Man stelle sich vor, die vorgesehene Summe zum Ausbau einer Institution werde mit einem Mal verdoppelt. "Welch warmer Regen!" dächten dann all jene, denen das Projekt am Herzen läge. Im Falle des Peer Steinbrück, SPD, geht es um den Ausbau der Kinderbetreuung. Im vergangenen Jahr stellte sein Finanzministerium 2,15 Milliarden Euro zur Verfügung, um das entsprechende Gesetz zum Ausbau der Tagesbetreuung umzusetzen. Und den wollen (fast) alle, denn er ist ein sinnvoller Weg, das gesamtdeutsche Anliegen einer frühen Bildungsförderung und der Bekämpfung von Kinderarmut zu verwirklichen. Wenn Kinder gut betreut werden, ist sehr viel für ihre und unsere Zukunft getan.

Woher könnte aber ein solch warmer Regen kommen? Der Bundesfinanzminister schlägt dafür das Geld vor, das für eine Erhöhung des Kindergeldes von 2010 an investiert werden müsste, voraussichtlich etwa zehn Euro pro Kind. Wie viel es genau sein wird, könnte aus einem "Existenzminimumbericht" errechnet werden, in dem alle zum Leben notwendigen Ausgaben wie Lebensmittel, Miete und Energiekosten erfasst sind. Einen solchen Bericht fordert Familienministerin Ursula von der Leyen, CDU. Ihre Partei drängt auf eine Anpassung des Kindergeldes möglichst schon für das Jahr 2009. Da die Lebenshaltungskosten gestiegen sind, erhielten Eltern für die ersten drei Kinder dann schätzungsweise jeweils 164, statt der bisherigen 154 Euro pro Monat.

Diese Erhöhung des Kindergeldes würde den Haushalt mit zwei Milliarden Euro pro Jahr belasten, hat das Finanzministerium ausgerechnet. Steinbrück hat nun vorgeschlagen, diese Summe nicht in eine Anhebung des Kindergeldes zu stecken, sondern in den Ausbau der Kinderbetreuung. Dort käme es garantiert den Kindern zugute - in Form von Bildung und Förderung und von einer gesunden Ernährung.

Sicher, man kann einige Bedenken gegen diesen Vorschlag formulieren: Im Gegensatz zum Kindergeld käme eine bessere Kinderbetreuung noch lange nicht allen Eltern in Deutschland zugute, weil sie gar nicht die Möglichkeit haben, Krippen oder Kindergartenplätze in Anspruch zu nehmen. Was ist mit Familien, in denen die Eltern die Betreuung ihrer Kleinen zu Hause übernehmen? Auch ist es richtig, dass die Verantwortung für die Kinder grundsätzlich bei den Familien liegen soll. Mit diesem Argument wehrte sich die Union schon im Dezember, als es um das Betreuungsgeld ging, gegen zweckgebundene Zahlungen. Sie forderte, das Geld solle nicht nur indirekt in Form von beispielsweise Bibliotheksgutscheinen ausgezahlt werden, sondern direkt an die Eltern. Der Zweckgebundenheit läge ein grundsätzliches Misstrauen gegen die Erziehungskompetenz der Eltern zugrunde. Und schließlich ist in unserem Grundgesetz die Sicherung des Existenzminimums für Kinder nicht nur verankert, sondern auch ans Kindergeld gekoppelt. Eine Loslösung der Sicherung von dieser Zahlung würde also eine Verfassungsänderung voraussetzen. Die ist mithin schwierig und langwierig.

Aber laut Denken ist gestattet. Und erwünscht. Peer Steinbrück tut es und spricht mit der Frage, wie die Zukunft der Kinder am besten geschützt und gefördert werden kann, ein wichtiges Thema an.