." Vulgo: Seid zufrieden mit 345 Euro, in Bangladesh oder Bolivien gehts den Leuten noch schlechter."An den Universitäten wird, auch infolge der Übernahme des Bologna-Prozesses und der Einführung von BA und MA-Studiengängen fast keine kritische Wirtschaftstheorie und –analyse betrieben. Politische Ökonomie und Kritik der politischen Ökonomie, [...] ist an den Universitäten in Deutschland fast vollständig ausgemerzt"http://www.heise.de/tp/r4...Zitiert nach Elmar Altvater, ehemaliger Professor für Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der FU-Berlin -- wo jetzt Schroeder lehrt. Und was hat Schroeder dort eingeführt?"einen Weiterbildenden Masterstudiengang Politik und Zeitgeschichte" (Wiki)Mehr als einen Frisörlohn ist diese "Forschung" nicht wert. ______________________________________
Meine Nr.1 Politdokumentation 2007:
John Pilger's "War on Democracy"
http://youtube.com/result...
Die Botschaft ist klar: ALG2 Bezieher haben deshalb nix weil sie dumm, faul und unbrauchbar sind. Ebenso alle übrigen Armen.
Und ja genau: schauen wir doch mal nach Afghanistan z.B....da herrscht Krieg und da haben die Menschen nichts zu essen. Sollen wir froh sein das es hier nicht so ist. Man kann doch einen der reichsten Industriestaaten der Welt nicht mit einem Armenhaus vergleichen!
Aus diesen Äusserungen spricht Hohn gekoppelt mit sozial Darwinismus.
Die Faschisten und Nazis des 3. Reiches haben ebenso argumentiert.
Guter Artikel der die Wiederlichkeit solcher Typen die leider auch noch an deutschen Universitäten Gott spielen dürfen gut darstellt.
Es gibt eben doch sehr viele Professor (Un)Sinn's ...der soeben vorgestellte ist solch einer!!!
Ich glaub "Scharlatan" ist der Fachausdruck für solche Leute.
Ist Ihre geschmackloser Kommentar vielleicht auf den übermäßigen Konsum von Geschmacksverstärkern wie E621 zurückzuführen?"In Tierversuchen mit Ratten führte die Gabe von Glutamat zu stark verfetteten und teilweise grotesk deformierten Tieren."Falls Ihnen die subtile Ironie im Zusammenhang mit Ihrer Diffamierung des Präkariats entgangen ist, damm empfehle ich den Film:Super Size Me______________________________________
Meine Nr.1 Politdokumentation 2007:
John Pilger's "War on Democracy"
http://youtube.com/result...
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