Pop Geschnitzt aus Bowies RippeSeite 4/4
ZEIT online:
Während das Massenpublikum nur die Kunstfigur Falco kennenlernte, hatten Sie als Labelchef auch mit dem Menschen Hans Hölzel zu tun. Wie verhielten sich die beiden zueinander? Wo hörte der Mensch auf, wo begann das Image? Und ließen sich die beiden Personae überhaupt auseinanderhalten?
Spiegel:
Sein Image wurzelte natürlich in seiner Persönlichkeit. Es war die pointierte, zugespitzte Version des Hans Hölzel. Aber es führte auch dazu, dass Falco auf wenige Komponenten reduziert wurde. Die öffentliche Wahrnehmung seiner Person wurde der Komplexität seines Innenlebens nicht gerecht: Er war extrem schlagfertig und intelligent – wenn auch nicht im Sinne einer allgemeinen Belesenheit. Aber Falco wusste auf jede Ansage eine Antwort, er hatte immer das letzte Wort. Und das mit Stil. Deshalb kam er sehr gut mit Journalisten zurecht. Er wusste, womit er sie füttern musste, um in den Medien dauerhaft präsent zu sein. Einen kurzen Moment lang hat Falco es geschafft, sowohl ein Massenpublikum als auch die kritische Intelligenz zu bedienen. Er war in den Feuilletons genauso Thema wie in der
Bravo
. Das konnte nicht ewig so weitergehen, und spätestens mit
Amadeus
gehörte der Sänger ausschließlich den tobenden Teenies.
ZEIT online:
Nach der LP
Falco 3
, die den Superhit
Rock Me Amadeus
enthielt, haben sich Ihre Wege getrennt. Günstigerweise gerade vor dem großen Karrieretief, das zehn Jahre lang dauerte. Erst kurz vor seinem Tod hatte Falco wieder ein paar mäßige Erfolge. Hatten Sie in all den Jahren noch Kontakt zueinander?
Spiegel:
Wir haben uns nicht wegen geschäftlicher oder sonstiger Differenzen getrennt. Der ursprüngliche Vertrag lief aus und musste neu verhandelt werden. Mittlerweile war Falco aber mit
Amadeus
in eine Liga vorgestoßen, in der ich mit meiner kleinen Firma nicht mehr mitbieten konnte. Das ist wie beim Transfer eines Topfußballers: Da kann nur eine Major Company das nötige Kleingeld aufbringen, um den Star an sich zu binden. Die Ironie im Fall Falco war, dass ihm nach dem teuren Firmenwechsel keine Hits mehr gelangen. Er hat sich mir gegenüber aber immer loyal verhalten. Deshalb habe ich ihn bis zum seinem Tod in Österreich betreut. Noch drei Tage vor dem Autounfall in der Dominikanischen Republik hat er mich aufgeregt angerufen und mir Songs seiner letzten Platte
Verdammt, wir leben noch
vorgespielt. Er war voller Energie und wollte noch einmal richtig durchstarten. Das dürfte alle Selbstmordgerüchte wohl entkräften. Falco wollte leben. Und zwar auf der Überholspur!
Das Gespräch führte Thomas Mießgang .
Plattenrezensionen, Künstlerportraits, Bildergalerien und unser Festivalblog gibt's auf
zeit.de/musik »
Sie wollen auf dem Laufenden bleiben?
Klicken Sie hier
, und unser RSS-Newsletter bringt Ihnen die Musik direkt auf den Schirm.
- Datum 05.02.2008 - 08:09 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | 4 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT online, 1.2.2008
- Kommentare 1
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:









Sehr geehrter Herr Mießgang!
ein bisschen bessere Recherche hätte ich mir schon erwartet, die Textzeile „Den Schnee, auf dem wir talwärts fahren, kennt heute jedes Kind.“ stammt nicht aus dem Song "Ganz Wien", sondern aus dem "Kommisar".
schöne Grüße aus Wien,
Tom JEDJUD
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren