Lernen Die Schule geht in den KindergartenSeite 4/4

Mit etwas Abstand wird klar, worum es bei diesen neuen Anfängen geht. Gewiss, die Institutionen Kindergarten und Schule mit ihren unterschiedlichen Kulturen werden neu definiert. Aber entscheidend ist, dass damit die Gesellschaft ihre Initiationsrituale verändert, mit denen sie die nächste Generation empfängt. Wir erleben den Abschied von der Härte und dem Misstrauen der Industriegesellschaft. Am Zürichsee, in niederländischen Primarschulen und vielleicht auch bald in baden-württembergischen Bildungshäusern liegt etwas von der Frühlingsluft einer Wissens- oder sogar Ideengesellschaft in der Luft. ABC-Schützen werden nicht mehr einberufen wie Rekruten. Jeder Einzelne wird erwartet, begrüßt und sogar gefeiert. Jeder darf sich auf seine Art einfädeln.

Sieht man die kleinen Bastler, Maler oder Forscher in diesen Ateliers und Werkstätten, fällt einem Albert Einsteins Antwort auf die Frage ein, wie er sich seine wissenschaftlichen Leistungen erkläre: „Weil ich immer das ewige Kind geblieben bin.“

 
Leser-Kommentare
    • lef
    • 01.02.2008 um 16:57 Uhr

    Es war doch gerade so bequem geworden:was früher die Aufgabe der Schule war, speziell der Grundschule, hat sich schon längst in die Kindergarten verlagert, nämlich die Aufgabe, aus unterschiedlichsten Kindern eine Gemeinschaft zu bilden, sie zum freiwilligen Stillsitzen zu bringen, sie zum Lernen anzuregen ("Lernen zu lernen").In den Kindergärten werden schon seit langem eben diese Vorarbeiten übernommen - mit inzwischen sehr kindgerechter Motivation, mit wunderbaren Anregungsspielen.Die Grundschullehrer bekommen also schon seit Langem von den Kindergärten zumindest eine Stammmannschaft von lernbereiten Kindern "zugeliefert" und müssen sich nur noch um die kleine Gruppe der Kinder kümmern, die nicht in Kindergärten "das Lernen gelernt" haben.und selbst hier haben sie offensichtlich versagt, wie die immer höhere Zahl von Schulabbrechern zeigt.Schön also:Die Lehrer haben wenigstens ansatzweise begriffen, dass sie immer bequemer geworden sind, immer weniger an neuen Konzepten gearbeitet haben,ahnen zumindest, dass andere Wege gibt, als Kinder wie Flaschen mit Lernstoff abzufüllen.Nur:Diese hervorragenden neuen Konzepte wurden eben NICHT von hochbezahlten und verbeamteten Lehrern entwickelt,sondern von schlechtbezahlten, mangelhaft ausgebildeten und im extrem schlechten gesellschaftlichen Ansehen stehenden "Erziehern" und vor Allem "Erzieherinnen" in Kindergärten Deutschlands! E wird Zeit, dass wir von Japan lernen:Dort haben "Kindergärtnerinnen" schon immer ein Ansehen, das dem von Professoren gleicht.Mit Recht, wie dieser Artikel beweist - auch in Deutschland sind es unterbezahlte ErzieherInnen in "Kindergärten" , denen wir wirklich das (leider nur teilweise) sehr hohe Niveau  der Kreativität und der Innovationsfahigkeit verdanken, von der unsere Exportwirtschaft (und der Rest) lebt.Was nicht heißen soll, dass unsere Kindergärten schon perfekt sind - ganz im Gegenteil sind es leider immer noch viel zu wenige Kindergärten, die die Zeichen der Zeit schon länger erkannt haben - was bei deren schlechten Bezahlung, Ausbildung und gesellschaftlichen Bewertung auch nicht verwunderlich ist.Die zu erahnende revolutionär andere Denkweise in Kindergärten stammt von wenigen sehr engagierten (und hoffnungslos überbelasteten)  Kindergartenleitererinnen!!Aber es sind immer noch die weit überbewerteten Lehrer, deren Aufgabe es eigentlich gewesen wäre.Und genau die haben in der Vergangenheit kläglich versagt.DENEN verdanken wir die schlechten Ausbildungsergebnisse unter Jugendlichen der der Jetztzeit.

  1. Es war schon immer die Aufgabe des Vorschulunterrichts, Kindern das Leben und Lernen in der Gruppe zu erleichtern.  Warum ein Kind das erst mit sechs oder sieben in der Grundschule lernen soll, ist mir völlig schleierhaft. Natürlich kann und soll eine solche Aufgabe vom Kindergarten übernommen werden, und deshalb ist es an der Zeit, daß sämtliche Kindergärten auch ein pädagogisches Programm bekommen, denn nur dann können Grundschullehrer auch nur annähernd auf vergleichbaren Kenntnissen und Fähigkeiten aufbauen.Was mich an der neuen Initiative und dem Artikel darüber etwas stört, ist die Betonung, nun würde Lernen endlich Spaß machen, spielerisch geschehen, usw. Das ist keineswegs revolutionär, jeder gute Grundschullehrer hat das längst im Programm, und auch ein Mittelstufelehrer hat Lernspiele und ähnliches auf dem Kasten.Sinnvoll erscheint mir die neue Initiative überdies nur, wenn man auch an das Problem der 5. Klasse und des bisher sehr abrupten Übertritts auf Gymnasium/Realschule in Angriff nimmt -- denn der könnte sich mit den neuen Bildungshäusern und ihren heterogenen Gruppen noch radikaler gestalten. Da fände ich es zum Beispiel gut, die Bildungshäuser bis Klasse 6 auszudehnen, und die weiterführenden Schulen ab Klasse 7 laufen zu lassen. 

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