Wahlergebnis Wer mit wem?

Fulminantes Ende eines Wahlkrimis: In letzter Sekunde schiebt sich Kochs Partei an der SPD vorbei - und die Linke schafft die Fünfprozenthürde. Die Regierungsbildung wird in Hessen kompliziert.

Es war ein Triumph für Andrea Ypsilanti, allerdings einer mit leichtem Schönheitsfehler: Zwar muss Roland Kochs CDU nach einem auf das Thema Jugendkriminalität zugespitzten Wahlkampf ein Minus von rund 12 Punkten und damit die schwersten Verluste in Hessen seit fast 60 Jahren einstecken. Laut dem vorläufigen amtlichen Endergebnis bleibt die CDU aber stärkste Partei. Mit 36,8 Prozent der Wählerstimmen liegt Roland Kochs Partei um hauchdünne 0,1 Prozent vor den Sozialdemokraten, die immerhin satte acht Prozent hinzugewonnen hatten.

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Einer Analyse der Forschungsgruppe Wahlen zufolge hat die CDU in Hessen vor allem unter den Jüngeren gravierend an Zustimmung verloren. Die Einbußen der CDU in Hessen gehen demnach auf eine gesunkene Leistungsbilanz sowie Ansehens- und Kompetenzverluste zurück.

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Koch sieht eine "Diffamierungskampagne" gegen seine Person als einen der Hauptgründe für das schlechte CDU-Abschneiden, für das er eine Mitverantwortung übernahm. Das Ergebnis sei für seine Partei und ihn persönlich "nicht einfach". Angesichts des "Angriffs von drei Linksparteien" sei es der CDU nicht gelungen, ihre Anhänger ausreichend zu mobilisieren.

Die Wahl in Hessen bleibt also ein Debakel für Roland Koch und die CDU, zumal es die Linke in letzter Minute auf 5,1 Prozent und damit - nach Niedersachsen - auch in den hessischen Landtag schaffte. Die Regierungsbildung in Wiesbaden dürfte damit komplizierter ausfallen als erhofft. Klar ist eigentlich nur, dass es ohne die SPD nicht gehen wird. Beide Volksparteien sind mit 42 Sitzen im Parlament vertreten, die Union bekam unterm Strich lediglich 3595 Stimmen mehr als die Sozialdemokraten, die zuvor über Stunden hinweg in den Hochrechnungen geführt hatten.

SPD-Chef Kurt Beck wertete das Ergebnis seiner Partei in Hessen als gute Ausgangslage für die Bürgerschaftswahl in Hamburg in einem Monat. "Die Zeiten der absoluten Mehrheiten für die CDU sind vorbei." Ypsilanti betonte, die SPD habe gezeigt, dass man mit dem Thema "Gerechtigkeit für alle" Wahlen gewinnen kann. Beck sagte: "Mit der sogenannten Linkspartei wird es keine Zusammenarbeit geben." Als möglichen Partner für Rot-Grün nannte er die FDP. FDP-Generalsekretär Dirk Niebel entgegnete: "Wir werden nicht den Steigbügelhalter für Rot-Grün machen."

Grünen-Chefin Claudia Roth sprach von einer "krachenden Niederlage" für Koch, die sich sehr negativ für Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auswirken werde. FDP-Chef Guido Westerwelle sah seine Partei gestärkt. "Es ist uns gelungen, auch in Zeiten eines Linksrutsches uns als klare bürgerliche Kraft zu behaupten."

Leser-Kommentare
  1. Schaut man sich die Fluktuation der Wählerstimmen und die endgültigen Mehrheitsverhältnisse an, so liegt der Wille des Wahlvolks auf der Hand: Eine rot-rot-grüne Koalition. Doch werden sich die Politiker darum scheren? 

    • hjweit
    • 28.01.2008 um 7:47 Uhr
    2. Wieso

    Das bedarf einer näheren Begründung!!!

    • on
    • 28.01.2008 um 8:16 Uhr
    3. KARMI

    KARMI carries ON
    ----------------
    Einen \"Waehlerauftrag\" kann es nur geben, wenn eine Partei eine ueberwaeltigende Mehrheit einfaehrt. Bei der derzeitigen Konstellation kann \"der Waehler\" niemandem einen \"Auftrag\" gegeben haben.

  2. Ich hoffe nur, dass irgendeine der Parteien über ihren Schatten springen wird und sich auf ein Bündnis einlässt, das sie anfangs nicht wollte - Neuwahlen, weil die Parteien mit dem Votum des Souveräns nicht zurecht kommen, könnten mit einer schallenden Ohrfeige für die etablierten Parteien und einer weiteren Stärkung der Ränder des Parteienspektrums enden. Und das kann nicht im Interesse der Allgemeinheit liegen.

  3. Sicher ist nur, daß es in Hessen zukünftig einen andern Chefkoch geben wird. Der letzte ist in die eigene Suppe gefallen und guckt jetzt dumm aus dem Topf. Immerhin etwas.

    • Anonym
    • 28.01.2008 um 8:49 Uhr

    sowohl in hessen als auch in niedersachsen fiel bei den cdu-kandidaten nach der wahl das wort 'bürgerlich'. positiv gemeint selbstverständlich und auf regierungsmacht bezogen. es wird schön sein, zu beobachten, welch zerstörerisches potentizial sich in diesem wort in hessen entwickeln wird.
    potentzial, das man bei ausländischen jugendlichen ortete.
    wobei man natürlich dieser hochgefährlichen gruppe die verantwortung für die gefährdung der gesellschaft zuschob, sich selbst a priori bürgerlich aber nur das schöne wort 'mitverantwortlich'.
    man lernt, der bürgerliche politiker will es nicht gewesen sein.
     

  4. Koch wird wohl erstmal für lange Zeit geschäftsführend im Amt bleiben. Es sei denn, Ypsilanti akzeptiert eine Tolerierung durch die Linke. Nur, ob dies dann eine fruchtbare Legislaturperiode ermöglicht, scheint eher zweifelhaft angesichts der Utopien, die sich die Linken in der Vergangenheit auf die Fahnen schrieben.Die FDP kann zwar dann von sich behaupten, daß sie glaubwürdig ist und bleibt. Genauso gut muss sie sich aber auch ins Stammbuch schreiben lassen, daß sie nicht bereit ist, Regierungsverantwortung zu übernehmen.

  5. die Hessen vielleicht Sozialismus.
     
    Zur Gewöhnung schlage ich den Hessen vor, den Frühjahrsurlaub nach Kuba und den Sommerurlaub nach Nord-Korea zu buchen.
     
    Ich jedenfalls denke, Bayern und Baden-Würrtemberg sollten den Bund verlassen.
     

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