Vergessene Autoren (4)
Der Camus aus Piemont
Der italienische Schriftsteller Beppe Fenoglio starb früh. Er hinterließ eine Handvoll großartiger Romane über den Krieg und die Rebellion gegen das bürgerliche Leben.
Der 1922 in dem piemontesischen Städtchen Alba geborene Beppe Fenoglio ist mit nur vierzig Jahren gestorben. Als Verfasser einer Handvoll Romane wurde er in den fünfziger Jahren kurz bekannt, dann zog er sich vom Literaturbetrieb zurück. Er wurde Englischkorrespondent einer Weinfirma und führte ein unscheinbares Leben. Ein öffentlichkeitsscheuer Mensch, der es nicht mehr nötig fand, weiter zu publizieren - auch wenn er nie aufgehört hatte, zu schreiben.
Drei seiner Romane wurden erst posthum veröffentlicht. Bücher von stiller, alttestamentarischer Wucht, die es nun knapp ein halbes Jahrhundert nach seinem jähem Tod neu zu entdecken gilt. Italo Calvino bekannte mit Blick auf Fenoglios 1963 erschienenen und später verfilmten Partisanenroman Eine Privatsache anerkennend, "dies ist das Buch, das unsere Generation hatte schreiben wollen".
Fenoglio erzählt in seinem vielleicht berühmtesten Werk die Geschichte des jungen Partisanen Milton. Mit einer Gruppe befindet er sich in der Nähe jenes einsamen Landhauses, in dem er Jahre zuvor eine Liebesgeschichte mit dem Mädchen Fulvia erlebte. Er kann sie nicht vergessen und liebt sie noch immer. Als Milton erfährt, dass sie ihn mit seinem Freund Giorgio betrogen hat, versucht er diesen aus der Gefangenschaft zu befreien, um die Wahrheit zu erfahren. Dabei verliert Milton sein Leben.
Hier wird ein privates Motiv zum Motor einer Passionsgeschichte, die tödlich endet, tödlich enden muss. Nicht nur Stil und Haltung Fenoglios lassen an Albert Camus denken; denn auch das Klima des Absurden, das Fenoglio in all seinen anderen Büchern allegorisch ausgestaltet hat, erinnert an den ebenfalls früh verstorbenen algerischen Nobelpreisträger.
Vielleicht noch klarer und berührender in seiner sprachlichen Kargheit illustriert Fenoglios 1969 erschienener Roman Eine feine Methode seinen Blick auf diese Zeit. Der Roman erzählt von dem Kriegsheimkehrer Ettore, der sich, im Krieg um manche Illusion beraubt, in der kleinbürgerlichen Enge des Elternhauses nicht mehr zurecht findet. Gefangen in einer fest gefügten, scheinbar unverrückbaren Ordnung, die nur auf Broterwerb und die Aufzucht der Nachkommen ausgerichtet ist, beginnt Ettore seine stille Rebellion. Er wird Rauschgiftschmuggler. Als er die junge Vanda heiratet, will er zurück ins bürgerliche Dasein. Doch Ettore wird von einem Lastwagen erfasst und stirbt.
Auch hier bleibt sich Fenoglio in seiner kompromisslosen Haltung zum Leben treu: Anpassung und Rückkehr werden seinem Helden nicht gestattet, die Ketten des Krieges lassen sich auch in Friedenszeiten nicht sprengen. Abermals setzt ein jäher Tod allen Hoffnungen ein Ende.
- Datum 29.1.2008 - 06:22 Uhr
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1. War Albert Camus Franzose (auch wenn er im heutigen Algerien geboren wurde).
2. Waren seine Haupthemen Absurdität von Leben und Tod, der man nur mit der endlosen Revolte bgegegnet. Die aber nur einen Sinn haben kann, wenn man nicht nur gegen, sondern auch für etwas revoltiert.
3. Zwar mag man "Der Fremde" als stärksten Ausdruck seines lakonischen Stils sehen, aber er war durchaus zu einem starken Lyrizismus fähig, wie z.B. in dem Bühnenwerk "Der Belagerungszustand."
Ohne etwas von Fenoglio gelesen zu haben, habe ich trotz allem meine Zweifel an der Berechtigung des gewählten Vergleichs.
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