Ethikdebatte "Das ist noch sehr umstritten"
Sind adulte Stammzellen die bessere Alternative zu den embryonalen? Die Gegner eines liberalisierten Stammzellgesetzes sagen: ja. Anthony Ho, der selbst an diesen Zellen forscht, sieht das anders. Ein Gespräch
Anthony Ho ist Arzt und ein Spezialist für Knochenmarkstransplantationen an der Uniklinik in Heidelberg. Ho forscht an adulten Stammzellen aus dem Knochenmark und ist Experte für die Therapie zahlreicher Blutkrebserkrankungen. Er ist Mitglied der Zentralen Ethikkommission am Robert-Koch-Institut, die laut Stichtagsregelung über die Sondergenehmigungen für eine Einfuhr menschlicher embryonaler Stammzellen nach Deutschland entscheidet. Im Gespräch mit ZEIT online erläutert er, warum die Forschung an adulten Stammzellen nicht als Argument gegen eine freie Forschung an humanen embryonalen Stammzellen ausgespielt werden darf - und kann.

ZEIT online: Herr Ho, in der Debatte um eine Änderung des Stammzellgesetzes heißt es immer wieder, adulte Stammzellen seien ingesamt besser als embryonale. Was genau sind denn "Adulte Stammzellen" eigentlich?
Anthony Ho: Oh, es gibt da verschiedene: Es gibt gewebespezifische Stammzellen in erwachsenen Körper für die Blutbildung, für die Haut, für die Schleimhäute, für die Bindegewebe, usw. Die Blutstammzellen stellen eine Art Archetypus von adulten Stammzellen dar. Mit diesen Blutstammzellen befasse ich mich seit 22 Jahren, sie sorgen jeden Tag und ohne Unterlass dafür, dass die täglich verbrauchten Blutzellen ersetzt werden. Andere adulte Stammzellen regenerieren zum Beispiel unsere Haut. Es gibt allerdings adulte Stammzellen, die sehr rar sind, zum Beispiel Stammzellen in der
Bauchspeicheldrüse, die Insulinproduzierende Zellen liefern, und nach denen man schon seit Jahrzehnten sucht.
ZEIT online: Man kennt also noch gar nicht alle Arten von adulten Stammzellen?
Ho: Richtig. Viele Vorläuferzellen oder Stammzellen sind noch gar nicht identifiziert. Und im Nervensystem, zum Beispiel, konnte man Stammzellen erst vor gut 12, 13 Jahren finden. Wirklich gut Bescheid weiß man heute über Stammzellen für das Blutbildende System, und über sogenannte Mesenchymale Stammzellen, die auch aus dem Knochenmark kommen und vor allem das Bindegewebe erneuern. An Knochenmarksstammzellen wird allerdings auch schon seit mehr als 40 Jahren geforscht.
ZEIT online: Es gibt aber die Behauptung, dass adulte Stammzellen heute schon mehr als 70 Krankheiten heilen können. Stimmt das?
- Datum 01.10.2009 - 17:20 Uhr
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Ein gutes Interview - und nach zwei Tagen noch kein
einziger Kommentar. Ich sehe darin ein besonderes
Qualitätsmerkmal der Antworten des Interviewten.
Ein Aspekt lohnte ich in weiteren Interviews mit weiteren
Experten (im besten Sinne) zu vertiefen: der der
zum Schluss angesprochenen Scheinheiligkeit. Eine
wahre Fundgrube würde sich auftun.
Prof. Nüsslein-Volhard, Prof. Winnacker und
v.a.m. könnten sicher wunderbar aus dem Nähkästchen
plaudern.
Bieten Sie Ihnen in der ZEIT doch ein Forum.
Herzlichst Crest
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