BankenEin gigantischer Betrug

Fast fünf Milliarden Euro Verlust durch einen schweren Betrugsskandal meldet die französische Bank Société Générale. Der Vorfall nährt die Zweifel an der Risikokontrolle der Banken. von 

Die Dimension ist spektakulär: Ein Händler der französischen Großbank Société Générale habe sich verzockt und einen Verlust von 4,9 Milliarden Euro eingefahren, teilte das Institut an diesem Donnerstag in Paris mit. Entdeckt habe man den Betrug im Januar. Der Händler habe bei Futures auf europäische Aktienindizes seine Kompetenzen massiv überschritten und sein Handeln durch komplizierte Scheingeschäfte verschleiert.

Die Aktie wurde daraufhin vom Handel ausgesetzt. Die Bilanz der Franzosen ist durch den Deal nun derart ramponiert, dass sie neues Kapital aufnehmen müssen. Société-Générale-Chef Daniel Bouton hat seinen Rücktritt angeboten, darf aber vorerst an der Spitze des Instituts bleiben.

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Der Fall weckt Erinnerungen an den Kollaps der Barings Bank . Mitte der 90er Jahre trieb der Börsenmakler Nick Leeson das traditionsreiche britische Institut in den Ruin. Leeson hatte damals nur rund eine Milliarde verzockt, weit weniger also als nun im Fall der Société Générale. Doch obwohl der Betrag bei der Société Générale höher ist, dürfte er das Institut nicht zusammenbrechen lassen. Die Bank muss zwar neben den Fehlspekulationen zusätzliche Verluste wegen der Finanzkrise hinnehmen. Insgesamt rechnet das Institut jedoch für das vergangene Jahr mit einem Nettogewinn von 600 bis 800 Millionen Euro.

Bedenklich ist der Vorfall bei der Société Générale vor allem aus einem Grund: Er nährt Zweifel an der Risikokontrolle der Banken. Denn wie sicher sind diese Kontroll-Mechanismen, wenn es gelingt, fast fünf Milliarden Dollar zu verstecken? In Zeiten, in denen fast alle großen Institute wegen Fehlspekulationen am US-Immobilienmarkt Milliarden abschreiben müssen, trägt das sicher nicht dazu bei, dass Vertrauen zu stärken. Und dieses Vertrauen ist Voraussetzung dafür, dass die Märkte wieder richtig funktionieren.

Es gibt aber noch eine andere Erklärung für den Milliardenverlust, über die derzeit spekuliert wird. Demnach haben die Franzosen Verluste, die aus dem Immobiliengeschäft angefallen sind, in das Portfolio des Händlers verschoben. Denn bislang schien es, als ob die Société Générale die Krise ganz gut gemeistert hätte. Im dritten Quartal musste die Bank nur 230 Millionen Euro abschreiben. Wenn sich die Erklärung bewahrheiten sollte, wären die Folgen für das Vertrauen wohl noch gravierender.

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Leserkommentare
    • Akakor
    • 24. Januar 2008 20:36 Uhr

    Im WSJ wurde konkret darauf hingewiesen, dass nach Aussage der SG angeblich Hedging mit Futures für Plain-Vanilla Positionen auf europäische Aktien schuld am Verlust sei.Der Junior Trader hat übersetzt also Futures auf den Eurostoxx gehandelt. Rechnen wir mal nach: 5 Mrd EUR bei einem Punktwert von 10 EUR im Eurostoxx-Future macht bei einer Abwärtsbewegung von 500 Punkten eine Position von einer 1.000.000 Futures nötig (entsprechend bei anderen Annahmen)...Liebe Experten aus den Wirtschaftsredaktionen: Kennen Sie die normalen Tagesumsätze vor dem Mini-Crash im FESX? Kann ein Trader mit seiner einzigartigen ID an der EUREX einfach mal 1.000.000 Futures unbemerkt einladen? Positionslimite, Margin, etc?Hat er die Riesenposition etwa auch noch vom Dezember-Verfall hinüber gerollt? Hat er den illiquiden back month gehandelt? Hat er schnell mal im Januar einen kompletten Tagesumsatz (vor dem Mini Crash) eingeladen...?Dieser Fall zeigt u.a. folgendes:- wie wenig Ahnung Wirtschaftsjournalisten haben- wie unverhohlen die SG ihre Verluste durch komplexe Derivate mit dreisten Lügen zu verschleiern sucht- wie verzweifelt Banken und Börse sind- da man scheinbar mehrer Fliegen mit einer Klappe schlagen kann:1. Bedauerlicher, betrügerischer Einzelfall...2. Der Europacrash wird natürlich auch noch teils darauf zurückgeführt...3. Die Häuser Morgan können durch ihr Underwriting bei der Kapitalerhöhung ihre Solvenz zeigen (klar JPM als das größte Derivatehaus hat garantiert keine Verluste, Schieflagen, Bewertungsprobleme)...Die Medien scheinen das Spielchen munter mitzuspielen, während der Bevölkerung weiter etwas vorgegaukelt wird und am besten wieder in Aktien einzusteigen ist...Preisfrage: Wenn wir uns bei den meisten Indizes in etwa auf dem Niveau Anfang 2007 befinden, sollte das bei all dem, was inzwischen  bekannt geworden ist (und der Großteil immer noch unterm Teppich ist) zu demselben irrational bullishen Verhalten wie in 2007 führen? Welche Aussagekraft hat "-20%" seit dez 2007, waren diese  Stände fundeamental gerechtfertigt? Wo sollen denn die Gewinne für die angeblich so tollen KGVs in Zukunft herkommen?Gut, dass wir alle angehalten sind in dieses Casino unsere Altersvorsorge zu investieren...

  1. Man muss sich das mal vorstellen:4.900.000.000 € ! Wie lange er wohl brauchen würde das ganze Geld abzustottern?Er kann ja anbieten,auf sein 13.Monatsgehalt zu verzichten.

  2. beläuft sich der Schaden für die Bank auf genau 4.999.999.999 € und 95 Cent. Es steht jetzt schon eindeutig fest, dass es sich um einen Einzeltäter handelt , der weder Mitwisser noch Komplicen in der Bank hatte. Es besteht kein Grund zur Panik, denn von den Milliarden ist kein Cent verloren gegangen. die gesamte Summe befindet sich in sicheren Händen, nur eben in anderen als vorher.

  3. Wieviel ist eine Buchhaltung wert, der über Nacht 4,5 Mrd. Euro fehlen?
    Wäre es nicht billiger, ganz auf die Buchhaltung zu verzichten??
    Controlling-Papst
     

    • Anonym
    • 25. Januar 2008 9:33 Uhr

    Frueher hiess es immer " der kranke Mann am Bosperus". jetzt muesste man eine ganze Reihe von Fluessen auffuehren, um dem Szenario gerecht zu werden. Es ist eigentlich gleichgueltig, ob Betrug eines Einzelnen, verspekuliert oder sonst etwas, der eigentliche Skandal ist, dass in den Banken soviel Geld angehaeuft ist, dass Milliarden Verluste zwar ein bischen die Bilanz verhageln oder man bei anderen Banken, die noch mehr angehaeuft haben, sich mal kurz was ausleiht. Angesichts des Lohndumpings, der Jerimiaden, es sei Geld da fuer Soziale Programme, Umweltschutz etc. bleibt eigentlich nur der Hinweis auf das beruehmte Wort vom grossen BB. und die Verschaerfung, nicht einzelne Banken sind krank, das Wirtschaftssystem des Westens ist krank. Der Vorreiter dieses Systems, die USA,und die anderen Apologten benehmen sich wie der württembergische Herzog Karl Alexander in dem Roman von Lion Feuchtwanger
    das eigene Volk bluten lassen, sich bei anderen Geld leihen
    und dann noch gegen die Glaeubiger hetzen, die angeblich an der Situation schuld sind: China, Indien und all die anderen, die den Wahnsinn finanzieren. Ob diese Krisen einen wirtschaftlich irreparablen Schaden hinterlassen oder gerade noch zu meistern sind, ist nebensaechlich gegenueber dem Befund, dass das System am Ende ist und keiner, auch nicht die Ausgebeuteten, die Regierungen dagegen aufstehen.
    Die breit angelegte Berichterstattung ueber den Betrugsfall kann nur als Ablenkungsmanoever verstanden werden.
    Wer einen Verlust von 5 Milliarden verkraften kann, hat vorher seine Kunden wie eine Weihnachtsganz ausgenommen.

  4. Die Amerikaner sollten ihm ein Denkmal setzen.  Kerviels Betrug zwang die SocGen am Montag, fünf Millarden auf den Markt zu werfen, um dem drohenden Verlust von 50 Milliarden zu entgehen.  Damit löste sie den weltweiten Crash aus.  Nur die USA hatten zufällig gerade Feiertag.  So hatte Bernanke die Möglichkeit, am Dienstag schon um 8 Uhr früh den Leitzins zu senken, ehe Wall Street die Pforten öffnete, und damit einen US-Crash vermeiden.

    • Joerg_T
    • 26. Januar 2008 23:53 Uhr

    Als Laie frage ich mich, ob eine große Bank einen Börsencrash auch ***absichtlich*** auslösen kann. Wenn eine Bank als Erste Aktien im Wert von mehreren Milliarden Euro verkauft und damit eine Panik auslöst, erhält sie für ihre Aktien mehr, als diejenigen, die später verkaufen. Und dann wartet sie ab, bis die Kurse den "Boden" erreicht haben, kauft Aktien zu einem wesentlich günstigeren Preis und profitiert von der Gegenbewegung, wenn die Panik einer rationaleren Bewertung der Aktien weicht.Da bereits seit dem Spätsommer 2007 vor einer Krise gewarnt wurde und viele Anleger seit Monaten nervös waren, stelle ich mir vor, dass es in dieser Situation ein Leichtes war, eine Panik auszulösen. Etwa wie auf einem Kreuzfahrtschiff in schwerem Sturm, wenn plötzlich jemand ruft "Gefahr! Rette sich wer kann!" und alle, die schon lange auf die Katastrophe gewartet haben tun, was sie sich für diesen Fall vorgenommen haben, nämlich von Bord springen.Und am Ende wird dann die Schuld auf einen kleinen Matrosen oder Sachbearbeiter geschoben, der die Tragweite seines Handelns vielleicht wirklich nicht überschauen konnte...

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  • Schlagworte Nick Leeson | Aktie | Aktienindex | Börsenmakler | Euro | Finanzkrise
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