Isaf-Mandat Ein bisschen Krieg gibt es nichtSeite 2/2

Als einziges Zugeständnis übernimmt die Bundeswehr statt dessen von den Norwegern ab Juli eine 250 Mann starke sogenannte Quick Reaction Force, die im Norden Afghanistans für Sicherungsmaßnahmen zuständig ist, die aber im vergangenen Herbst an der Seite der afghanischen Armee auch in Kampfhandlungen verwickelt war. Militärisch ist dies trotzdem eher eine symbolische Geste. Innenpolitisch jedoch ist es ein heikles Zugeständnis, denn diese schnelle Eingreiftruppe dient mehr als nur der Selbstverteidigung. Erstmals in ihrer Geschichte könnten Deutsche Soldaten bei Auslandeinsätzen also aktiv in Kriegshandlungen verwickelt werden. Sie könnten angreifen, schießen und töten müssen und getötet werden. Trotzdem nennt das Verteidigungsministerium die Truppe verharmlosend eine "militärische Feuerwehr" und verschleiert damit, dass es sich in Wirklichkeit um einen Tabubruch handelt.

Wie schon bei den Tornados glaubt die Bundesregierung, sich mit dieser Geste dem massiven Druck der Amerikaner entziehen zu können. Es wird nicht das letzte Zugeständnis der Deutschen sein.

Schließlich handelt es sich bei der Bitte um die Entsendung von Kampftruppen, anders als die deutsche Politik es der Öffentlichkeit weiszumachen versucht, keineswegs um eine isolierte Aktion der vermeintlich schießwütigen Amerikaner. Auch Kanada, das neben den USA in Afghanistan die meisten Opfer zu beklagen hat, macht Druck. Die Engländer, Dänen und Niederländer drängen ebenfalls und machen ihr weiteres Engagement davon abhängig, dass die Bündnispartner sie stärker als bisher unterstützen. Am liebsten sähen alle eine Rotation, bei der jeder mal im ruhigeren Norden Dienst tun könnte. Der Nato droht eine Zerreißprobe und in Afghanistan ein militärisches Desaster, weil in allen diesen Ländern der Eindruck vorherrscht, dass die Lasten dieses Krieges ungerecht verteilt sind.

Lange wird sich Deutschland dem internationalen Druck nicht mehr entziehen können, trotz möglicher innenpolitischer Konsequenzen. Mitgefangen, mitgehangen. Spätestens im kommenden Jahr, wenn es in den USA eine neue (demokratische) und vermutlich kooperationsbereitere Regierung gibt, wird die Nato ihr Afghanistan Engagement auf eine völlig neue Basis stellen (müssen) und damit auch die deutsche Beteiligung daran. Die Bundeswehr also wird weiter immer tiefer in die Auseinandersetzung hineingezogen, Stück für Stück. Ein bisschen Krieg gibt es nicht.

 
Leser-Kommentare
  1. Liebe LeserEs fällt mir manchmal sehr schwer noch Kommentare zu verschiedenen Themen zu verfassen. Das Bombardement, besonders wenn es sich um Negativmeldungen handelt wird schon unerträglich, ich glaube ein Teil von Lesern stimmt mir hier zu. Manchmal sehe ich mich selbst als derjenige der alles Schlechte verbockt hat. Die Flut von egativinformationen hat schon ein unerträgliches Maß angenommen.hypowatch

    • lef
    • 03.02.2008 um 17:28 Uhr

    Was ist so schwer daran, uns mal zu erzählen und vorzurechnen, was der Krieg in Afghanistan (und gleich am Besten auch der im Kosovo) eigentlich bringt und nutzt?Ich (wie scheinbar Viele) weiß es wirklich nicht.Was ich höre (besonders vom Norden Afghanistans) ist:Vermehrter Drogenanbau,kritischer Journalist zum Tode verurteilt,(http://www.vaterland.li/p...)Bevölkerungsexplosion.Mein Gefühl dazu:"Fliegen, die das Fliegenpapier erobern" (nannte es Steinbeck)

  2. 3. Krieg

    Krieg ist an und für sich eine schlimme Sache, das einmal vorangestellt.
    Nun gibt es aber Situationen, in denen alle, und wirklich ALLE Alternativen noch mieser sind, gerade für die betroffene Zivilbevölkerung - vom unbeteiligten Rest der Welt einmal abgesehen. Da muss die Bereitschaft da sein, Überzeugungen (Menschenrechte!) und Sicherheit mit der Waffe in der Hand zu verteidigen.Dass deutsche Soldaten kämpfen müssen ist nicht die Krux am Afghanistan-Einsatz, die deutschen Soldaten müssen dann im Zweifelsfall dafür stehen, ihre Waffe besonnen einzusetzen.Der bedingungs- und kompromisslose Pazifismus weiter Teile der politischen Landschaft (aus welchem Grund auch immer) wird nicht zu dauerhaftem Frieden sondern zu einer neuen Art der Appeasement-Politik führen. Nazi-Vergleiche sind unbeliebt und gefährlich, aber: für die Betroffene Zivilbevölkerung ist es relativ unwesentlich, ob sie nun in Auschwitz wegen ihrer Religion vergast, oder in Kabul oder sonst wo wegen ihres Kleidungsstils, ihres Geschlechts oder ihrer Meinung gequält und getötet wird.Wir müssen uns eingestehen, dass Peacebuilding auch heißt, aufgebautes zu verteidigen. Dass die hochgerüsteten deutschen Truppen auch dazu ausgebildet wurden zu kämpfen, nicht nur in ruhigen Zonen wache zu schieben.Das ist meiner Ansicht nach keine Negativmeldung, sondern die klare Konsequenz aus Negativmeldungen. Es zeigt, dass auch wir Deutschen irgendwann in der Realität ankommen, so unangenehm die auch sein mag.

  3. ... aus diesem Wahnsinnskrieg heim! Habt Ihr wirklich alle vergessen, daß "Afghanistan", dieses künstliche Gebilde kolonialistischer Willkür nicht zu "befrieden" ist? Fragt doch mal die Sowjet-Generäle nach ihren Erfahrungen mit den von den USA höchstgerüsteten Taliban. Die Briten müßten es von selbst wissen. Nur weil ein Grenzdementer Aktionismus zeigen zu müssen glaubte, werden hier Menschen getötet und geopfert. Hört endlich auf mit dem Wahnsinn! Einer muß doch den Anfang machen.

  4. Die Amerikaner behaupten, das deutsche Volk wehrt sich gegen die totalen
    Kriegsmaßnahmen der Regierung. Es will nicht den totalen Krieg, sondern
    die Kapitulation.Ich frage Euch: Wollt Ihr den totalen Krieg? Wollt Ihr ihn wenn nötig
    totaler und radikaler, als wir ihn uns heute überhaupt noch vorstellen
    können?

  5. [entfernt, bitte diskutieren Sie sachlich und vermeiden Sie unreflektierte, polemische Hetze/ Redaktion; svb]

  6. Sie schreiben:
     
    "Holt endlich die Bundeswehr... aus diesem Wahnsinnskrieg heim! Habt Ihr wirklich alle vergessen."
     
    Hm, so hat man gegen Adolf aber nicht gewonnen.

    • gquell
    • 03.02.2008 um 19:26 Uhr

    Es gibt eine (vielleicht bittere) Wahrheit, daß immer dort, wo "islamischer Terror"  oder allgemein Terror (siehe Südamerika) auftritt, am Anfang eine CIA-Schulung gestanden hat.  Zum anderen profitieren immer angloamerikanische Firmen von dem Chaos, das in diesen Ländern durch das amerikanische Militär angerichtet wird. Es geht hier einfach um die geostrategischen Ziele der USA, wirtschaftliches Chaos und Terror sind ein Mittel dazu. Die USA wollen uns Deutsche in ihren Kampf mit hineinziehen ohne aber natürlich mit uns nachher die Beute zu teilen! Und wir sollen natürlich Komplizen von Kriegsverbrechen sein, wie beispielsweise Clusterbomben, uranangereicherte Munition, Überfall auf zivile Einichtungen etc..Insgesamt ist der ganze Afghanistaneinsatz bisher ein einziges Desaster. Die jetzige Regierung ist korrupt bis in die Knochen, die Warlords mächtiger den je und die Heroinproduktion ist auf höchstem Stand. Den einzige Vorteil haben die üblichen Kriegsprofiteure, die Waffenhändler, Militärs, Drogenschmuggler und die Unternehmen, die gegen gutes Geld das zerstörte Land wieder aufbauen. Die USA haben es schon jetzt geschafft, daß das deutsche Ansehen in der amerikanischen Welt stark angegriffen ist. Wer sich genauer informieren will, dem empfehle ich das Buch "Sprengsatz Afghanistan" von Christoph R. Hörstel.

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